Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450044--61187-2521004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fmmnengdreten wären. Wenn ein analoger Fall bei den jüdischen Lehrern vorgekommen wäre, tonnte man das Erstaunen des Redners begreifen; aber bei den Lehrern liegt die Sache denn doch ganz anders als bei dem Rabbinerverbande. der überhaupt dem Redner stets als Richtschnur vorgeschwebt zu haben scheint. So ist in dem Referate fast durchgehends Verband und Verein. Verbandstoffe und Provinzialkaffe verwechselt. Tann lassen sich Rabbinerverband und Lehrerverband kaum miteinander vergleick-en. Da es sich bei legerem nicht um religionsgesehliche. sondern um methodische, didaktische, soziale und materielle Fragen handelt. Daß Hildesheimer und Maybaum nicht zusammen über die Verwendung der Orgel oder über die Schächtanaelegenhcit verhandeln können, ist eher anzunehmen, als duff Lehrer aller Schattirungen nicht darüber debattiren könnten, ob in der hebräischen Fibel nach der Normal Wörter- oder der Schreiblesemethode, ob im Uebersetzungsunterrichte nach der Meidingerffchen. nach der Seidestücker'schen oder nach der genetischen Methode unterrichtet werden solle. Die Beispiele ließen sich a<l infinitum vermehren. Uebrigens lasen wir sogar kürzlich, daß ein orthodoxer Provinzialrabbiner die Sckächtangelegenheit im Kreise neologer Amtsbrnder besprach, ohne daß der Referent ein Veto oder einen entschiedenen öffentlichen Protest eingelegt hätte. Das hätte doch wahrlich nach der Anschauung des Referenten eine geeignetere Veranlassung gewesen sein müssen, als es die Lehrervereinsfrage ist. bei welcher man erb die Genesis und das Wesen der Lehreroraanisation genau kennen muß. Warum also genießen gerade w i r die Ehre des Angriffs? Glaubt man vielleicht immer noch, ein jüdischer Schulmeister würde leichter und gründlicher Ordre pariren als andere Menschen?? Aber abgesehen davon, daß Rabbiner- und Lehrervereinigungen ganz andere Ziele verfolgen und kaum mitein ander verglichen werden können, und abgesehen davon, daß die Angriffe des Herrn Dr. Cahn zunächst gegen seine Amtsbrüder und erst viel spater gegen uns Pädagogen sich hätten richten müssen, ist die Begründung des Lehrerverbandes in ganz anderen Bahnen verlaufen. als Herr Dr. Eahn vorausseht. Schon jahrzehntelang wirken jüdische Lehrer — ohne Unterschied der religiösen Anschauung — gemeinsam in ihren Lehrervereinen für die intellektuelle, soziale und materielle Hebung ihres Standes, ohne daß jemals von irgend einer Seite eine diesbezügliche Beanstandung vernommen worden wäre. Die Versammlungen dieser Vereine wurden und werden säst regelmäßig von den Herren Rabbinen aller Schattir ungen durch ihre Besuche und ihre Begrüßung beehrt. Was Herr Dr. Eahn nun plötzlich im entschiedensten Tone verurtheilt, besieht also schon sehr lange, ohne daff die betheiligten Lehrer und betreffenden Rabbiner von ihm gewarnt oder belehrt worden wären. Als vor rrnigcn Jahren auf Anregung des D. I. G. B. der Zusammenschluß der Lehrervereine zu einem Verbände ber'athen wurde, stimmte ich in unserem Vereine mit mehreren Gesinnungsgenossen gegen den Plan, weil mir prinzipiell nur für einen völlig unabhängigen Verband sind; wir blieben aber in der Minorität. Fast alle Lehrervereine wurden nun Glieder des VerbandrS, der n u r Vereine und keine Individuen als Mitglieder kennt. Aus welchem Grunde wir damals aus unseren Vereinen und Prdvinzialkaffen hätten austreten sollen, vermag ich nicht einzusehen, da Bedenken religionsgesetzlicher Natur nicht Vorlagen. Daß die Verbandsleiter es als verdienstvolle Kulturarbeit betrachten, dem alten ..Köhlerglauben" den Garaus zu machen und die Lehrerschaft für die wissenschaftlichen Ergebnisse der Bibelkritik zu begeistern, uxir auch nicht im entferntesten nachzuweisen oder zu erkennen. Uebrigens zeigen Proteste verschiedener Vereine, die sich sofort beim leisesten Anzeichen einer vorstandlichen Beeinflussung einstellen, daß sich unsere Lehrerschaft nicht so ohne Weiteres die Marschroute von Berlin. Hamburg oder Magdeburg diktiren läßt. lieber meine Wirksamkeit im Vereine hätte sich der Referent sehr leicht hier in Cöln erkundigen können. Obfchon ich im allgemeinen sehr ungern von meiner Person spreche, bin ich es mir und meiner Stellung doch schuldig, zu erklären, daff ich niemals und nirgendwo ein Kompromiß geschlossen oder eine Konzession gemacht habe in Fragen, bei welchen im entferntesten die Ehrfurcht vor unserer hl. Tauroh in Betracht kommt. Der allgemein hochgeschätzte Direktor unseres Seruinars. Herr Rabbiner Dr. Plato vr :sr* 'v -pir ~r, hätte sicherlich dem Referenten auf Anfrage gerne bestätigt. daß meine bald zwanzigjährige Wirksamkeit in hiesiger Stadt einwandfrei nach dieser und auch nach anderer Richtung dasteht. Wohl könnte ich dem Referenten Nachweisen, daß ich in unserem Vereine manches Gute gewirkt und manches b'py: verhütet habe. Herr Dr. Cahn tadelt auch weniger unser Auftreten im Vereinsleben, als namentlich die Beziehungen zur Dcrbandsleitung. Wie ich schon vorausgeschickt habe, haben nicht die einzelnen Lehrer, sondern nur die Lehrervereine mit dem Verbände zu thun, daher kann von einem vertraulichen Verbältniß zwischen Lehrern und dem Verbände wohl keine Rede sein. Mit voller Absichtlichkeit erklärte ich mich auf Anfrage bereit, in die vom Verbände eingesetzte Lehrerbildungskommission einzutreten, da ich auf diese Weise aus direkter Onelle den sicheren Nachweis erhalten konnte, ob die zeitweise ertönenden Kassandrarufe „Brecht mit dem Verbandet" berechtigt seien. Nun wird Herr Dr. E. mir jedenfalls zugestehen, daß niemand besseren Aufschlnff über meine Wirksamkeit in dieser Kommission zu geben vermag, als ich selbst. Da der Referent gerade diesen Punkt als stärkste Stutze seiner