Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1321 «Nissen selbst die gestatteten Thiere nach einer bestimm l itn Porschrist geschlachtot mib untersucht werden?; Warum müssen einzelne T heile noch außerdem ent lernt, und warum must das Blut noch vorher auSge zogen »nerden? Warum die Hände vor dem Brodgc nuß waschen? Wenn das alles Gesetz Gottes ist. so i must e^ doch eine vernünftige Begründung dafür , geben." „Hochgeehrter Herr Graf!" erwiderte mit lächelnder Ruhe Hirsch Pappcnbeim. Ich habe mir schon einmal die Bemerkung gestattet, daß Sie stark im Fragen i sind. Wollen Sie mir erlauben.- bevor ich antwort-. einige Ogensragen zu stellen?" ..Gewiß, wenn ich sie nur beantworten kann;" entgcgnete Ignatius. ..Glauben Sie an einen Gott?" ..Gewiß!" 1 ..Auch daß er der Schöpfer des Himmels und der Erde. der Sterne, der Thiere und der Bäume ist?" „Allerdings." „Run. dann frage ich Sie, warum hat Gott den Himmel blau und die Bäume grün geschaffen, warum ist nicht der Himmel grün und die Bäume blau? Wenn sie alle Geschöpfe Gottes sind, so muß es doch dafür eine vernünftige Begründung geben?" ..Willen Sie. Herr Pappenheim, eine Erklärung dafür?" fragte Ignatius. ..Rein, ich weist, keine. Aber meine Unwissenheit verführt mich nicht zu dem Glauben, weil ich keine Begründung der Werke und Gesetze Gottes kenne, deß halb gäbe eS auch keine. Gott hat sich in der Ratur offenbart und hat sich in der Geschichte offenbart. Gr hat für seine Geschichtsoffenbarung zu allernächst Sein Bolk. uns Juden. herauSgcgriffen. indem er uns seinen Willen mittbeiltc, wie er in seinem Gesetze ausaesvrochtn ist. Ich sehe Gottes Gesetz in der Ruiur walten, ick sehe, daß das Gras aewachsen ist und weiß nicht wie es »nächst. soll ich deshalb das Wachsthum des Grases leugnen? Ich sebc Gottes Gesetz, wie er re am Sinai offenbart hat. soll ich es leugnen, wenn ich und weil ich seinen letzten Grund nicht kenne? S-'ll ich nicht eher hier wie dort, gerade aus der Unznlänq lichkeit meiner Einsicht die Tiefe der Gottesg-danken folgern wüsten?" , Der Jüngling wolltetwas dagegen heinerken. Aber Pavvenheim fuhr fort: „So würde ick sprechen, wenn es keinerlei Be aründ»na und Erklärung für Gottes Gesetze gäbe. Das ist iedoch nickt der Fall. In den Jahrtausenden, die seit ibrer Offenbarung dahin geschwunden sind, hat! man diele Gesetze nach verschiedenen Seiten hin zu erklären und zu begründen versucht. Aber man kommt hier nicht vorbei. Entweder die Gottes-Gesetze sind wirklich Gesetze Glottes, dann bedürfen sie keiner Begründung. denn sie tragen dann ihre Rechtfertigung kn sich selber. Oder sie sind es nicht, dann lohnt es sich nicht, ein. Wort darüber zu verlieren. Erst müssen Sie diele Gesetze erfüllen, nicht weil Ihnen ihr Grund ein leuchtet, nickt weil sie dieselben vernünftig und nützlich halten, sondern lediglich deßhalb. weil sie Gott befohlen hat und weil Sie als Jude zu diesem Gesetz durch einen Eid gebunden sind, den jede Seele ungeboren ihrem Gott geschworen hat. Sobald dies geschehen ist. mögen wir auch eine vernünftige Begründung dieser Gesetze versuchen, wenn sie im* dann noch Bedürfnis; sein sollte; aber nicht früher." Di? entschiedene Festigkeit, mit der diese Worte gesprochen wurden, verfehlten ihren Eindruck nicht Der Graf kan, nicht weiter auf seine Fragen zurück, aber er konnte die Bemerkung nicht unterdrücken: „Es muß doch eine große Last sein, diese Gesetze alle aeioisscnhast;u erfüllen!" ..Für Jemand, der. lvie Sie. nicht in diesem Gesetz erzogen ist. mag es allerdings schtver sein. Für uns. die »vir von frühester Kindheit nach diesen Gesehen leben, ist das nicht der Fall. Es würde mich heute r. B. eine viel größere Ueberwindung kosten, von Ihrem Frühstück rn genießen, als darauf zu verzichten." Hirsch Pappenhcim hatte beobachtet, wi? der Graf sein Frühstück unberührt wieder zurückleate. obne daß einer von beiden ein Wort darüber verlor. -- Sie hatten sich in ibr Gefvräch so vertieft, daß sie den Oberförster nicht aewahrten. der ibnen entgegenae- | kommen war und jetzt plötzlich vor iknhm stand. Sie a'naen. von ihm geführt', die Anhöhe hinab in der Richtuna des Waldes, dessen Bermcssung nun ihre aarne Aufn'erksamkeit kn Anspruch nahm. xn. Bereits vier Tage waren Graf Ignatius und Hirsch Bavvenbein, aus die geschilderte Weise fort »nährend zusammen. Ihre Unterhaltung b-weqtc sich iunerb.ilv desselben Rahmens, dem bereits ibr erstes Gespräch aeaotten hatte, wenn sie auch dem Gegenstand ihrer Unterhaltung immer wieder neue Seiten abge wannen. Als sie am Freitag in der Frühe wieder zusomn'en in den Wald ginaen. hatte Pavvcnbeim seine Tefillin mitqebracht und zeigte sie dem jungen Grqfen. der. nachdem er von ihnen durch seinen Begleiter gebärt hatte, beni-ria »mv-, dieselben zu sehen. Der lernbegierige Schüler war darüber sebr erfreut und als er seinem Instruktor dafür dankte, saate dieser, er möchte dieses Wal ' eine Geaenaefälliakeit. nämlich um die Erlgnbuib biti'n ihn heute etm<is früher 1'1 entfallen und ibn sii'' morgen — Sckghbos — rn beurlauben. Bovvenbeim erzählte bei diesem Anlaß, daß der Arendar der einzige auf dem Schsolle sei. dem er sich als 'bekannt habe. Der Arendar bäbe >bm am Schabbrs immer frei gegeben und er habe dakur am Sonntag dem Arendar gearbeitet, wo der Arendar