Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. hfle Aeilage zu ja 62 des „Ksraekit". Mslhk Wn — Bürt Sotnptomf? von A. Mannheimer—Dcttelbach. (Fvrtirtzung) Im Jahre k8'.)5 (lonstit Versammlung vom 24. und 25. De.'..) schlossen sich die jüdischen Lehrervereine Deutschlands zu einem Verbände zusammen, der jetzt fasi alle Vereine unseres Vaterlandes umschlicht. Nach den Beschlüssen der Delcgiertenversammlung vom 26. und 27. Dez. 1808 ist der Zweck des Verbandes (>; 1) „die Behandlung aller die jüdischen Lchrervereine in Deutschland betreffenden fragen des llnterrichts, der Stanvesinteressen. der Kollegialität und des Untersiützungswesens." Der Verband wird durch den Deutsch Isr. Gem.-Bund subventionirt. wofür dieser das Recht hat. einen Deputaten als zehntes Mitglied in ocn Vorstand xn entsenden. Sitz des Vorstandes war bisher Berlin. (Dr. Adler, jetzt Direktor des Philantropin in. Frankfurt. dann Dr. Fiegcl Vorsitzen - der.) Seit 5 fahren besitzt der Verband ein eigenes Organ, das aber nur als Beilage zum Hamburger ..Israelitischen Familienblatt" erscheint, redigirt von Lehrer M. Steinhardt- Magdeburg. Zur Frage der Lehrerbildung nahm der Verband nach mehreren Beschlüssen Stellung <26. u. 27. Dez. 1898 und 30. u. 31. Dez. 1901). In einer ..Denkschrift" erschienen vier Referate, welche sich mit der Lehrerbildung befassen; die gleichen Referate fanden auch im Verbandsorgan (..Blätter für Erziehung und Unterricht") Abdruck, angekündigt in Nr. 8 des Jahrganges 1903. Unter den Referaten erregte aber besonders das Expos«'- des Herrn Rektor Dr. Gutmann—Berlin großen Unwillen, nicht nur bei konservativen R a b b i n e n . sondern auch in gleichgesinnten Lehrerkrcisen. Das ErposH „über die Fortbildung des jüdischen Lehrers auf dem Gebiete der Religionswissenschaften" steht auf radikalem Standpunkte, empfiehlt die Werke von Stade. Eornill. Guthe. Wellhausen. A. Geiger (Urschrift), Dillmann (alttesiament. Theo!.). Marti. 'Smend (Lehrb. d. altteh. Rel. Gesch). A. Geiger (D. Judenthum u. s. Gesch.). Mavbaum (D. Entwickl. des isr. Provtetenthums), u. s. f. Fünfzig Prozent dieser Werke g'bören christlichen Autoren an, die übrigen alle, mit einer einzigen Ausnahme, stehen nicht auf dem gcsetzeStreuen Standpunkte, bekämpfen ihn vielmehr auf's entschiedenste. Daß ein solches Fortbildungsprogramm aut orthodoxer Seite verschnupfte, wird jeder rechtschaffen Denkende begreifen und jeder logisch denkende nicht bestreiten wollen. Schreiber dieses nahm zunächst im Verbandsorgan vagegen Stellung und zwar in gemäßigter Form, was ihm im gleichen Organ selbst bezeugt ward. Schärfer gefaßt war" in dieser Hinsicht die Resolution eines norddeutschen L. B.. noch schärfer ein Artikel im „Jeschurun" deS Herrn Dr. Königsberger-Pleschen. ebenso eine Resolution in einem andern norddeutschen L. B.. welche sich ausdrücklich gegen den radikalen Geist des ganzen Exposü's wandte. Schreiber dieses betonte mehr die wissenschaftlichen und methodischen Bedenken eines solchen Programms, ließ den religiösen Standpunkt vorerst als Nebensache auftreten. Denn ein derartige- Fortbildungsprogramm ist vom Standpunkte der echten Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, ebenso vom Standpunkte der Methodik aus so anfechtbar und verwerflich, daß man sich wundern muß. wie methodisch gebildete Männer. Kollegen, die Seminare cbsolvirt und die Verhältnisse dort kennen, ein solches Expose als Leitfaden bei der Fortbildung hinausgeben konnten. Ich werde meine Behauptungen mit Beweisen belegen, durch Beispiele veranschaulichen. Die Anschauung und Veranschaulichung spielt ja bei uns Lehrern die erste Violine, und da ich mich mit heißer Vorliebe zu diesem Grundsätze seit jeher bekenne, so soll er auch jetzt, d. h. in dem Kampf um's Expos«- zur Geltung kommen. Ich betonte damals.' daß die von Dr. G. geforderte „wissenschaftliche Fortbildung des Lehrers." in ihren Anforderungen zu hoch gehe, daß sie die im Seminar geleistete Doracbeit nickt berücksichtige, daß sie ferner ein eigentliches Quellenstudium ignorire, wodurch sie den Charakter wahrer Wissenschaftlichkeit verliert, endlich daß die Erwerbung von Kenntnissen für's praktisch-religiöse Leben direkt durch eine solche ..Fortbildung" beeinträchtigt werde zum Schaden für Schule. Haus und Gemeinde, dem W i r - kungskreise des Lehrers. Daran ward nur noch die Bemerkung geknüpft, daß Dr. G. in seinem Expose 23 Werke (gleich 50 Prozent) christl. Autoren, zum Theil sehr freier Richtung anempfiehlt, was weder angemessen noch rathsam erscheint. (Nr. 23 d. Verbandsorg. 1903.) In diesen knappen Worten ist in der Thal alles enthalten, was gegen das Expos«- gesagt werden könnte. Heute aber ist die Angelegenheit in das Stadium des Prinzipienkampfes getreten, heute hat man ein Recht zu der Frage: Taktische Fehler oder — Snmplome? Und daran ist kein anderer schuld, als die Berbandsleitung selbst durch eine derartig einseitige Behandlung des Gegenstandes, daß eS selbst den ruhigsten Optimisten unter den konservativen Elementen erregen mußte. Heute ist es soweit.