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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Kritik" aus Steinthals „Zur Bibel und Religionsphilosophie". Siebte Sitzung: Lesen und Besprechen der Ausführungen von Lazarus: „Das Prinzip der jüdischen Sittenlehre" (zweites Kapitel seiner Ethik des Judenthums) unter ausführlicher Bezugnahme auf Kants Ethik. Bei der Besprechung der Lazarus'schen Darstellungen wurde auch die Gegenschrift von Herm. Cohen-Marburg in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums („Das Problem der jüdischen Sittenlehre. Eine Kritik von Lazarus' Ethik des Judenthum") viel herangezogen. Dem Verein: „Vivat, eiescat, lloreat!" P e r i tz. Darmstadt, 23. Febr. In der hessischen Zweiten Kammer interpelliere am Dienstag Abgeordneter Reinhard-Worms über die Regelung der jüdischen Lehrerverhältnisse -lach dem seinerzeitigen Anträge Backes. Ministerialrath Dr. Eisenhuth erklärte, daß er in der Frage nur Theil-Rcfcrent sei. Jedoch habe er den bekannten (auch im „Israelit" s. Z. erwähnten) Vorschlag auf Zusammenlegung von Gemeinden behufs Anstellung eines Volksschullehrers den Kreisschulkommissioncn zur Begutachtung überwiesen. Derselbe sei aber zu seinem Bedauern von fast allen Seiten a b gelehnt worden. Er werde die Sache jedoch noch weiter verfolgen. Gegenüber der gleichen Besprechung im Vorjahre läßt die diesjährige Regierungsantwort besonders im Schlußwort sowie in Verbindung mit der vor kurzem erschienenen Prüfungsordnung, eine baldige Regelung der Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse erhoffen. Besonders ist die .Ablehnung des ganz unzureichenden Projektes der Anstellung von Wanderlehrern bemerkenswerth. Thun wir weiter unsere Schuldigkeit und hoffen wir auf den Sieg der gerechten Sache! Abg. Gutfleisch-Gießen hat sich ebenfalls wiederholt thatkräftig um dieselbe verdient gemacht. L. Diez a. d. L. Das Purimfest naht heran, das Fest der Freude und der Spenden. Da möchte es wohl angezeigt sein, die Aufmerksamkeit unserer jüdischen Männer und Frauen auf das hier befindliche „Deutsch- Jsr. Kinderheim" zu lenken, das eine freundliche und gesunde Heimstätte verwaisten Kindern bietet, deren Erziehung im Elternhause gefährdet wäre. Auf luftiger Höhe, in unmittelbarer Nähe des Waldes, empfangen ca. 40 Knaben hier eine in körperlicher und sittlicher geistiger Beziehung ausgezeichnete Erziehung; hier, dem Elende entrückt, dürfen sie sich wie andere Kinder freuen. Hier wird ihnen der Grund für eine einstige, sichere und ehrbare Erziehung gelegt; wie viele von denen, welche die Anstalt ins Leben entlassen, die jetzt ehrbar sich ihr Vrod verdienen, wären verkommen, wenn sie nicht das Glück gehabt hätten, hier zu braven Menschen erzogen zu werden. Diese Anstalt zu unterstützen, ist gewiß edel und liebreich handeln; möge darum Niemand das Fest der Freude vorubergchen lassen, ohne sein Scherflein für die armen Waisen beizusteuern. Höchst i. C. Im Anschluß an Ihre kurze Notiz über die hiesige Synagogeneinweihung gestatte ich mir. Ihnen einen ausführlichen Bericht über erwähnte Feierlichkeit behufs Aufnahme in Ihrem geschätzten Blatte zukommen zu lassen: Die hiesige Synagogenweihe gestaltete sich zu einem wahren Kiduschhaschem. Aus der weitesten Umgebung waren nicht nur Juden, sondern auch Nichtjuden in großer Anzahl herbeigeeilt, um an unserem Feste theilznnehmeu. Der ganze Ort prangte in Flaggen- und Guirlandenschmuck und eine große Anzahl hiesiger Bürgersleute betheiligten sich nebst den Beamten und Vereinen an dem die Feierlichkeiten einleitenden Festzuge. Nachdem Mittags 12% im seitherigen Betlokale das Mincha-Gebet gesprochen und Herr Laudesrabbiner Dr. Marx- Darrnstadt in tief ergreifenden, zu Herzen gehenden Worten Abschied von der bisherigen Andachtsstätte genommen, wurden die Thorarollen den Trägern übergeben und der Festzug formirte sich. Voraus schritt die hiesige freiwillige Feuerwehr, sodann folgten ein Musikkorps, die Schulkinder, bunte Fahnen mit der Aufschrift r*r tragend, der Synagogenchor, die Schlüsselträgerin mit Ehrendamen, die Thorarollcnträger unter einem von Guirlanden tragenden Ehrendamen umgebenen Baldachin. Rabbiner und Lehrer. Kreisamtmann Langemann, der Vorstand hiesiger Gemeinde, Bürgermeister und Gemeinderäthe, und verschiedene andere Gemeinde- und Staatsbeamten. Hierauf schlossen sich dem Zuge, als Zeichen schönster Toleranz, sammtliche hiesige Vereine mit ihren Fahnen an. Ihnen folgten dann die hiesigen Geineindemitglieder und alle übrigen Festtheilnehmer. Ein nicht zu übersehender Zug war es. der sich zur neuen Synagoge bewegte, und allgemein herrschte die Ansicht vor, daß Höchst eine solche Menge Menschen noch nie bei einem Feste vereinigte. Vor der neuen . Synagoge überreichte Frl. Lina M u h r mit einer kurzen 2lnsprache den Schlüssel des Gotteshauses dem Vertreter der Staatsbehörde, Herr Kreisamtmann 'Langniann. Dieser gab seiner Freude Ausdruck über das . schöne Verhältniß des Friedens und der Eintracht in hiesiger Gemeinde, das sich heute durch das Betheiligen aller Stände und Konfessionen in großartiger Weise gezeigt habe und schloß mit dem Wunsche, daß dies immer so bleiben möge. Er überreichte den Schlüssel dem Vorstand hiesiger Gemeinde und dieser dem Herrn Landesrabbiner, der dann mit den Psalmw.orten vr&v i?: n r.'2 H 0*12x3 die Pforten des Gotteshauses öffnete. Ein herrlicher Anblick bot sich nun allen Besuchern. Das in allen seinen Theilen wohlgelungene Gotteshaus erstrahlte in elektrischem Lichte und machte auf alle Beschauer einen geradezu überwältigenden

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