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Der Israelit · 1904-08-04 · Heft 62 (4.8.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 62 (4.8.1904)
Date
1904-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1319 und Rosenberger vor einigen Monaten gegen diese Blatter inszenirtcn und die so kläglich endete. Wollten sich die Herren. damit Sympathien er werben? jst richtig, und der „Israelit" hat sich nicht gescheut, dies mehrfach hervorzuheben, die Lehrer der kleinen Landgemeinden arbeiten vielfach um einen Lohn, der entwürdigend ist und der unmöglich reichen kann, um dem Stande entsprechend eine Familie zu er' nähren. Hier mutz energisch Abhülse gesucht und ge funden werden. Die Gerechtigkeit verlangt, das; hier nicht verschwiegen wird, dass der Grotzh. Obcrrath selbst mit einer Borlage in dieser Richtung an die Synode herantritt. Aber diese Zustände, so betlagenswerth sie sind, sollten die Herren Lehrer doch nicht hindern, mit allen Mitteln für die Hebung der Religiosität unter den Gemeindemitgliedern einzutreten.' Nicht alles hat der ..Zeitgeist" auf dem Gewissen, wenn man es auch, «in die eigene Verantwortlichkeit zu entlasten, gerne to hinstellt. Wohl haben die Lehrer — wir wissen es gut — oft einen schweren Stand! Uebelwollen und Unwissenheit gehen Hand in Hand, wenn cs gilt, dem Lehrer das Leben sauer zu machen. „Seine Stellung zu gefährden" versagt ihm die Rücksicht auf seine Familie und so - schweigt er. wo er reden mützte. Und dann entstehen Zustände, die jeden wahren Iehudi >m tiefsten Innern schmerzlichst berühren. Der Lehrer wird zum Spielball der Meinungen, und „von der Parteien Gunst und Hatz verwirrt" etc. Ob aber diese Leisetreterei nicht zu umgehen ist. ist eine Frage, die mancher brave Gemeindebürgcr sich vorlegt. Der Lehrer sollte doch mit sicherer Hand als ein kundiger Lotse im brandenden Meer des Unglaubens die Gemeinde in den Hafen der wahren Religiosität hineinführen. Nicht er lasse sich leiten von den wider streitenden Meinungen der Gemeinde, sondern er leite die Gemeinde in religiösen Dingen zum guten Ziele. „Dieses ängstliche Aufhorchen, ob auch kein schar fes Mort geredet, die Gemüthlichkeit durch spitze Re densarten nicht gefährdet wird, nimmt in sturnlbeweg tcr Zeit sich wahrhaft kindisch aus." Dieses Wort und alles Folgende des Herrn Raphael Breuer (siebe „IS raelit" Nr. 60, zweite Beilage) könnte hier ohne W«i teres angefügt werden. Wir verweisen auf jene Aus führungen. die uns aus der Seele geschrieben sind. Das sind Schilderungen unseres Lebens, die leider nur zu wahr sind. Wo sind die Männer hingekommen, die ohne ängstliche Seitenblicke nach rechts und links, nach oben und unten unverblüint und — wenn es sein mutz - opfermuthiq die Wahrheit bekennen!? Vielleicht treffen wir sie in der badischen Synode!! Fürstenthum Pirkcnfcld. 1. Aug. Mitte des Monats Juki hatte das Fürstenthum die Freude, den Besuch seines Landesherrn, des Grotzherzogs und der Grotzhcrzogin und des Crbgrotzhcrzogs von Oldenburg zu empfangen. Bei dieser Gelegenheit hatte Herr Landrabbiner Dr. Lewit die hohe Chre, zur Grotzherzoglichen Tafel geladen zu werden. Das Hofmarschöllamt machte Herrn Dr. Lewit die telegraphisckie Mittbeilung. datz „Seine Königliche Hoheit der Grotzhcrzog Herrn Landrabbincr Dr. Lewit zur morgenden. Sonntag, den 24. d. Mts.. Abends 7 Uhr. im Regierungsgebäude zu Birkenfcld stattsindcnden Tafel eittladen lässt". Hier unterhielten sich die Königlichen Hoheiten wiederholt mit Herrn Dr. Lewit. und der Grotzherzog erkundigte sich iifor manche Verhältnisse der jüdischen Gemeinden des Fürstenthums. Rhön. Dieser Tage verschied in Tann a. d. Rhön nach langer .Krankheit Frau Zilli Sichel, eine Frau, welche es verdient, in Ihrem Blatte erwähnt zu werden. Die Verklärte führte allezeit ein würdiges und frommes Leben, einen Wandel in Gott, vorbildlich nicht nur für ihre Hausgenossen, sondern für alle auch, die sie länntcu. •’H? p*~s, stirbt der Fromme, so stirbt er seinem Zeitalter. Sie war ein Muster milden Herzens, denn manche Tbräne hat stc getrocknet, manches Leid hat sie gemildert; denn bei ihr hietz es pw; ho Sr* *“** „Jeder Hungrige komme und esse mit:" sie war eine ‘"n nrs „ein Biederweib" im wahren Sinne des Wortes, sie war allen ein leuchtendes Vorbild in der wahren Gottesfurcht und Tugend; nur darum kam man ihr von allen Seiten, ohne Unterschied des Glaubens. mit Hochachtung und Verehrung entgegen. Oesterreich. Prag. (Juden undChristen im alten Pompeji.) Am 21. Juni 1882 wurde in dem Grabmal der Stafonier ein Bild entdeckt, das nach dem Urtheil der Sachverständigen das sog. Urtheil Salomons darstellt. Man schloss daraus, vorerst recht zaghaft, datz im alten Pompeji Juden gelebt haben müssen. Nun sind noch manche neuen Tatsachen hinzugekommen. die diese Annahme bekräftigt,, und sie für sehr wahrsck-einlich gelten lassen. So hat man auch Tougcfätze gefunden, die mit Aufschriften wie „Muria t,.aslaoraruni castunr*, .."arum cas,iiwniale\, be, net sind. Cs scheint zweifellos, datz diese pompejanischeu Amphoren „koschere Flcischsaucen" d. h. solche, die aus den nach jüdischen Speisegesetzen erlaubten Fischen bereitet, enthielten. Mit diesen Funden beschäftigt sich im letzten Hefte der „Zeitschrift für die ncutestamentliche Wissenschaft und die Kunde des NrchristenthumS" Eberhard Nestle und er meint, datz sich auch Spuren des Christenthums in Pomveji finden. Zu den Hinweisen auf die Speisegesetze, die vor 70 auch von Christen gehalten wurden, tritt die halbverlöschte Kohseninschrift „Hristian?" und die Wandschmiererei resp. das eingekratzte „Sodoma. Gomora". Hat ein ungastlich aufgenommener Christ die leichtsinnige

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