Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1324 bcift bei aller Kollegialität die orthodox gesinnten Lehrer den anders Denkenden zurnfen müssen: Hier sind wir. das ist unser Standpunkt, und der must geachtet werden! Ihr huldigt in religiöser Beziehung anderen Prinzipien; nun gut, so trennen sich eben schiedlich-friedlich unsere Wege! — — Ich will Herrn .Kollegen Gut- Köln einen Theil seiner für dieses Platt angeliindigten Arbeit') abnehmen und zur Begründung vorstehender Zeilen den Entwicklungsgang der Fortbildungsangelegenheit wiedergeben. namentlich für solche, die etwa dem Verlauf der Sache nicht mit der nöthigen Aufmerksamkeit gefolgt. Meine Darlegungen in Nr. 23 d. Verb.-Org. fanden eine Entgegnung durch einen Herrn F. B., der sich namentlich gegen das von mir beantragte „Plebiszit" (wie er es nannte), gegen das Expose wandte, indem hierbei nur „persönliche Ansichten der einzelnen, je nach dem liberalen oder orthodoxen Standpunkte" herauskämen. Was ich wohlweislich vermied zu sagen, war dem Herrn F. B. entfahren, nämlich daß bei einer so ausgesprochen geistigen Thätigkeit. wie der Fortbildung im Religionsfache, doch die Prinzip i e n f r a g e in Betracht kommt. Der orthodoxe oder freisinnige Standpunkt, das ist doch kein Spielzeug, mit dem man so leicht umspringt! Ich wies mahnend darauf hin, daß wir uns da auseinandersehen müssen. In meiner Erwiderung an 5ierrn F. B. (Nr. 29 d. Bl. f. Erz. u. U.) sagte ich: „Geschieht es nicht jetzt, dann kommts später. thun wir's nicht, so thun es andere — vielleicht in weniger ersprießlicher Art." Dast ich mich hier nicht getäuscht, zeigt die Gegemvart. Meine.Mahnung blieb fruchtlos! Schon SV. B. halte die Freundlichkeit, etwas wie von der Inferiorität der Orthodoxen verlauten zu lassen, indem er meinte: fast möchte man „hinter derartigen Aussprüchen ähnliche allgemeine und pädagogisch bildungsfeindliche Tendenzen ihr Haupt erheben sehen, wie sie in neuerer Zeit schon einmal an die Oeffcntlichkeit gebracht worden sind."-) Da haben w i r 's! Trotz der gleichen Vorbildung und staatlichen Prüfung, trotz der humanistischen Bildung und des an der Universität erworbenen Dr. phil. oder sogar des „Professors" h. c. haben wir Orthodoxen es im letzten halben Jahrhundert nicht so weit gebracht, den Grad der Ebenbürtigkeit zu erlangen. Es spukt immer noch in so manchen Köpfen etwas wie „Inferiorität. Bildungsfeindlichkeit. Rückschritt, Rückständigkeit." was sich ja leicht zum „Fanatiker", oder sogar „Ueberfanatiker" steigern läßt! Da ist nun nicht zu helfen; Gedanken sind zollfrei. Das Schöne ist nur, daß man dann vielleicht von Empfindlichkeit redet, wenn man jemanden ein bißchen mit der Nadel gekitzelt hat. Ich legte scharfen Protest ein (Herrn F. B. vielleicht Hekuba!) und hob gerade die wissenschaftlichen und methodischen Bedenken nochmals hervor. Und in der That muß immer und immer wieder gesagt werden, daß eine größere Absurdität, Ungereimtheit und Widersinnigkeit in methodischer und wissenschaftlicher Beziehung gar nicht gedacht werden kann, als jenes Exprse!! Ich muß die verehrt. Redaktion d. Bl. doch recht sehr bitten, im Interesse der Wahrheit und Klarheit jene Ausführungen wortgetreu hierherzusehen. Ich habe mich überzeugt (und erst jüngst wieder auf der baher. Landes-Konf?, dast viele — sagen wir sogar recht viele — die Sacke nicht kennen, weder aus der „Denkschrift", noch ans dem Verbandsorgan. Der Objektivität des Urtbeils halber soll hier der Passus Seite 17 der Denkschrift genau wiedergegeben werden. „Worauf hat der jüdische Lehrer bei seiner Fortbildung sein Hauptaugenmerk zu richten? :i. In der hebräischen Grammatik fehlt es dem jüdischen Lehrer meistens an einer wissenschaftlichen Durchdringung dieses Faches. Das Seminar befähigt ihn zu einer sicheren Erfassung der Formen der hebr. Sprache und hat gewiß seine Aufgabe vollauf erfüllt, wenn es seine Schüler soweit gefördert hat, daß sie auch schwierige grammatische Formen zu erklären vermögen. Aber darüber hinaus soll der Lehrer über den besonderen Charakter der hebräischen Wort- und Formenbildung informirt sein, ebenso darüber, welche Stellung das Hebräische innerhalb der verschiedenen Svrachtnpen einnimmt. Er soll diejenigen sprachwissenschaftlichen Kenntnisse besitzen, für deren Aneignung es der vergleichenden Heranziehung der übrigen semitischen Dialekte nicht bedarf?) l>. Bibel. Der Seminar-Abiturient wird gewöhnlich im Stande sein, die Bibel im Urtexte zu lesen. Er kennt den historischen Theil der heil. Schrift und ist mit dem Gedankengehalt der hervorragendsten prophetischen Bücher, der Psalmen und der lehrhaften Schriften vertraut. Doch fehlt es ihm nach meinen Erfahrungen an der wissenschaftlichen Kenntniß der politischen und religiösen Entwicklung Israels, die, ihn allein in den Stand setzt, reiferen Schülern einen Ge schichts- und Religionsunterricht zu ertheilen, der Früchte tragen und die Jugend festigen kann gegen religionsfeindliche Strömungen. Mit den wichtigsten Ergebnissen der Bibelwissenschaft sollte jeder Lehrer bekannt sein und sollte diese Ergebnisse nicht als Gegebenes in sich aufnehmen müssen, sondern selbst fähig sein, sie auf ihren Grund und Werth zu prüfen.-) <*. Nachbiblische Geschichte und Litteratur. Äuf 1) Vergl. Pädagogische Beilage zu heutiger Numm-r. 2) E>» tkollege K. in G. hatte uähiulikh auch einmal für d. Rabb. eine Manie gebrochen, war gegen die aUzuhobe Meinung vd. Pädagogik aufgetr. und traute seinem jüdischen Herzen und Gesühl beim Unterr. etwas mehr zu. 11 Man bedenke, was hier verlangt wird und vergleiche die Leistungen der Seminare. 21 Verstehe ich recht deutsch, dann heißt dies, der Lehrer lall geistig noch höher stehen als die Professoren der Theologie und Bibelkrltik. ein Superkritikerl S*pie«i ut!