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Der Israelit · 1904-02-17 · Heft 13-14 (17.2.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 13-14 (17.2.1904)
Date
1904-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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292 zu diesem Zwecke zum Kurator des Lehrbezirks nach j Wilna, aber nirgends ließ man sich herbei, dem gekränkten Vater und gedemüthigten Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und so beschloß Schapkro, bei der Justiz sein Recht zu suchen. Aber aus rein formellen Gründen durste der Richter, wiewohl er die Beschwerde Schapiro's für gerechtfertigt erklärte, in die Verhandlung der Klage nicht eintreten. weil die Klage gegen den Kassenvorstand von amtswegen erhoben werden müßke. Unm so fand Schapiro nirgends Genugthuung. puijellimotn aus MW. Amemerelm und für Melde«. (SLmmtttche jüd. Wsn-erdettelverel«e u«v Kafie« für Durchreisende find gebeten, nnS DkittheUungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Lhüttgkett machen, zrrkomurerr zu taffen.) . Mannheim, 14. Febr. (E i n e A r m e n f a l l e). Die jüdischen Passanten, welche sich an der ..Kasse" in Mannheim ihr Almosen holen wollen, haben seit einiger Zeit daselbst recht unangenehme Ueberraschungen zu gewärtigen. Ein Schutzmann in Civil untersucht ihre Papiere und wer nicht Nachweisen kann, daß ex noch vor einigen Wochen in Arbeit gestanden, wird ohne weiteres als „Landstreicher" verkästet, vom Gericht zu 8—10 Tagen Gefängniß verurtheilt und des Landes verwiesen. Unseres Wissens herrscht solcher Gebrauch nur an der Mannheimer „Kasse". Wir wollen unerörtert lassen, ob die Polizei oder der „Wohlthätigkeitsverein" diese kaffenstärkende Maßregel verursacht haben. Weßhalb werden die Passanten, die ahnungslos zur „Kasse" gehen, nicht auf irgend eine Weise, vor diesen Gefahren, diesen Zuständen gewarnt? Wäre z. B. an der Eingangsthüre zur Kasse cin Plakat angebracht des Inhaltes, daß derjenige, dessen Papiere nicht veinlichst in Ordnung sind, der keinen Arbeits-Nachweis besitzt. Polizeistrafe zu befürchten hat, dann würde es nicht Vorkommen, daß, abgesehen von jüngeren Leuten, sogar Frauen, die sich in anderen Umständen befänden und alte, gebrechliche Männer wegen dieses Vergehens hinter Gefängnißmauern wandern müssen. Sollte aber eine Abhilfe nicht möglich sein, dann wäre es besser und den Armen sicher mehr gedient, wenn diese Art „Wohlthätigkeit" eingestellt und die Kasse überhaupt geschlossen würde. . An verschiedenen anderen Kassen benehmen sich die »Herren Vorsteher" noch schlimmer wie Polizei-Büttel, ^uch diese Kassen müßten geschlossen werden. Burgkundstadt, 12. Febr. Im „Israelit" Nr. 74 vom 15. September 1902 erließ Herr Lehrer Jul. Rothschild von Reichelsheim (Odenwald) eine Warnung gegen Lehrer Meier Lindner, sich auch Schome Lindner nennend. Dieser Mann sprach am 9. c. an hiesiger Kaffe vor, und als er merkte, daß ich ihn auf Grund vorgenanntem Ausschreibens scharf kontrollirte, wurde er unwillig. nahm seine vorgelegten Papiere rasch wieder an sich und verschwand, ohne weiteren Unterstützungsanspruch. mehr zu machen. Derselbe legte verschiedene Papiere und Zeugnisse von Kultusgemeinden, auch ärztliches Zeugniß. sowie eine Einzeichnungsliste von größeren Gaben vor, unter Angabe, daß er Lehrer und Kantor wäre und schon längere Zeit stellungslos sei. Außerdem führt er einen Paß auf den Namen Meier Linder — waß aud) sein wirklicher Name sein soll — mit sich. Meine Frage nach seinem Geburtsjahre konnte er gar nicht beantworten und gab hierauf an, daß dieses aus seinen Papieren ersichtlich sei. Da ich gegen dessen Auftreten und dessen Papiere Mißtrauen hegte, so erkundigte ich mich über denselben und erfuhr, daß er mit falschen Papieren reise, sich zeitweilig und häufig längere Zeit in Nürnberg aufhalte, das Geld vergeude und jeder Unterstützung unwürdig sei. Linder ist am 15. Februar 1855 zu Wiznitz geboren, hat schlanke Statur, dunkles Haar und einen etwas melirten Spitzbart, trägt abwechselnd goldene Brille und goldenen Zwicker, bat anfangs ein feines Auftreten, welches aber bei Ablehnung seines Gesuches sehr dreist wird. Israelitische Unterstühungskaffe. M. Lonnerstäd t e r. Kaffirer. vermischtes 8. Hannover, 12. Februar. In der gestern stattgehabten Wahl eines Bürgervorftebers (Stadtverordneten) für den Cleverthor-District hiesiger Stadt wurde Rechtsanwalt Dr. Sicgm. Meyer, Sohn des verewigten LandrabbinerS Dr. Mey r v'r mit 120 Stimmen gegen je 5t Stimmen die au» zwei Gegen candidaten fielen, gewählt. Diese Wahl erregt um so größere Freude, als seit ca. 20 Jahren zum ersten Male wieder ein Glaubensgenosse dieses Ehrenamt bekleidet. Paris. Die A.rzte, d-e mit der Untersuchung des Geisteszustandes dls russischen Studenten Luban, der s inerzcit auf den Schriftsteller Max Nordau einen Revolverschuß abgegeben hat, betraut worden sind, gaben ihr Gutachten dahin ab. daß Luban für seine That nicht verantwortlich gemacht werden könne. Luban wird in eine Irrenanstalt gebracht werdcn. Der Conditorei SB. Adler Hier, ist es gelungen, einen verhältnismäßig billigen Zwlrbaa für Beßlich derznnellen. sodaß e» c,n Leickites nt. Kinder. Kranke und auch Rcconoalescenten während dieser Zeit zu ernähren, wo es bis letzt an einem guten leicht verdaulichen Gebäck fehlte. Der Zwiedaek ist ärzrlich empfohlen unb hat sich durch seine Vorzüglichkeit, selbst im Auslande weit verbreitet.

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