Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1904)
- Date
- 1904-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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833 Eindruck. Die Feier in der Synagoge wurde von dem eigens zu dieser Feier gebildeten Synagogenchor mit dem Absingen des Bcgrußungsliedes des m -p-2 eingeleitet. Sodann entzündete Herr Rabbiner Dr. Marx das “ran 12. die Thorarollen wurden unter Gesang des Kantors mit Chor aus der heil. Lade gehoben, ein dreimaliger Umzug mit ihnen veranstaltet, und nach Vortrag des Gebetes für den Landesfürfien unter erneuten Gesängen zur heil. Lade zuruckgebracht. Unter Zugrundelegung des Psalmistenwortes rxz visr rr.x *n cv:z r.nr6 "n ir hz n rrzz vzv rpric rr*x i hiel' der Herr Rabbiner die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machende Festrede, und der Chor schloß sodann mit dem Absingen des 128. Psalmes die erhebende Feier, dir noch lange in der Erinnerung aller Theilnehmer hasten wird. Freitag Abend und Samstag Morgen fanden ebenfalls Festgottesdienste statt, die durch das Mitwirken eines exakt gehenden Kinderchores eine besondere Weihe erhielten. Auch für weltliche Vergnügungen war Sorge getragen, indem Freitag Abend ein Festkonzert. Samstag Abend drei Festbankette und Sonntag Abend ein Schlußfest abgehalten wurden, die sich eines solch regen Besuches erfreuten, daß sämmtliche zur Verfügung stehenden Raume nicht ausreichten, um alle Besucher aufzunehmcn. Hochbefriedigt dürfen auch wir auf die schöne Feier zurückblicken. die nach allgemeiner Uebereinstimmung sämmtlicher Festtheilnehmer eine der herrlichsten Synagogeneinweihungen des letzten Dezenniums war. Hoffentlich hält die Begeisterung für die neuerbaute Synagoge bei den hiesigen Gemeindemitgliedern auch recht lange an. so daß zu erwarten ist. daß durch ein beständiges tägliches Minjan der Zweck des Gotteshauses auch vollständig erreicht wird. H. K. Oesterreich. Wie«, 22. Febr. (Wie man :n Wien d i e Satzungen des Judenthums vertritt.) Im Monat November 1903 vereinbarte Se. Ehrw. Herr Rabb. Mayersohn mit den Mazzot-Bäckern — Herren Monath und Kleiner. 14. Bez.. Rauchfangkehrergaffe 20 — diese Erzeugung unter seine Aufsicht zu stellen. Das Ergebniß dieser Besprechung war. daß noch im selben Monat ein Zirkular erschien, welches in allen Ecken Wiens vertheilt und plakatirt wurde, daß Herr Rabb. M. Maversohn wieder etwas noch nie Dagewesenes errungen habe. Mit großen hebräischen Lettern, sich als jüdische Größe und in deutscher Sprache sich als erster Assessor des Rabbinatskollegiums nennend, und sich als polnisch-orthodoxen Rabbiner darstellend, wurden zu Tausenden diese laut schreienden Exemplare an alle Gläubigen vertheilt, worin Jedem an's Herz gelegt wird, sich nur an obige Firma zu wenden, .denn nur hier ist die Garantie für echt koscher, da selbst die Erzeugung des Mehkes unter meiner strengen Aufsicht steht." Wie aus den Molken gefallen war ich nun. äks ich eine Warnung in der „Qesterreichischen Wochenschrift" vom 8. dss. Mts. las. deren Wortlaut für den ersten Moment unbegreiflich und fast räthselhaft erscheint. Die Annonce lautet: Warnung. Ich bitte darauf zu achten, daß die in der Mazzöt- Däckerei Monath und Kleiner unter meiner Aufsicht erzeugten Mazzot und Gries mit meinem Siegel versehen sein sollen, da ich nur für die gezeichnete Waare die Verantwortung für das Kaschrus übernehme. Rabbiner Mayersohn.. Aus dieser Warnung ist Folgendes unverständlich: Herr Rabbiner Mayersohn einigte sich schon im Monat November 1903 mit den Mazzot-Bäckern betreffs der koscheren Erzeugung. Wenn schon damals die z-ivz“> bei Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Mayersohn zur Einsicht auflagen, wozu gehört dann die Warnung, daß nur für die mit Siegel gezeichneten P.ackete die Verantwortung für das Kaschrus übernommen wird. Was geschah also und wie wurde von Dezember 1903 bis 6. Februar 1904 erzeugt, denn aus der Warnung ist zu ersehen, daß in dieser Bäckerei auch Mazzot erzeugt wurden, die nicht mit dem Siegel Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Mayersohn versehen sind. Diese Angelegenheit ist ganz einfach zu beleuchten. Die Herren Monath und Kleiner erzeugten ohne Einwilligung des Herrn Rabb. M. Mayersohn auf einem gepolsterten, mit Leinwand überzogenen Tisch die Mazzot. deßhalb drohte ihnen Se. Ehrw., da solche Erzeugung laut jüdischer Vorschrift nicht gestattet ist. mit der Entziehung der Aufsicht und Veröffentlichung in sämmtlichen jüdischen Zeitungen. Es blieb daher obenbenannten Herren Bäckern nicht anderes übrig, als sich dem Willen Sr. Ehrw. zu fugen und zu versuchen, die Mazzot auf einem mit Metall belegten Tisch zu erzeugen. Bei der Arbeit aber erwies es sich, daß bei ihnen eine Erzeugung auf diese Weise eine Unmöglichkeit ist. Jetzt stand Se. Ehrw. Herr Rabbiner Mayersohn rathlos da und dachte: Was thun? Die Aufsicht ertheilte ich schon den Bäckern und dies ist auch schon überall publizirt. das läßt sich nicht mehr zurückziehen. Er blätterte daher in den Folianten, nicht aber im Talmud. sondern in seinem Verstände nach, um einen goldenen Mittelweg zu finden. Und er fand ihn auch. Aber wie? Bei dem heutigen Zeitgeist und Fortschritt kann man und muß man sich in's Unvermeidliche fügen, denn daß er auch dies versteht, beweist er damit, daß er den Mazzotbäckern erlaubte, was er früher verbot. auf einem gepolsterten, mit Leinwand überzogene» Tisch die Mazzot zu erzeugen. Wir fragen daher, zu