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Der Israelit · 1904-02-17 · Heft 13-14 (17.2.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 13-14 (17.2.1904)
Date
1904-02-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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201 bildet und die sog. (S:TrMen der Juden und Nichtjuden ungelehrt und unwissenschaftlich nennen, so sollen wir uns durch die nur sie beschämenden Urtheile in unserem Forschen nach der Wahrheit nicht beirren lassen; wir haben kein Recht, uns zu verleugnen, weil jene die Wahrheit verleugnen. Einst wird ja der Tag kommen, wo alle Menschen einsehen werden, daß wir die Wahrheit hatten und daß durch uns der Gedanke der Wahrheit, der Gedanke der Gottheit gesiegt hat. n mr "pto nx-r "rrr. „«nb durch dich strahlt Gott und Seine Herrlichkeit wurde durch dich sichtbar." Diese Verheißung wahrlich ist werth. daß man sich ihretwegen so manches Achselzucken gefallen lasse. Ist die Gegenwart auch unerleuchtet genug, unser Licht nicht anzuerkennen. so arbeiten wir für die Zukunft, für die Ewigkeit, denn Kinder des Geistes, die von dem Geiste Gottes getragen sind, sind für die Ewigkeit berechnet. Und wenn alle jene Theorien, die zur Verdunkelung der Wahrheit beigetragen haben, schon längst begraben und vergessen sein werden, so werden jene Arbeiten, die, wenn auch wenig, zur Aufhellung der Wahrheit beigetragen 'haben, an jenem Tage gewürdigt werden, da die Wahrheit ihre Siegesfeste feiern wird. Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Die kühne „Staatsbürgerzertung.") Unter der Spitzmarke „Ein kühner Priester" erzählt die „Staatsbürgerzeitung", der katholische Priester Creagh in Limerick in Irland habe in einer Rede vor Kurzem gesagt: „Wenn die Juden auch heutzutage nicht mehr beschuldigt werden, daß sie Kinder stehlen und morden, so legen sie ihnen ein vielleicht noch schwereres Martyrium auf, indem sie ihnen die Kleider vom Leibe und die Bissen vom Munde nehmen." Wir wollen einmal — was nach ihrer Vergangen heit gewiß großmüthig und gewagt von uns ist — der „Staatsbürgerzeitunz" glauben, daß ein katholischer Priester das wirklich gesagt hat. Welche Kühnheit aber und welche Naivetät seitens der „Staatsbürgerzeitung", die so viel in „Ritualmorden" gemacht hat, ohne mit der Wimper zu zucken, und ohne Kommentar nachzudrucken, „daß Juden heutzutage nicht mehr beschuldigt werden. Kinder zu stehlen und zu morden." Schlägt sie sich damit nicht selbst in's Gesicht, blamirt sich, die so viel geritualmordet Hot und ihre Leser, die an die blöden Ritualmordgeschichten geglaubt haben, und stellt sie nicht diese und sich unter das Niveau eines irischen Auditoriums, zu dem ein solcher Prediger spricht? Stuttgart, 16. Febr. Eine Deputation des iSr. Lehrervereins, bestehend aus den Ausschußmitgliedrrn Hühnlein-Hall. Preßburger-Creglingen und Spatz- Affaltrach, hatte heute die Ehre, von Sr. Excellenz dem Herrn Minister des Kirchen- und Schulwesens Dr. von Weizsäcker in Audienz empfangen zu werden und eine Petition überreichen zu dürfen. In Folge des rapiden Rückganges der Seelenzahl israelit. Landgemeinden stehen mehrere isr. Volksschulstellen vor der Auflösung, und mangels neuer Stellen droht den Lehrern der betr. Schulstellen im besten ManneSalter vorübergehende Zurruhesetzung. Die Petition macht nun eingehende, gut begründete Vorschläge, wie durch anderweitige Organisation die betr. Lehrkräfte im einheimischen Schuldienste anderweitige Verwendung finden, oder in den ausschließlichen isr. Kirchendienst (Vorsänger- und isr. Religionslehrerdienst) überführt werden könnten. (Abänderung des Art. 53 deS JSraelitengesehes vom Jahre 1828.) Der Herr Minister nahm die Petition entgegen, unterhielt sich in liebenswürdigster Weise mit der Abordnung und versprach, die vorgebrachten Wünsche in wohlwollende Erwägung ziehen zu wollen. Höchst i. C., 14. Febr. Ein prächtiger Bau. der unserem Orte zur Zierde und der israelitischen Religionsgemeinde zur Ehre gereicht, die neue Synagoge, ist vollendet, er wurde nach den Plänen des Herrn Fleckenstein in Darmsiadt an Stelle des 1796 erbauten alten Gotteshauses aufgeführt. Der Neubau, im maurischen Stil gehalten, ist bis in alle Einzelheiten vorzüglich gelungen, ebenso die Glasmalerei, die innere Ausschmückung und das Gestühle.' Von besonderer Schönheit ist der von der Firma Schäfer & Montanus in Frankfurt gelieferte Kronleuchter für elektrische Beleuchtung. Die Weihefeierlichkeiten wurden unter Mitwirkung der politischen Gemeinde und mit Veranstaltung eines Festzuges, an dem sich alle Vereine betheiligten. Freitag, Samstag und Sonntag abgehalten. Rabbiner Dr. Marx hielt die Festrede. Rußland. MinA. Vor dem Bezirksrichter Hierselbst wurde unlängst folgende charakteristische Verhandlung durchgeführt. Die Schülerin des Minsker Mädchengymnasiums, die Jüdin Rebeka Schapiro, ersuchte am 1. März v. I. den Klassenvorstand Frau Jusefowitsch, sie für diesen Tag zu beurlauben, weil ihr Namenstag gefeiert werde. Der Vorstand antwortete: „Haben denn Saujuden Namenstag?" und beurlaubte sie nicht. Aber seit diesem Tage begann Frau Jusefowitsch die Schülerin zu verfolgen, zu verhöhnen und zu verspotte» und kam soweit, die Schapiro fast täglich auf ganze Tage im Karzer einzuschließen. Der Vater des KlndeS, ein in Minsk angesehener Kaufmann, beschwerte fich bei den Vorgesetzten der Frau Jusefowitsch, reiste sogar

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