Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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ohnedies nur schwer christliche Arbeiter für nnverschiebbare Arbeiten haben konnte. Pappenheim habe lieten Urlaub benutzt, um über Schabbos nach Beß prim zu gehen und dort das gemeinsame Gebet und >as Bes Hamidrasch zu besucken. Es sei dies auch der einzige Tag der Woche. an dem er dort in einer Ga.kücke Fleischspeisen oenieße. Nack Ausgang des Sckabbcs oder Sonntags in aller Frühe kehre er gewöhnlich zurück. .Und bat der Arendar niemals verrathen. dast Sie Jude sind?" fragte der Graf. „Ich glaube nicht." entgegnete Pappenheim. ..Er har. da ich iiim am Sonntag arbeite, ein Interesse-an meinem Judenthum. Meinen Neueren sieht man den Juden nicht an; selbst in Betzprim tarnte mich Niemand, obwohl ich doch viele Jabre als angesehenem Ziaufmann dort gelebt habe." „Ich tverde Ihnen gewiß nicht versagen, was Ihnen der Arendar gewahrt hat." bemerkte Ignatius, „aber ich hätte von meiner Erlanbniß, ganz so wie der Arendar auch, gern einen Vortheil: Nehmen Sie mich mit nach Vetzprim! Ich möchte um alles in der Welt einmal ein jüdisches Bet- und Lehrhaus besuchen." Pappenheim erwiderte lächelnd: „Das ist gewiß nicht Ihr Ernst. Herr Graf' Wenn Sic die Stätten unserer Andacht und unseres Stud-'l ^'s möchten kennen lernen, so bedarf es ja nicht meiner Brgleilung. Sie stehen Ihnen jeder Stunde offen. Aber ich.möchte Ihnen den Besuch sehr widerrathen. Sic sind zu sehr in Beßprim bekannt, wenn Ihre Psleaeeltern davon Kenntniß erhielten! Aber davon abgesehen, möchje ich Ihnen von einem sobsien Besuche abrathen, auch wenn es ganz sicher wäre, daß Ihr Jncognito gewahrt bleiben könne. So lange Sie die Sprache nicht kennen, in der wir beten, würde Sie der Besuch eher abstoßen als anziehen; Sie würden darin nur. wie sonst christlich? Besucher, die „Judcnschul" mit ihrer» Chaos finden^ Diesen Besuch unserer heiligsten Orte verschieben Sie daher am besten so lange, bis Sie sich entschließen, dauernder Stammgast in ihnen zu werden." „Aber. Herr Pappenheim, ich bin doch Christ, ick bin der einzige Sohn und Erbe des Grafen Esterhazu! So haben mich's meine Eltern gelehrt, anders ist mir'» nicht aus meiner ganzen Umgebung bekannt, vor wenigen Tagen noch wollte ich Sie hängen lassen, weil Sie sagten, daß ich ein Jude bin. Ich glaube Ihnen alles, was Sie mir über meine Herkunft berichtet haben, so abenteuerlich es auch klingt, ich gebe zu, daß ich von Geburt Jude bin. durch Erziehung, durch Gewöhnung, durch Ueberzeugung bin ich Christ, wie sollte ich als solcher zu einem regelmäßigen Besuch der jüdischen Gbtreshäuser kommen?" „Wenn Sie mir glauben." erwiderte Pappenheim, „was ich Ihnen über Ihre Herkunft mitgetheilt habe, wenn Sie mir glauben, daß Sie von Geburt Jude sind, dann sind Sie eben Jude und bleiben es. Ihre Erziehung. und selbst Ihre Ueberzeugung, ändert daran lein Tüpfelchen. Wenn Ihr Pflegevater statt eines achttägigen Knaben, seinem Arendar widerrechtlich einen silbernen Löffel fortgenommen hätte, er hätte sich im Laufe der Jahre an den Besitz des Löffels so gewöhnt, daß er endlich sogar die Ueberzeugung erlangte, er sei sein eigen, würde er davon sein eigen? Und ist das. was für einen Löffel recht ist. für einen Menschen nicht auch? Es ist und bleibt ein unerhörter, zum Himmel schreiender Gewaltakt, ein jüdisches Kind seiner Bestimmung zu entreißen. Wenn dieses Kind zum Jüngling herangewachsen ist und es billigt diesen Gewaltakt, indem es seine beispiellose Willkür alsvon Rechtswegen anerkennt, so wird es zum Mitschuldigen dieses Menschenraubes und Seelenfanges." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vuchhandrl verkehrt durch V. -ss. Slrinackrr, Leipzig, Rastplatz 1V. — Inserate 25 Pfennig die vlergespaltene Nonparcillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen ästerr., für'4 Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stcllcsuchcndc und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine AuSgade des Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post-aus dieselbe unter Nr. 3933 abonniren Auf Wunsch stunde« wie die Zahlung deS JnfertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis »ach Erlangung einer solchen. Inhalt IHauplbtaM: Das Judentbum in seine» Grundziiaeu < Fortser.unq). — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Dentscdiand: Mainz. Berlin. Hamburg. München. An« Bayern. Nürnberg. Ans B-'den. tfUritrntftum Birkenfetd. 3U)Ön. Oesterreich: «Prag. Ungarn: Prekburg. Amerika: LouisviUe. — Feuilleton: Eine vereitelte Hochzeit (Fvrtsepnng.) z«aar» »er «ekle» SeUaa«: Taktische Febler oder Symptome r lFortselmna». — Zeitungsnachrichten und Correspondenzea: DentsLland: Leipzig. München. Bad Äissivgen. Rnpkand: Petersburg. Amerika: Washington. — Vermischtes. Inhalt »er »»«11»« BrUaa«: Badeplandercien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oesterreich: Prag. Frankreich: Paris. Ruhland: Petersburg. Widorg. Türkei: Konstantinopel. Amerika: Aewyork. PadagagUch« ««»tage: Tie orthodoxen LehrerverbandSmitglieder vor dein Forum der Rabbiner Kommission der „Freien Ben eiitigung." BerantworUtche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de« .Israelit'. Schottstraße Nr 2. Mainz. Druck und Berta? der 2 oid. Wtrth'fchen Hotbuchdruckerei Actien-Tesellschas» in Mainz. Hierr« drei Vellage«.