Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1332 berger gelang es wohl, den verfahrenen Wagen wieder | in s rechie Geleise zu bringen, ob er aber nicht bald , wieder entgleisen wird? Zu viel Hindernisse liegen! ans den Schienen!. Stehen der Entfaltung echt jüdischen Lev-ns überhaupt in unserer Zeit viele Hindernisse entgegen, so sind die bedauerlichsten diejenigen, die wir oder doch einzelne von uns selbst herbeischaffen. Gerade der internationale Kurort gibt reichlich Gelegenheit, derartige Beodachtungen zu macken. Trifft man sich Früb am! Brunnen, so ist in der Regel das vorhergegangene > gestrige Abendessen, sodann die Speiseverbältnisse | überhaupt das zuerst angeschnittene Gesprächsthema. „Niemand zufrieden" - das. bekannte Gedickt „Mirza Sch-.Efns" könnte im allgemeinen auch als Motto für diesen Stoff dienen. Scharfe Kritik wird geübt, der Jude klagt über seine jüdisch-rituelle Pension, der Andersgläubige bat an der Table d'hote seines Restaurants viel auszusetzen, nur einer lobt und verhimmelt alles? Der Jude, der trefe speist! Wer lacht da? Ein befreundeter christlicher Kurgast zeigte mir einmal, selbst entrüstet darüber, eine solche jüdische Gesellschaft — und was für Juden — in einer christlichen Gartenwirthschast beim Mittagsmahl, und siehe — drei Frauen, die sich's trefflich munden liehen, hatten mächtig große Scheitel auf. Sonderbare Leute! Warum will doch der Jude so vielfach den Juden verleugnen? Auch unsere jüdischen Badeärzte wissen ein Liedlein davon zu singen, sind doch ihre Patienten auch verhältnißmäßig in geringster Zahl unter ihren Glaubensgenossen zu suchen! Ich bin durchaus kein Partikularist und namentlich in Hinsicht auf Kunst und Wissenschaft vertrete ich absolut den kosmopolitischen Standpunkt, aber ich meine, gerade in Kissingen liege für den jüdischen Kurgast besondere Veranlassung vor. einen jüdischen Arzt zu konsultiren? denn da die Kur in Kissingen vorzugsweise für Magen- und Stoffwechselkrankheiten indizirt erscheint, ist doch auf die entsprechende Ernährung und Diät besonderes Gewickt zu legen und der jüdische Arzt ist wohl am besten in der Lage, Kurvorschriften und religionsgesetzliche Speisevorschriften in den wünschenswerthen Einklang zu bringen. Ich kenne nicht alle jüdischen Aerzte Kiffingens. aber diejenigen, die ich kenne, kann ich warm empfehlen, so Dr. Rosenau, Dr. Rorwitzkn. Dr. Wahle. Kgl. Bayr. Oberarzt der Reserve und Dr. Bamberger, Sohn des verblichenen Rabb. M. L. Bamberger s. A., ohne mit dieser Aufzählung andere, mir unbekannte, zuriicksctzen zu wollen. Der kürzlich von Logenmitgliedern inscenirte Bazar zu Gunsten der Kinderheilstatte gab übrigens den jüdischen Kurgästen wie ihren jüdischen 21>rzten beste Gelegenheit, 'sich behufs engerer Fühlungnahme kennen zu lernen und sowohl aus diesem Grunde als auch wegen des sehr hübschen pekuniären Erfolges sind derartige Veranstaltungen warm zu begrüßen. Wenn im allgemeinen auch der Appetit beim Essen kommen soll — mir ist er beim Schreiben gekommen und da ich mir in der neu und hübsch etablirten Frühstück sstube Selig einen kleinen Imbiß gönnen will — man kann dort nämlich auch noch am Abend ein „Frühstück" haben — muß ick abbrechen, vielleicht später mehr! Ben Jakob. Zeitungsnachrichten und Correspondenze». Oesterreich. Prag, 21. Juli. (Trauerkommers des Unter st ü tz u n g s - Vereins mittelloser i s r. Techniker.) Dieser Tage fand in Heines Restaurant der Trauerkommers des Unterstützungs- Vereines mittelloser isr. Techniker in Prag zu Ehren seiner verstorbenen Alten Herren Prof. Dr. W. Weiß und Ing. Alois Kohn statt. Obmann Techniker Viktor A r n st e i n eröffnete den Kommers und begrüßte nach Absingung des „Gaudeamus" die Anwesenden. JUC. Edgar Mohr überbrachte im Namen des Unterstützungs-Vereines der Prager isr. Universitäts- Hörer die innigste Antheilnahme an dem Ableben der beiden Alten Herren. Nach dem zweiten offiziellen Liede hielt Jng.-Kand. Ottokar Kraus die Gedenkrede für Prof. Weiß. Der Redner entwarf nach einleitenden Worten der Trauer zunächst eine kurze Biographie des Verblichenen, schilderte seinen Studiengang und seine Wirksamkeit an der techn. Hochschule und hob insbesondere dessen Verdienste als Lehrer, seine formvollendete Vortragsweise, sowie seine gerechte Art und Weise des Prüfens ganz besonders hervor. Deßhalb blickten — führte der Redner aus - alle seine Schüler ehrfurchtsvoll zu ihm empor, und waren einig und vereint in der Liebe und Werthschätzung, die sie ihrem verdienstvollen Lehrer aus vollem Herzen entgcaenbrackten. Prof. Weiß ist für uns nicht gestorben, denn in unseren Herzen ist ihm das schönste Denkmal, das je ein Mensch besessen, errichtet worden, ein Denkmal des liebevollen und dankbaren Andenkens, denn wenn wir einst im Leben an unsere Studien zurückdenken. dann wird jeder von uns. neben der Dankbarkeit für die Hochschule ein Weilchen bei dem Andenken an Prok. Weiß verweilen. — Nach Absingung des dritten offiziellen Liedes gedachte der Obmannstellvertreter Jng.-Kand. Emil Meisl in kurzen Worten des verdienstvollen Wirkens des Herrn Ing. Alois Kohn, der als Schriftführer und Obmann des Vereins sür diesen seine.Kraft einsetzte und der dem Vereine l auch ein treuer Freund jenseits des Ozeans blieb.