Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 13-14 (17.2.1904)
- Date
- 1904-02-17
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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306 tische Weib sich zu eigen zu machen. Kurzerhand schickte er seine Gemahlin Theodora, von welcher er zwei Söhne besaß, in ein Kloster, und erhob die Jüdin Sarah zu seiner Gemahlin, als welche er ihr den Namen seiner ersten Gattin Theodora beilegte. Mit Sarah-Theodora lebte der Fürst in glücklichster Ehe, und sie gebar ihm zwei Söhne, Ase und Sisman, sowie eine Tochter, die in der Geschichte Bulgariens die schöne Tamar genannt wird. Doch sollte diese Ehe dem Reiche nicht zum Segen gereichen, denn sie führte zur Theilung, zum Unfrieden und zum schließlichen Untergange des Landes. In Folge seiner großen Liebe zu der jüdischen Gattin überging der Fürst den erstgeborenen Sohn seiner ersten Gemahlin in der Erbfolge, und willigte in den Wunsch Sarabs, seinem Sohn Sisman den Thron zu überlassen, während der Sohn aus erster Ehe nur das Herzogthum Widdin erhielt. Auf diese Weise entstanden naturgemäß große Feindseligkeiten unter den! Brüdern, so daß der Frieden des Landes zerstört wurde. Der Bruderzwist führte endlich dahin, daß sich | das Land dem unaufhaltsam vordringenden türkischen Sultan Murad I. unterwerfen mußte, obgleich Sisman 30 Jahre friedlich regiert hatte, und die Gefchichts-! schreiber ihn sowohl als iodesmuihigen Helden in seinen. Kämpfen mit den Türken, wie als treuen Anhänger der christlichen Kirche bezeichnen. Auch Theodora wird als fromme und gläubige Regentin von der Historie gerühmt, die viele Klöster und Kirchen begründet hat. Zu jener Zeit gab es eine Menge von Religionssekten im Lande. Viele träte.» zum Judenthum über, eine Erscheinung, der wir auch später in Rußland begegnen. Da berief der Patriarch Theodosius im Jahre 1352 unter der Regierung Theodoras ein großes Concil ein. auf welchem der Beschluß gefaßt wurde, daß die Juden und die Ungläubigen sämmtlich des Landes verwiesen werden sollten. Wir wissen nicht, ob die jüdische Herrscherin den Versuch unternommen hat, den Juden in dieser kritischen Zeit beizustehen. Bekannt aber ist es. daß drei Juden, die unter der Anklage der Beschimpfung der herrschenden Religion zum Tode vernrtheilt worden waren, Dank der Intervention der Königin, begnadigt wurden. Leider aber nützte ihnen diese Fürsprache nichts: das rachsüchtige Volk ergriff sie und marterte sie zu Tode. Die Juden von Tirnowa wurden gänzlich verbannt, gerade unter der Regierung dieser Jüdin, die ihnen vielleicht nur zum Unglück gereichte. Und sie kehrten nicht zurück, bis zur Zeit der türkischen Herrschaft in Bulgarien. Näheres über das Leben dieser Fürstin ist nicht bekannt, aber die Geschichtsschreiber wissen zu erzählen, daß ihre Tochter, die obenerwähnte schöne Tamar, in die Gefangenschaft der Türken gerieth. Man brachte sie in den Harem des Sultans Murad. woselbst sie zum Islam übertrat und die Gemahlin dieses Herrschers wurde. Israel Schapiro. Straßburg i. E. 031 u8e. MD Zeitgemälde von I. I. Kvaszewski in autorisirter Uebertragung. Italien zeigte sich heute in seinem vollen Glanze den Reisenden. Das Meer spielte seine unsterbliche Symphonie; es erzählte die Geschichte der Welt und der Menschen. Die Bäume rauschten dazu die Begleitung. Die Lorbeersträuche dufteten, die Orangen schimmerten goldig zwischen dem dunklen Laube, und die Luft erfrischte ein Windhauch vom Wasser mit dem erquickenden Dufte der Salzfluth. Alles fühlte sich hier wohl. Und dachte noch Jemand der pov^ra Venizia die an dieser Wonne keinen Antheil hatte, so geschah dies ganz in der Stille und mit jener Resignation, die mit den Jahren immer noch zunimmt. In jenem künstlich abgesonderten Theile der Grotte am Teiche harrte die gedeckte Tafel noch der Gäste, ' welche nach oben gegangen waren, um sich von dem italienischen Staube zu befreien. Die übrigen Tische; waren schon ziemlich besetzt, j An einem derselben saß ganz vereinsamt ein Herr von schönem, aber gelangweiltem und düsteren Antlitz, in welchem sogar ein näherer Bekannter nur schwer Herrn Heinrich erkannt hätte, der vor einigen Jahren! hier mit der leichtlebigen Gigante so heiter einher-; wandelte. Er selbst war es. abet’quantnm mutatis ab illa!; Wir beeilen uns, ängstliche Leser dahin zu be- , ruhigen .daß er wenigstens sein Vermögen nicht verloren hatte, nicht gänzlich verarmt war. Nur den