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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1337 Anklage zu betrachten und zu behandeln scheint und hieraus als gereiste Frucht den Protest hervorwachsen läßt, halte ich es für nöthig, hierbei etwas länger zu vcriveileu.. Rektor Dr. Gutmann in Berlin und ich wurden ersucht. Referat und Korreferat über «Fort b'ldung der Lehrer auf dem Gebiete des jüdischen Wissens" zu übernehmen. Dr. Gutmann nahm an. ich lehnte ab. erklärte wich aber bereit, ein Referat über o r * und A u s bildung der Lehrer auf dem jüdischen Wissensgebiete"' auszuarbeiten. da eine intensive Fortbildung eine bessere Ausbildung zur Voraussetzung und Grundlage haben müsse. Mein Vorschlag fand Zustimmung. Ich war nun der Meinung, daß das von mir abgclehnte Korreferat einem anderen Herrn übertragen worden sei. Inzwischen lief Gutmann's Referat zur Zirkulation bei der Kommission ein. Daß meine Anschauungen sich weit von denen Dr. Gutmann's entfernen. brauche ich tvohl nicht zu erörtern: daß ich nicht in der Lage bin. die von Gutmonn ausgeführten Werke zur Fortbildung zu empfehlen, versteht sich ebenfalls von selbst. Jedoch in diesem Stadium der Verhandlungen schon meinen abweichenden Standpunkt zu begründen, hielt ich nicht für thunlich. weil das Kor rtfcnit noch in Aussicht stand, das sich vielleicht mit meinen Ansichten deckte. Zn meiner Ueberraschung wurde jedoch bald nachher den einzelnen Vereinen eine Denkschrift zugesandt, in welcher neben bereits erledigten Sachen auch Gutmann's Referat abgedrucll war. ohne daß desten Veröffentlichung von der Kommission beschlossen worden war. Ter Vorsitzende der Kommission ertlärte später, daß der Verbands borst a n d die Veröffentlichung beschlossen habe, weil von keinem Mitgliede der Kommission schwerwiegende Bedenken geltend gemacht worden waren. In Nr. .20 v. I. der pädagogischen Beilage des Vcrbandsorgans batte derselbe Vorsitzende aber erklärt, es sei ein tak tiscker Febler gewesen, Dr. Gutmann's Expos«'- mit der Arbeit des Herrn Dr. Spanier, die das P l a c e t der Lehrerschaft schon erhalten hatte, zusammen zu veröffentlichen. Hieraus ist doch zu ersehen. daß der Arbeit Gutmann's vor der Veröffentlichung das P l a c e t noch fehlte. Ich erhob daher Einspruch gegen diese Ordnung unsewr Geschäfte und beantragte die Veröffentlichung der bei Eahn Seite 20 der Mittheilungen zitirten Resolution, die darin gipfelt , daß die Derössentlichung des Referates ein Fehler war. daß durch einen orthodoxen Lehrer ein Korreferat ausgearbeiiet werden und der Verband alsdann beide der Lehrerschaft zur Besprechung vorlegen sollte. Bo« der Besprechung der Arbeiten bis zur offiziellen Empfehlung der darin anfgcführten Werke iss aber m. E. noch ein sehr weiter Weg. Dr. Eabn ziebi nun die kühnsten Folgerungen aus dieser Resolution, die mit folgenden Worten eingeleitet worden: ..Man muß es vor sich liegen haben, um es zu glauben. Also, wenn erst Gift, dann ein Trunk herzerfrischendes Wasser gereicht wird, dann ist alles gut und schön? To tief ist denn doch die Urtheilsfähigkeit der gesetzestreuen Lehrer noch nicht gesunken." Man sieht aus diesen Ausführungen aber deutlich, daß das „Vor sich liegen haben" noch lange nicht genügt, um es zu glauben. Man muß es erst prüfen und den Zusammenhang erforschen. Wo habe ich denn geschrieben. daß alles gut und schön ist. wenn Geiger und Hirsch vorgeschlagcn werden? Ich schreibe doch gerade das Gegentheil. Ich behaupte, wenn außer der Gutmann'schen Arbeit auch die andere vorliegt, dann beginnt erst das Tänzchen, nicht „dann ist alles gut und schön". So lange Gutmann's Arbeit allein vorliegt. haben wir keine Veranlassung, der Sache näher zu treten: sobald der Vorstand auch das orthodoxe Korreferat vorlegt, können wir der Prüfung und Besprechung näher treten. Wenn dann die Urtheilsfähigkeit der gesehestreuen Lehrer nach der liebenswürdigen Anerkennung des Herrn Dr. Cahn, noch nicht gesunken ist. warum der Lärm und die Angst? Gerade ich behaupte, unsere gesehestreuen Lehrer sind ohne Gefahr im Stande, beide Arbeiten einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen, um festzusehen, welche Werke zur Fortbildung empfohlen werden können und welche abgelehnt werden müssen. Herr Dr. Eahn befürchtet aber nach Seite 22 der Mittheilungen, es könnten inzwischen großes Unheil angerichtet werden, ehe nach dem Gifte der herzerfrischende Trank gereicht wird. Man sieht also, daß „die Urtheilsfähigkeit und Prinzipientreue der gesehestreuen Lehrer" von Seite 20 bis 22 sich gewaltig geändert haben muß. Oder war die Anerkennung der gesehestreuen Lehrer in Bezug auf die Urtheilsfähigkeit und Prinzipientreue nicht so ganz ernst gemeint? Aus der Fußnote. den Herrn Prof. S. betreffend, die ja allerdings inzwischen richtig gestellt wurde, schien eine ziemlich geringe Einschätzung des Intellektes der Elementarlehrer hervorzuschimmern: ebenso in der Angst, was tvohl geschehen wird, wenn sich in der Zwischenzeit ein gesetzestreuer Lehrer ein neologes Werk ansehen würde. Wenn Urtbeilskraft und Prinzipientreue unserer gesetzestreuen Lehrer auf so schwachen Füßen stehen sollten, wird die Isclirunq, wie i/f) fürchte, heutigen Tages doch wenig helfen. Aber so schlimm ist es mit unS noch lange nicht bestellt. Ich für meine Person behaupte kühn: Wenn die berangewachsene Jugend allerorts in denselben Bahnen wandelt, wie die mir anvertraute und anvertraut gewesene Jugend, dürfen Wir frohen Muthes in die Zukunft schauen. Also scheint es mit der mir angedichieten harmlosen Gutmuthigkeit, rührenden Bescheidenheit und Gedankenlosigkeit doch etivas besser auszusehen. Jedoch kehren wir zur Arbeit der Kommission zurück: Anfangs dieses Jahres

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