Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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1338 sandte ich mein Referat über Vor- und Aus bikdung auf dem jüdischen Wissensgebiet ein; die Minorität stimmte in lobenden Worten zu. die Majorität erklärte meine Forderungen für unmöglich. Vergeblich ersuchte ich um Begründung dieses Votums; auf die Anfrage des Vorsitzenden, ob die ..prächtige Arbeit" Gut's veröffentlicht werden solle, blieben die ablehnenden Herren die Antwort schuldig. Sofort erklärte ich brieflich und öffentlich meinen Austritt aus der Kommission. weil ich das Vorgehen derselben für ungesetz mässig erachte. Ale man meinen Austritt für einen Ausfluss gekränkten Ehrgeizes zu halten sich anschiäte, trat ich dieser Auffassung in der bekannten geharnischten Erklärung entgegen und stellte meinen Standpunkt unzweideutig fest. Zu gleicher Zeit schrieb ich an einige Eiesinnungsgenossen, der Moment scheint gekommen zu sein, da die sw zufammentreten müssten, um zu berat hen. rvelche Schritte nun zu geschehen haben, um unsere Rechte zu wahren. — Um jene Zeit war es. als die Rede Dr. Eahn's veröffentlicht wurde; der Redner vertritt in seiner Rede die Ansicht, der Austritt aus der Kommission genüge nicht, wir müssten aus dem Verbände heraus. Mehrere Lehrer, denen ich diese Ansicht des Herrn Dr. Cahn lundgab. antworteten mir; Wenn unser zuständiger, gcsetzestrener Rabbiner Mitglied des Rabbinerverbandes ist. in welchem es sich in erster Reihe um religionsgesetzliche Angelegenheiten bandelt, was will man da von uns Lehrern? Unsere Pensionskasse kümmert sich nicht um religiöse Anschauungen. Abgesehen davon, dass die Vertreter der Lehrerschaft, die Delegirten, im Dezember zu Cassel zu erklären haben, ob das Vorgehen der Leitung ihre Zustimmung oder ihre Missbilligung findet, die Sache also vorläufig noch schwebt, und abgesehen davon, dass wir. wie ich vorausgesetzt habe, überhaupt nicht aus dem Verbände, sondern nur aus den Provinzialnereinen austreten können, handelt es sich noch um einen anderen Punkt. Mit dem Austritt aus dem Vereine ist nämlich der Verlust des wohlerworbenen Anrechtes auf Pensionsbestellung und Reliktenversorgung verbunden. Würde es sich um meine Person allein handeln, ich würde vielleicht der Sache und meinen Freunden dos grosse Opfer bringen. Aber hier steht das Wohl vieler Lehrer — denn in allen Lebrervereinen sind gesehestreue Männer als Mitglieder vorhanden — ihrer Wittwen und Waisen in Frage; sie alle würden mit ihrer Austrittserklärung ihrer Versorgungsansprüche verlustig. Wer nun wie ick als langjähriges Vorstandsmitglied einen Einblick in so manches Lehrerheim gewonnen und so manches verschämte Elend wahrgenommen hat, der weist es zu würdigen. was es heisst, diesen kündbar und nicht pensionskähig angestellten Lehrern auch noch den vom Munde abgesparten Rothpfenniq zu entziehen. „Ach, Lehrer bekümmert oft grössere Roth, als hohe Beamte ermessen." Aber trotzalledem würden wir nie und nimmer einen Pfennig in's Haus nehmen, der nicht rv 'bz p*cps rr vvrgenommen werden darf. Um auch in diesein Punkte alle Bedenken zu beseitigen, wandte ich mich Mitte Juni an den Rektor des Berliner Rabbinerseminars. Herrn Tr. Hoffmann, setzte ihm die Sacke auseinander und erwähnte auch die von Herrn Dr. Cahn vertretene Meinung, den Protest und die Aufforderung zum Austritte. Ich glaube den Intentionen des Herrn Dr. Hoffmann nicht entgegenzuhandeln. wenn ich die Schlußworte seiner Erwiderung hier zitirc: „Sollte indessen einer der Herren Rabbiner — die den Issur ausgesprochen haben — bereit sein, mir und vielleicht noch zwei älteren nxm 'ra den Fall zur Begutachtung oorzulegen. so will ich gerne meine motivirte Meinung darüber kund geben." Ich richte also an Herrn Dr. Cahn die dringende Bitte, seine Ausführungen mit meiner Entgegung dem Herrn Dr. Hoffmann zur Begutachtung vorzulegen, eventuell die beiden anderen zur Bildung des pi ira erforderlichen oder gewünschten nsm ma zu bestimmen. Ausgeschlossen werden solche Herren sein, die an jener Sitzung am 5. Januar theilgenommen haben. Vorläufig gebe id) den „denlbar entschiedensten Protest" dem Referenten zurück zur Verwahrung auf künftige, bessere Tage. Wollte ich die sämmtkichen Einzelheiten des Referates hier in Bezug auf ihre Berechtigung erörtern, so würde diese Arbeit meine Zeit und meine Kraft dermassen in Anspruch nehmen, dass mir für andere Beschäftigung nichts mehr übrig bliebe. Daher beschränke ich mich auf die Erklärung, dass die Behauptungen, der j Verband wolle eine amtliche Verwaltungsstelle, ein j wirkliches Vehikel für staatliche Zentralstellen, ein Mitj tel zur Verschmelzung der verschiedenen Standpunkte; werden, als Zukunftsseminare seien wohl Münster und Berlin in Aussicht genommen u. s. w.. u. s. w. Vermuthungen des Referenten darstellen, für welche ihm die Beweise noch fehlen, während ich für einige derselben Beweise des (stegentheils besitze. Aber selbst den schlimmsten Fall angenommen, selbst wenn unser Verweilen im Verbände als Fehlschritt oder Missgriff erklärt werden wird, können die Protestlersich denn so von Schuld und Fehler freisprechen. dass sie beruhigt erklären können: rrsw »6 an» nn xb nrn n-n rx? Die *rs *;pt mussten nach Sotah 451> öffentlich bezeugen: \T.*nrri pro xbz mrew '.rr6 » xbz sie hätten niemanden, der dessen bedurfte, den materiellen und sozialen Schutz.versagt. Wie sehr gerade die orthodoxen Lehrer der materiellen und sozialen Fürsorge bedürfen, wurde in diesen Blättern des oftercn eingehend besprochen. Können nun die Herren Protestler behaupten, sie hätten solche Fürsorge für uns getroffen, daß wir nicht nöthig gehabt hatten, anderswo