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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgang. Zweite e $it M 62 des „Israelit.^ Vabeplaudereien. -Z>- & i f f i n g e n, im August. Sct „iiTr Bad" geht, sei es nun rein zum Der gnügen und zur Erholung, sei es. um eine schadhafte Stelle seines lieben „Ich" wieder rcpariren zu lasten, der läßt gewöhnlich das alltägliche Leben mit seinen Sorgen und Mühen, seiner Arbeit und seiner Plage für einige Wochen ganz hinter sich liegen, der will fid; einmal über des Lebens Misere hinwegsetzen und sich als uaanck seiirneiir fühlen. Gerade diese Sorglosig teil, dieses „in den Tag hinein leben", dieses i'ai uient? soll ja nach den Aussprüchen der Aerzte ein Hauplfaktor mit sein für erfolgreiche Anwendung der im Bade gebotenen Kurmiitel. Wenn ich dennoch gerne Ihrem Wunsche Nachkomme. Ihnen einige Berichte öder das diesjährigeKissiuger Leben und Treiben zu erstatten, so mögen Sic daraus ersehen, dast ick solches eben nicht für eine „Arbeit" halte; es ist mir aleichsam ein Vergnügen, mit meinem besten freunde „Israelit", den ick auch hier nicht misten mag. der übrigens auch iu> Lesezimmer anfliegt, mich zu unterhalten und ihm als Aeauivaleur für seine interestanten Mit« Heilungen von meinen Erlebnisten und Erfahrungen zu berichten, sind Neues und Interessantes gibt es in Kisiingen von Jahr zu Jahr immer wieder. Wie die Zahl der Kurgäste von einer Saison zur andern bedeutend wächst, so mehren sich auch die eleganten, neuen Dillen und .Kurhäuser. so mehren sich auch für den rituell indisch lebenden Kurgast die rituellen Speisegelegenheiten, allerdings nicht gerade zum Vergnügen der grossen, jüdischen Hotels und Restaurationen, denen durch diese Wintelpensionate unliebsame Konkurrenz ."itstebt. ein Umstand, der gerade sür die diesjährige Saison um so schwerer in's Gewicht fällt, als heuer das I.chl-n der sonst so zahlreich erschienenen reichen. ru^U-cken Juden ohnedies einen Rückgang der jüdischen Ir^gueuz in ausfallender Weife zeigt. Das jüdische Leben im Bad hat dagegen nicht gelitten; die regelmästigen Zusammenkünfte der U. C. B. B-. der Logenbrüder mit ihren Angehörigen, welche nach Anschlag anr schwarzen Brett im Kurgartcn abwechselnd in den Lokalitäten der beiden grossen Restaurants. Ehrcnreick und Erzfeld. stattiindcn. machen sogar sehr viel Leben. Sollten wohl die angeregten Zusammenkünfte der Angehörigen der anderen Konfemoncn. über tvelche in den Tagesblättern in letzter Zeit so viel geschrieben wurde, wie so manches andere, auch in obiger Beziehung aus jüdische „Quellen" zurückzuiühren sein? Lässt sich so leickst ein Analogon der Konfessionen konstruircn. rP kann ich Ihnen erfreulicher Weise auch von einen Vorkommnisse berichten, welches deutlich zeigt, dass auch dst kgl. Behörden und die bayr. Staatsregiernng in gerechtem Wohlwollen unfern jüdischen Kultus analog dem der grossen staatlich anerkannten Religionsgesellschaften behandelt und bewerthet wissen wollen. Den katholischen und Protestantischen Geistlichen wurden in Anbetracht der durch die besonderen Gottesdienste für die .Kurfremden.bedingten Mehrleistungen besondere Gratifirationen. bezw. Zuschüsse aus Staatsmitteln bewilligt; in gleicher Weife erhielt auch der Rabbiner einen solchen Betrag (irre ich nicht. 20o Ml.) znaewicstn. Es ist diese That suche an sich hoch erfreulich und bedeutsam, doch wird sie in Kissingen von t^inbeiniischen wie Kurfremden nach der Ricktnng bin viel kütisirt. dass in unserem jüdischen Kultus doch eigentlich nicht der Rabbiner, sondern der Kanter den Gottesdienst abhält, diesem also das Honorar für Mehrarbeit gebühren sollte. Tfiir einen Kurgast erscheint es nicht angebracht, pch in Rechtsfragen nnd Kompetenzkonflikte cinzulassen. also lassen wir die« Thema nnd entschließen wir uns zn einem Spaziergang auf die Saline. Auch aus diesem Gange erblicken bür die Aeusserungen jü | tishen Lebens in deiner schönsten Weise, im rvahren I -:rr+z:. Etwa in der Mitte zwischen Kissingen und! der Saline, in schönster gesundester Lage an sanftem j Berges ha na. nahe bei dem protestantischen Kinderheim, i gebt ein stattliciier Neubau seiner Vollendung entgegen, i die ..Israelitische Kindersseilstätte in Bad Kissingen". Jahre hindurch wurde vou berufenen Seiten zu Beiträgen frir die? zweckmässige Unternehmen aufgefordert, reichlich stoffen die Gaben und bald dürste das Wert eck't jüdischer Wosslthätiakeit seiner Bestimmung übergeben werden können. Herr Dr. P. Münz, prallt. Arzt , i'ii" Nürnberg, der im Sommer als Badearzt in j Kiüingen vraknznt. hat sich durch seine erspricssliche j Tbätigkeit 'm die Kinderheilstätte, deren Entstehung! au» seine Anregungen znrückzuführen ist. bleibende l Verdienste erworben. Dass auch alle anderen '.irdischen Aerzte in Kissingen lebbastes Interesse an dem Werke nebmcn. ist selbstverständlich. Den Mittelvunkt jüdischen Lebens suchen wir natürlich immer im Gotteshause, das sich auch stets guten Besuckres erfreut. Allerdings schien es ja eine Zeit lang, als sollte der aus der Gemeinde gebildete Ehor. dessen Leistungen allscitige Anerkennung gefunden hatten, nachdem er bereits in bedenkliches Wackeln aeratben war. bald völlig in sich zusammenssnken. ainbören. Dem Zureden der Kultnsverwaltung und dem selbstlosen Eifer des Kantors Stein-

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