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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Inspektor Anzeige zu machen. Oberauffichtsbehorde ist | das Kultusministerium. Die Genehmigung des! Ministeriums ist ferner nöthig: 1. zur Anstellung von | Rabbinern und Religionslehrern; 2. zur Erbauung und Einrichtung von Synagogen, gottesdienstlichen Gebäuden und Begräbnißplätzcn; 3. zur Aufnahme von Anzeigen znm An- und Verkauf von Grundstücken, sowie zu deren Belastung. München, 2. Aug. Ein dieser Tage dahier vom christlich-sozialen Verein verbreitetes Flugblatt sucht dahin zu wirken, daß die Einwanderung ausländischer Juden erschwert werden soll. Begründet wird dies damit, daß im Handel und Wandel dieser Leute mancherlei zu beanstanden sei, und wenn auch anscheinend erfreulicherweise seitens der Behörde keine Notiz von dem Inhalte des Flugblattes genommen wird, so ist diese Angelegenheit gewiß geeignet, Interesse hervorzurufen. Wenngleich die Tendenz unverkennbar ist, kann man sich dem Wunsche nicht verschließen, daß die in Betracht kommenden Eingewanderten sich mehr befleißigen könnten, den gegebenen Verhältnissen sich besser anzupassen, und dürfte es vielleicht nicht ganz erfolglos sein, wenn die Herren Rabbiner von Zeit zu Zeit in den Betlokalen auf die Betreffenden in entsprechenden Predigten einzuwirken suchen. I. G. Bad Äissingen. In dem letzthin in diesem Blatte erschienenen Berichte über einen von den Mitgliedern des Ordens Bne Bris veranstalteten „Wohlthätigkeitsbazar" findet sich eine Reihe von Unrichtigkeiten. welche der Korrektur bedürfen. Aus dem Reinertrag wurden außer für die erwähnten Zwecke 100 Mk. ' für die durch Brandunglück heimgesuchten Glaubens- - genossen in Milkomir verwandt. Ferner stattete den Dank ab nicht Herr Kirchenrath Kroner; da dieser sich schon vor Schluß des Festes entfernte, sprach nur Herr Rabbiner Dr. K o p p st e i n. Ebenso galt sein Dank nicht allein Frau Rosenfeld; er gab vielmehr seinem Danke Ausdrucke für Frau Dr. Martha Münz-Bad Kiffingen. welche sich in erster Linie um das Gelingen des Wolhthätigkeitsbazars in der ihr eigenen, selbstlosen Weise bemüht hat. Emmes. Rußland. Petersburg. (Russische Gerechtigkeit.) Der nachstehende Vorfall, der für russische Verhältnisse bezeichnend ist. wird der „Breslauer Ztg." unter Angabe sämmtlicher Namen und Details mitgetheilt: Ein junger russischer Jude, der zur Zeit seiner Militärpflicht genügt, ging mit seinem Regiment nach dem ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Eltern erhielten mehrfach Briefe, seit einigen Wochen aber blieb jede Nachricht aus. Begreiflicherweise befanden sich die Eltern in Angst und Sorge. Vor wenigen Tagen wurde der Vater auf das Polizeirevier gerufen, wo ihm mitgetheilt wurde, daß ein Telegramm, seinen Sohn betreffend, vorliege, daß man es ihm aber erst gegen Zahlung von zwanzig Rubel aushändigen werde. Der arme Mann war nicht in dem Besitz des verlangten Geldes. Alle Bitten des geängfligten Vaters halfen nichts; er mußte wieder Weggehen und es gelang ihm nur schwer, die verlangte Summe aufzutreiben, die er dann dem Pclizeikommiffär übergab. Hierauf empfing er das Telegramm. Es war vom Generalkommando und enthielt die Nachricht, daß sein Sohn — gefallen sei. Amerika. Washington. Präsident Roosevelt hat den jungen Advokaten Adolf G. Wolf, von der Firma Cohen & Wolf, zum Richter des Bundesgerichts in Porto Rico ernannt, an Stelle des zurücktretenden Richters Sulzbacher. Richter Sulzbacher war vor einiger Zeit hier und erklärte dem Präsidenten, er sei Porto Rico müde; eine Richterstelle in den Vereinigten Staaten werde ihm besser Zusagen. Der Präsident überredete ibn indeß noch, wieder nach Porto Rico zu rückzukebren, und Richter Sulzbacher, der sich durch die Aufmerksamkeit des Präsidenten angenehm berührt fühlte, folgte dem Wunsche des Herrn Roosevelt. Der hauptsächliche Grund dafür war indeß, daß der Präsi dent es nicht bekanntgegeben haben wollte, daß eine Vakanz in Porto Rico in Aussicht sei. bis er einen anderen Posten für Richter Sulzbacher, der in seiner Heimath, Kansas Eitn. vielen Anhang besitzt, gefunden. Nun hat den Kongreß ein Gesetz vassirt. welches vier neue Richterposten im Indianer-Territorium lreirt, und für einen derselben ist Richter Sulzbacher bestimmt worden. Dann war die Bahn frei für die .Erlheilung einer anderen Gunst. Der neue portorika- Nische Richter ist der Sohn des bekannten revublika Nischen Politikers Simon Wolf, gegenwärtigen Präsidenten des jüdischen Ordens B'nai B'rith, durch dessen Einfluß die Ernennung erfolgte; er steht im Alter von 35 Jahren. vermischtes. Lemberg. (Galizische Justiz). In SoMpchtn wurden einige Juden und Christen wegen Ruhestörung vor de« Richter gebrächt. Die Angeklagten wurden schuldig erklärt, die christlichen Beschuldigten zu je i&nf und die jüdischen zu zehn Kronen Geldstrafe verurtheilt. Als einer der Jude« den Richter fragte, warunr die Juden das Doppelte zu zahlen hätten, da doch ihre Schuld die gleiche ist, wie diejenige der Christen, anwortete der Hüter des östcrreichischgalizischen Gesetzes: „Weil die Juden mehr Geld haben, müssen sie auch mehr bezahlen!' . . . Und d, sagt man noch, d'e Juden wären in Oesterreich nicht gle cbberechtigt! München. Herr Kgl. Oberlandesgerichtsrath Adolf Epstein hier ist zum Mitglied der Kgl. Diszkplinarkammer in München ernannt. Dies dürfte im Justlzdienst wohl der höchste Rang sein, den ein Jude in Deutschland erreichte. Herr Epstein ist eia frommer Jude.

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