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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1325 dem wichtigeren der beiden Gebiete, der Litteratnrgeschichte. nimmt der angehende Lehrer wobt kaum die nothwendigen Kenntnisse aus dem Seminar hinaus in's Amt. Unsere Lehrbücher der nachbiblischen Geschichte sind in den litterarischcn Kapiteln durchweg an Notizen so reich, wie sie arm sind an Inhalt. Ist cs überall sonst ein überwundener Standpunkt, die Kcnntnitz der Litteratur allein aus biographischen Notizen und kurzen Inhaltsangaben zu erwerben, so ist es in der nachbiblischen Littcraturgeschichte noch die Regel. Und das aus dem guten Grunde, weil es kein Lehrbuch der nachbiblischen Geschichte gibt, das auch in dieser Hinsicht methodischen und wissenschaftlichen Forderungen gerecht wird. Allen sehlen die geschickt ausgewählten charackteristischen Proben aus den Litte raturwerken. Ein Anfang für die Schule ist in Dr. Spaniers Quellenbuch gemacht worden, aber er hat wohl kaum die genügende Beachtung gefunden. Das tüchtige Buch von Winter und Wünsche „Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons" ist für Schulen aller Art zu umfangreich. Darum fehlt es auch hier dem jüdischen Lehrer — ich wiederhole: nach meinen Erfahrungen — an der rechten historischen Betrachtungsweise. an der Erkenntniß der religiösen Entwicklung. sei es. daß sie Entwicklung des Gesetzes oder der religiösen Ideen im engeren Sinne ist. Aufgabe der Fortbildung ist es demnach, die Lücken, die der Seminarunterricht gelassen hat. auszufüllen. Dem Lehrer darf die Fortentwicklung des Gesetzes, ob sie nun auf spekulativem Wege oder im Schoße des Volkes vor sich gegangen ist. kein Buch mit sieben Siegeln sein; er n'uß über die talmudische Ethik, wie sie namentlich in der Haggada ihren Ausdruck gefunden hat, über die Entwicklung der mittelalterlichen Religionsvhilosophie. über ihren Zusammenhang mit der gleichzeitigen Philosophie und die Befruchtung, die von ihr auf das ganze religiöse Leben stattgefunden hat. und schließlich auch über die modernen Strömungen im Judenthum und die Versuche ihrer wissenschaftlichen Rechtfertigung Auskunft zu geben wissen?) <1. Eigentliche Religionslehre?) Ist der Lehrer 3) Var lauter »Litteratur". »Philosoph,e" und ..Wissenschaft" wird ein solcher Ledrcr ein Ignorant des Hebräischen sein, wie »er geschrieben stellt." Wahrlich. das Urtbeil deS ©crni Bros. S. ist eher viel zu gelinde als zu scharf gefasrt. Wer nicht ganz aller Logik bar ist. der wird es mit ganzem Herzen anerkennen u. unterschreiben. 4) Eigentliche Religio nSlebrer l«ewiß erwartest dn lieber Leser, bei diesem Punkt endlich die Auszählung der längst ersehnten Quelle „bucker. als Tenack. Mischno. Nemara.Codices. Midrasch u. s. f. Weit gefehlt! »Entwicklung der religiösen Zdeen". ferner »allgemeine Religionsphilosophie". Also daS ist eigentlich Reliaionslcbre: -a. da heisst es »ist der Lehrer ausdieseWeis« mit dem jiid. Schriftthum bekannt geworden"; als Volksschnllehrcr frage ich hier nach dem Prin-'v der Anscha-urm: Auf welche Weise denn? Was beißt doch daS »mit dem md. Schriftthnm" bekannt geworden? Mit welchem Sckrckllhnin« Mit obigen Quellenwerken? — Der Verfasser de« ErvoseS sagt doch selbst unter i-, daß der Seminar abiturient die Bibel im Urtext lesen kann, den histor. Tbeil der hl. Schritt, die Psalmen und Proybetcn kennt! Herr, dunkel ist der Rede Sinn! Wer noch so naiv ist. zu glauben, so im Handumdrehen läßt sich »das jüd. Sckrittthum" rennen lernen, der frage eimiial da» Lchrpersonal der Präparandien Höchberg. Burgpreppach. der Seminare Würzbucg u. Eölu. auf diese Weise mit dem jüdischen Schriftthum besännt geworden, dann wird es ihm nicht schwer fallen, sich selbst ein Bild von der Entwicklung der religiösen Ideen und Formen zu machen und von ihrer Bedeutung für das religiöse Leben der Gegenwart. Daneben aber bedarf er auch der Beschäftigung mit der allgemeinen Religionsphilosophie, von der aus das ganze erst das rechte Licht erhält? Mit einer solchen „wissenschaftlichen"' Fortbildung, J>le in Anbetracht der auf dem Seminar ver- 'nittelten Religionskenntnisse in der Luft schiebt. für das praktisch jüdische Leben aber so gut wie gar nichts bietet und den Lehrer zum am haare/, stempeln müßte, mit einer solchen Bor- und Fortbildung soll der Lehrer ..der geistige und religiöse Führer und Berather seiner Gemeinde" sein. <S. 3 der Denkschrift.) Wenn er nur die „Fortentwicklung des Gesetzes und derreligiösen Ideen" kennt. Der Indifferentismus der Gegcnlvart wird ja nicht viele „schaalos" an den Lehrer stellen, darauf kann man die Ignoranz stützen, sie damit entschuldigen. Kann man denn beispielsweise Lazarus' Ethik recht würdigen. Zunz' gottesdienstliche Vorträge verstehen, von Stracks Einleitung in den Talmud Nutzen ziehen, wenn man kein Quellenstudium getrieben? Dann wären auch die Hörer und Hörerinnen unserer Litteraturvereine höchst wissenschaftlich. - Diese Gedanken legte ich im Berbandsorgan dar. da wurde mir bedeutet, dass der nach „G.'s Plan arbeitende Lehrer doch nicht gezwungen wäre, der Fortbildung in Mischnah. Talmud und Eodices zu entsagen." darauf ich erwiderte, sie (jene Schriften) sollen nicht gnädiglich „a u ch" gelernt werden, sondern in erster Linie. Keine Wissenschaftlichkeit ohne Quellenstudium! (Nr. 30. Ihra. 1003.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspouderrzerr. Deutschland. Leipzig. Das sächsische Kultusminisieriuin hat eine Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über dir israelitischen Religionsgemeinden erlassen. Danach ist von der Einrichtung des Religionsunterrichts dem Schulvorstande des Qrtes, wie auch dem Bezirksschulwo man — nickt »Litteratur" u. »iüd. Schrittthum" — sondern MiscknajuS u. Gemoro kennen lernt: er wird erfahren, daß »Lernen" doch nicht ganz leicht geht! Und welcher Peiß, welche» Streben gebärt selbst hier dazu, baß derartig vorgebtldete Lehrer beispielweise die 0 Bände der Mischnah dnrchkernen. in Gemoro sich weiter bilden n. s. s. W t e. w o u. wann werden da» Lebrer ohne eine solche intensive Vorarbeit fertig bringen». Bei den Rabbinen mochte man doch nicht »lernen" um nicht abhängig Ach zu zeigen, »mi sich nichts zu vergeben. Da hilft da» Ekvvse mit seinem guten Ralhe, es macht »mit dem liid. Schristthum bekannt", indem es un» vom iüd. Schriftthum erzählt. Da» ist wissen« schastltchr

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