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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1334 wesen, ob der Fürsi Obolcnzky dieselbe Richtung einschlagen wird, soll die Zukunft entscheiden. Daß aber unier den selbst vergewaltigten Finnen eine Judenfrage exiüireu kann, iit besonders charakteristisch. Zollten nicht vielmehr die Finnen ihr Ebenbild in den qualvollen Leiden der Juden erblicken? Türkei. Konftantinopcl. Nach kurzer Krankheit ist einer der vornehmsten jüdischen Beamten des ottomanischen Reiches im Alter von 66 Jahren gestorben. Ercellenz Jussus Essendi Krieger war von Geburt Ungar und hat sich schon in seiner Heimath. späterhin der Türkei, wohin er zu Beginn des Krimkrieges übersiedelt war, mit großem Eifer des Studiums der modernen orientalischen sprachen befleißigt. Er bewies so große Intelligenz und Tüchtigkeit, daß er schon in verhältnißmäßig jungen Jahren eine Anstellung bei der türkischen Regierung erhielt, zuerst in Smyrna, später in Jerusalem, wo er dem Gouverneur als Sekretär und Dolmetscher beigegeben wurde. In dieser Stellung hat er sich sehr ausgezeichnet und große Beliebtheit erworben. Seine glänzenden Sprachkenntnisse — er sprach deutsch, englisch, italienisch, ungarisch, türkisch, arabisch und persisch mit gleicher Gewandtheit — seine elegante äußere Erscheinung und seine liebenswürdigen Umgangsformen machten ihn zur geeignetsten Persönlichkeit beim Empfang »reinder Souveräne, die seinerzeit die heilige Stadt besuchten. Zwanzig Jahre lang hatte Jussus Essendi seine Stellung inne, die ibm auch Gelegenheit geboten hatte, sich eifrig für seine Glaubensgcncssen und deren ö'»entliche Angelegenheiten zu interessiren und das Studium des Hebräischen, in den; er ein großer Gelehrter gewesen, zu fördern, als er im Jahre 1^S2 in Folge von Jntriguen nach Konstantinopel zurückberufen wurde. In jener Zeit hatten protestantische Missionäre sich in Jerusalem eifrig mit^Judenbekebrungen beschäftigt und Jussus Essendi hatte mit allen .Kräften diese Thätigkeit bekämpft. Als der amerikanische Gesandte bei der Pforte. Mr. Mallace, Jerusalem besuchte, war Jussus Essendi mit seinen! Empfang beauftragt worden und auf die Einblasereien der Missionäre und einiger christlicher Rotabeln lvnrden ihm vom Gouverneur verschiedene Formfehler zum Vorwurf gemacht, wurde seine Entlassung beantragt und verfügt. In .Kcnstantinopel nahmen sich jüdische Freunde in hohen Staatsstellungen des Gemaßregelten an und nach wenigen Monaten erhielt er die Stelle als Direktor der politischen Angelegenheiten bei der Negierung in Salon'.chi — ein höherer Posten, als der in Jerusalem — nach zehnjähriger Amtstätigkeit kam er hi dasselbe Amt nach Rhodus und 1900 ging er nach Konstantinopel zurück, wo er Mitglied der Jnsvektionskommiffion des Unterrichtsministeriums wurde und Delegierter dieses Ministeriums beim Post- und Telegravhenministerium. In diesen Aemtern wirkte er bis zu seinem Hinscheiden. Der Beerdigung wohnten der Großrabbi der Türkei, der Unterrichtsminister und Abordnungen zahlreicher jüdischer Gemeinden bei. Unter den dreißig Orden, die dem Sarg nachgetragen wurden, befinden sich die vornehmsten türkischen Auszeichnungen und viele hohe Orden europäischer Höfe. Der Sultan hat der Familie des Verstorbenen sein Beileid aussprechen lassen und als Zeichen der Anerkennung für vierzigjährige treue Dienste durch ein Jrade die Aemter Jussus Effcndis auf dessen ältesten Sohn übertragen. Amerika. Ncwyork. „Wir begrüßen mit Freuden die Bestrebungen der Verwaltung, welche es sich zum Ziele gesetzt hat, amerikanischen Bürgern im Auslande ihren Schutz angedeihen zu lassen und bestehen auch unsererseits auf einer gleichmäßigen und gerechten Behandlung all unserer Bürger im Auslande. Es ist zweifellos Pflicht der Regierung, allen unseren Bürgern ohne Unterschied das Recht zu verschaffen, nach befreundeten Ländern zu reisen und daselbst zu verweilen und wir erklären, nach besten .Kräften alle Schritte fordern zu tvollcn. welche zu diesem Ziele führen können." So lautet einer der Paragraphen, welcher in Chicago vor kurzer Zeit von den Vertretern der republikanischen Partei der Vereinigten Staaten angenommen wurde, als dieselben versammelt waren, um einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten der Republik zu wählen. Die Wichtigkeit dieser Thatsache kann schwerlich überschätzt werden. Ein solcher Erfolg würde einen unmittelbaren Einfluß auf die Stellung der amerikanischen Juden in Rußland ausüben, die rechtmäßiger Weise der ihrer andersgläubigen Mitbürger gleichen sollte. — Der Beschluß wurde oem .Komitee vom Senator Joseph B. Foraker von Cincinnati mitgetheilt und zur Annahme empfohlen. Diese Handlungsweise des republikanischen Senatorbat ihre Ursache in einem offiziellen Schreiben de.- Generals Scasougood in Cincinnati, der an Mr. Foraker im Aufträge des „Exekutivkomitees des Delegirten- und religiöses Recht der ameri- .v^-nnbcn" offiziell sich gewendet hat. Es würde natürlich den Verfechtern dieser Sache von großem Nutzen sein, wenn ein gleicher Beschluß auch von dem Konvent in St. Louis, von den Probibitionisien und den kleineren politischen Parteien angenommen würde. Der ein stimmige Wille des Volkes würde endlich einmal da seinen Ausdruck finden, und in so kräftiger Weise müßte dies geschehen, daß sogar die Verwaltung, welche nur die finanziellen Interessen der Fabrikanten und Exporteure verfolgt, gezwungen wäre, diesen Volkswillen zu berücksichtigen. Die amerikanischen Republikaner haben den ersten Schritt in der rechten Richtung gethan. Mögen noch viele weitere folgen! BcrantwortliLe Redaktion: Lscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit". Schottslratze Nr. 2. Mainz. Trr:ck und Reilaa der 3 o fl. Wirt b'schen Hofbulbdrnlkerei Actien-Tesellsckaft tn Mainz.

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