Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 13-14 (17.2.1904)
- Date
- 1904-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450000--60102-2520957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
45. Jahrgang. fU AZikage zu Jf& 13 \ 14 HZS . 7—— i Me ethislhes StröutDagfa itr <5rgemrt ttnb -»» Iidnithilm.; Bon 2)r. Herma»» Klei»—Frankfurt a. M. (Schluß.) Unsere Weisen in Midrasch bringen folgende Bemerkung: “jrnn *rp ra jvapn i*a max ica t&tsh cyn n*apn ick m'xb T,xm izHx rui o w 'ick 7*371 ca^ rrtjcm rrxb natm x'aa nxr *]'^r i-ns3i "7 mr> *]^r. maA bann px nv3' “jpnn Diese Klage der jüdischen Gemeinschaft hat auch noch heute nichts an Berechtigung verloren. Der weitaus größere Theil der Judenheit ist auch noch heute geneigt, und heute vielleicht noch mehr denn je, den Erzeugnissen fremden Geistes den Vorzug vor den Erzeugnissen jüdischen Geistes einzuräumen. Das Licht der Wissenschaft, so meinen viele Juden, leuchtet Heller in den Kreisen der Nichtjuden, als in unseren Kreisen, und sie stehen nicht an, zu erklären, daß wir eigentlich keine Wissenschaft haben, daß wir in einer Finsternitz einherwandeln. die nur durch das Licht des Glaubens erhellt wird. Aus einer derartigen falschen Bewerthung der jüdischen Geistesarbeit heraus stammt jene Lehre von der „zwiefachen Wahrheit" einerseits und jenes Streben andererseits, die Lehren unserer Thora den Ergebnissen der modernen Wissenschaft anzupassen. Beide Wege sind verkehrt und in ihren Folgen von unheilvollem Einfluß auf die Entwicklung der Geistesarbeit der jüdischen Gelehrten gewesen. Es gibt keine zwiefache Wahrheit. Die Lüge kann verschiedene Formen und Gestalten annchmen, aber die Wahrheit ist nur eine, und eine doppelte Wahrheit ist eine einfache Lüge. Eine Glaubenswahrheit, die vor dem Richtstuhl der Wissenschaft nicht besteht, ist keine Wahrheit, denn die wissenschaftlichen Wahrheiten müssen vor das Forum des Glaubens treten und nicht umgekehrt. Die gottgeoffenbarten Lehren müssen der Maßstab sein für die Lehren der Menschen, und nicht menschliche Erkenntnisse für die Lehren der Gottheit. Man sollte meinen, .daß diese Forderung etwas so Selbstverständliches sei. daß kein Jude und kein Mensch anders denken könne, und doch werden ihr die wenigsten Forscher gerecht. Wir sehen und hören immer, wie man sich bestrebt, zu beweisen, daß das Judenthum diesen oder jenen Lehren nicht widerspreche, anstatt, daß man sich bestreben sollte zu zeigen, daß gewisse Lehren dem Judenthum nicht zuwiderlaufen. Man sollte ja glauben, daß dies einerlei wäre, aber es ist nicht einerlei. Hier ist die Wissenschaft die oberste Instanz, während wir fordern, daß das Judenthum die oberste Instanz bilde. Dann wird man das Ju-- denthum nicht mit aller Gewalt aristotelisiren. kantionisiren, sondern man wird das Bestreben haben» das Judenthum kennen zu lernen, wie es an sich ist. Aristo-' telisch oder kantisch gefärbte Brillen hindern frei und gut zu sehen, nixd ".«m'vdy -pvnn rn- 'na *o Wie lange noch wird es währen, daß wir uns Licht von der Außenwelt borgen werden, um das Licht des Judenthums zu sehen? Wie lange noch wird der unselige' Wahn dauern, der es glaubt,, daß bei uns Finsterniß und nur bei den Andern Licht herrscht? Wie lange Noch wird es währen, daß wir erkennen werden, daß AllA was die andern Völker an geistigen und sittlichen Gütern haben, nur kärgliche Brosamen sind, die von den reichbesehten Tischen jüdischen Geistes gefallen sind?- Wann werden wir endlich einsehen, daß wir es.waren/, die der Welt Licht gebracht, daß wir es waren.: die. die) Fesseln gesprengt und die unheimliche Finsterniß. in der-- die Menschheit lebte, erhellt haben, daß wir es waren,.' die der Welt menschenwürdige Ideale gebracht Haben?).- Diese Ideale sind zum Theil Gemeingut der Menschess geworden, sie zehren von ihnen und operiren mit ihnen,, als ob sie sie selbst entdeckt und erfunden hätten. .Wir. lönnten ihnen ja die Freude gönnen, wenn nicht.Gefahr' wäre, daß diese Ideale ihre alte Kraft einbüßen werben». wenn man sie aus ihrem Zusammenhänge mit Gott, reißt, und wenn nickt die andere noch dringendere Ge--, fahr vorhanden wäre, daß die Menschen in ihrer Ent- , deckerfreude auch solche Ideale entdecken werden, hie , keine sind und keine sein sollen. Drei Menschheitssypen. zeigt uns unsere Thora, die fast vom Beginne der Menschheit an im Streite liegen. Sem ist das Volk, her Wahrheit, Javhet ist das Volk der Schönheit.und. der menschlichen Wissenschaft, und endlich Kanaan.dgtz Volt der Sinnlichkeit und der rohen Gewalt. '.Die Aüf> - gaben, die nun den beiden ersten Völkern gestellt wurden^ sind die lleöerwindung der Sinnlichkeit und der. rohen Gewalt. vb -izv jwa w ci? *pbk "r Dein Volke , der Wahrheit wird und und muß es ohne .weitere Bei-' hülfe gelingen, der Sinnlichkeit Herr zu werden. Wir bemerken, daß es nicht Ziel'ist, die Sinnlichkeit iss, sich^ zu ertödten, sondern nur sie sich dienstbar zu machen/. Dem Volke der Schönheit wird, dies nicht gelingen, bis> es selbst in die Zelte Sems eingekehrt sein. wird. - .«d -zv }j>53 m* iv Hnrrr. paferc r&A ,.?Vv Wir sind nun am Ende unserer Auseinanderfeß-'' ungen und wir fühlen, daß wir noch die Pflicht haben,- noch einmal in unzweideutigen Worten das Äerhältniß/ des Judenthums zu den von uns besprochenen Theorien-' zu skizziren. Die Oekonomie des menschlichen Denkens