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Der Israelit · 1904-02-17 · Heft 13-14 (17.2.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 13-14 (17.2.1904)
Date
1904-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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285 Zahl der jüdischen Handwerker. Handwerksmeister und Gesellen eine so große ist. Die Zahl der in den Fabriken bcschäfigten Frauen beträgt 6617. Gearbeitet wird in 377 Fabriken über zehn Stunden täglich, in 246 von acht bis zehn Stunden und in zwei weniger als acht Stunden. Rußland. Petersburg. Der technische Kongreß, der dieser Tage in den Mauern unserer Stadt tagte, ist auf Anordnung des Ministers des Innern geschlossen worden, lieber den unmittelbaren Anlaß dieser Schließung wird jetzt Folgendes bekannt: Unter den zahlreichen Vertretern von Handwerksverbänden u. s. w. befand sich auch als Deputirter der Handwerkerkammer von Kischinew ein gewisser Slepanow. einer der Hauptanstifter der Kischinewer Greuel. Als die Versammlung seiner ansichtig wurde, erhob sich ein Sturm der Entrüstung und es ertönten Rufe: „Fort mit dem Menschen, dessen Hände mit Blut befleckt sind!" Unter dem fast einstimmigen Beifall des Kongresses erklärte der Vorsitzende Stepanow's Ausschließung aus der Versammlung. Siepanow hatte darauf nichts Eiligeres zu thun, als zum Minister des Innern zu gehen und ihm mitzutheilen, daß er auf dem Kongreß thätlich angegriffen worden sei. Als die Mitglieder des Kongresses sich am nächsten Tage vor der Universität -- die dem Kongreß Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte — einsanden, waren die Thüren geschlossen und ein Anschlag verkündete die polizeiliche Schließung des Kongresses. Wenn nun von dem Minister des Innern nahestehendster Seite gegen den Kongreß die Anklage erhoben wird, dieser habe sich auch mit poli-. tischen Fragen beschäftigt, so ist darauf zu erwidern, daß gegenwärtig in Rußland keine Zusammenkunft gebildeter Menschen möglich ist. ohne daß die Rothwendigkeit einer Aenderung des gegenwärtigen unhaltbaren Regimes besprochen würde. Von einer Einmischung von Elementen, die mit dem Kongreß nichts zu thun haben, kann keine Rede sein. Süd-Afrika. Johannesburg. Im Parlament von Transvaal gab's jüngst eine Iudendebatte, die durch das unpolitische Vorgehen eines Juden hervorgerufen wurde. Das jüdische Parlamentsmitglied Herr Salomon hatte, J auf Wunsch seiner Wähler, den Antrag eingebracht, j wonach in Zukunft den „Farbigen" das Reisen mit 1 „Weißen" in einem Eisenbahnwagen verboten werde. : Hierzu ergriff das junge Parlamentsmitglied Dr. > Terner das Wort, um gegen den Antrag Stellung zu! nehmen und führte unter anderem aus: „Der Rassenhaß ist bereits ein altes Nebel. Co sehen wir z. B. in Rumänien und Galizien den Judenhaß in seiner, stärksten Macht. Dort geht der Judenhaß soweit, daß er in Mord, Raub u. s. w. zum Ausdruck kommt. In Frankreich trat der Judenhaß in Form des Dreyfus-Prozesses zu Tage. Bei unS besteht vorläufig nur der Haß gegen die „Schwarzen", und ich bin fest überzeugt, daß auch der Haß gegen die Juden nicht lange wird auf sich warten lassen. Um dies zu verhüten, wäre es vernünftiger, den „Farbigen" schon heute die Gleichberechtigung mit den anderen Bürgern zuzusichern." Herr Salomon hat wohl schlagfertig geantwortet und betont, daß er auf sein Judenthum stolz sei. er konnte es jedoch nicht mehr verhindern, daß üch eine regelrechte Judendebatte entspann, und daß die Blätter sich der Judenfrage bemächtigen, wobei es unter der Maske der Wohlmeinung auch der verschiedensten Anwürfe gegen das Judenthum und die Juden gibt. Herr Salomon hätte als guter Politiker, für welchen er in Transvaal gilt, dies voraussehen müssen. Und wenn er wirklich stolz auf sein Judenthum und sich dessen auch thatsLchlich bewußt ist, so hätte er doch wissen müssen, daß dem Juden sowohl seine Religion, als auch seine ganze nationale Geschichte die Umerdrückung oder Minderbewerthung eines anderen Volkes ausdrncklich verbietet, und daß dieses Verbot schon in der Bibel mit den Worten begleitet wird: „Denke daran, daß auch du ein Fremdling warst in Aegypten!" Palästina. Jerusalem. Dienstag. 9. Tebeth, traf uns leider lvie ein Donnerschlag die traurige Nachricht von dem Ableben des Herrn Samuel Straus in Karlsruhe. Alle Einwohner Jerusalems würden tief erschüttert. Jammer und Trauer schwebten über ihren Gesichtern. Zahlreiche Kranke und Schwache, Mittwen und Waisen, welche von dem gottseligen Herrn Straus väterlich unterstützt wurden, fühlen sich nunmehr verlassen. In verschiedenen Straßen Jerusalems waren diesbezügliche Veröffentlichungen angeschlagen. Sie lauteten: ivw hphö rp!?n by *n? bi* und ’G-orn rr.jjra nS’ '2 'hx p "io *idoo Donnerstag, den 11. Schebat, wurde als allgemeiner Trauertag zur Ehre des Verstorbenen festgesetzt. Herr Rabbiner Josef Sonnenfeld und nr-w»n wo feer berühmten Veth Hatalmud und Hochschule „Or Chodosch" hat einen 3*1. Stunde langen Hesped in Gegenwart einer großen Menge Zuhörer gehalten. N. Zelinker. Jerusalem. 6. Tebeth. Fräulein A. E. L a n - d a u , Direktorin der Evelina de Rothschild-Mädchen, schule in Jerusalem, ist von ihrer Reise in Europa hier angelangt. Mit ihr sind vier neue Lehrerinnen, aus alljüdischen, vornehmen, deutschen Familien, welche in der genannten Schule Unterricht geben werden, angekommen. . .

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