Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-02-17 · Heft 13-14 (17.2.1904) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 13-14 (17.2.1904)
Date
1904-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450000--60096-2520951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

m daß er zum bischöflichen geistlichen Rathe ernannt worden ist. Posen, 16. Febr. Hiesige Blatter melden aus Südrußland Ausschreitungen gegen die Juden, die beschuldigt werden, das Volksgefühl herausgefordert zu haben durch die Behauptung, die Rache des Himmels für Kischinew sei gekommen. Ernstlich glaubt niemand an diese Provokation seitens der Juden. Der Zweck der geduldeten Ausschreitungen ist lediglich, wieder die Juden als Landesfeinde zu denunziren. Stuttgart, 14. Febr. Gestern waren es 25 Jahre, daß der Kaufmann Herr Julius S p i e g e l t h a l das verantwortungsvolle und arbeitsreiche Ehrenamt eines Gemeindevorstehers hier ununterbrochen bekleidet. Reichen Segen hat der Jubilar in dieser langen Zeit gestiftet. Der Nothleidenden, der Kranken, der Todten nahm er sich stets liebevoll an, selbstthätig Gemiluth chesed in reichstem Maße ausübend. Da war keine Taharoh, an der er sich nicht betheiligt, keine Lefajoh. an der er nicht theilgenommen hat, und ebenso kein Gottesdienst, in dem er fehlte, wenn nicht Krankheit ihn zurückhielt. Die Festrede in der feierlich beleuchteten Synagoge hielt Herr Rabbiner Dr. S t ößel. In geistvoll interessanter Weise sprach derselbe über die Machazishaschekel-Lehre, über kofer nefesch. das Jeder zu geben die Aufgabe habe, leitete dann geschickt auf den Jubilar über und zeigte, wie dieser in vielseitigem Wirken, als Gemeindevorsteher, als Vorstand des Asylvereins und der Chewrah Kadischa, sowie als Vorstandsmitglied vieler anderen Vereine seinen Machazis-Haschekel vollwichtig auf den Altar des Heiligthums niedergelegt hat etc. Diese Rede, fern von aller liebedienerischen Lobhudelei, machte einen tiefen Eindruck. Nach beendetem Gottesdienste wurden dem Jubilar in dessen Wohnung von dem Kirchenvorsteheramie und von den Deputationen verschiedener Wohtthätigkeitsvereine Adressen überreicht. Abends fand zu seiner Ehre im Restaurant Westheimer, dessen vorzügliche Küche volles Lob verdient, ein gemeinschaftliches Essen statt, wobei die Kgl. Jsr. Oberkirchenbebörde durch Herrn Dr. Stößel ihren Glückwunsch aussprechen ließ und noch manch' anderer Redner zu Worte gekommen war. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange zum Wohle der Gemeinde, der Jugend als Beispiel, Gutes zu wirken. Seligenstadt, 13. Febr. Der israelitische Verein „Harmonie" hielt am letzten Donnerstag Abend anläßlich der silbernen Hochzeitsfeier des Herrn Hermann Frank und dessen Ehefrau einen Familienabend im Saale des Gasthauses „Zum Riesen" ab. an dem nicht allein die ganze hiesige israelitische Gemeinde, sondern auch viele Freunde der Gefeierten Theil nahmen. Zu Beginn der schönen Feier begrüßte Herr Lehrer Hamb u r g e r die Erschienenen in einer herzlichen Ansprache in der Redner Herrn Frank für die umsichtige Thätigkeit als Präsident des Vereins, sowie der ganzen Familie dankte. Die schwungvolle Rede gipfelte in einem Hoch auf die Familie Frank. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte Herr Julius B a e r im Namen des Vereins dem gefeierten Präsidenten eine bronzene Statue mit dem Wunsche, daß Herrn Frank eine noch recht lange Thätigkeit im Verein beschieden sein möge. Mit Worten des Dankes nahm Herr Frank das hübsche Geschenk an. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Qffenbach hob die Verdienste des Herrn Frank als Präsident des Vereins und als Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde hervor. Stets den Frieden in der Gemeinde zu suchen und zu erhalten waren die vornehmsten Aufgaben, die sich der Jubilar mit Unterstützung seiner lieben Frau als Ziel steckte. Redner brachte außer seinen persönlichen Glückwünschen auch diejenigen des Rabbinats. Sichtlich bewegt dankte Herr Frank für die ihm und seiner Frau dargebrachten Ovationen mit dem Wunsche, daß der Verein „Harmonie" blühen und gedeihen möge. Die in der allerschönsten Weise verlaufene Feier war durchwürzt mit verschiedenen Musikstücken, Tischliedern und Couplets. Die Teilnehmer freuten sich allgemein über die vorzüglich arrangirte Veranstaltung, sowie der harmonischen Zusammenarbeit der Vereinsmitglieder und zollte man dem Vorstand des Vereins ungeteiltes Lob. Ungarn. Presrburg, 12. Febr. In der hiesigen öffentlichen Rabbinatsschule wurde eine sehr schöne Feier am 10. dss. Mts. abgehalten. Einer althergebrachten jüdischen Sitte gemäß wird die Beendigung des Studiums eines Talmud-Traktates festlich begangen, welche Feier unter dem Namen „Sijum" bekannt ist. Gelegentlich der Ernennung des ehrwürd. Herrn A. Schreiber (Sohn Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabb. B. Schreiber) zum Direktor-Stellvertreter der eingangs erwähnten Schule, wählte derselbe zum Gegenstände seines Vortrages und Studiums den Traktat Nedarim, welcher nach dreijährigem emsigen und eingehendem Studium beendet wurde. Welch' hohe Wichtigkeit diesem beizumessen ist. werden all' jene, die einen Begriff von Talmudstudium haben, zu würdigen wissen. Umso größer ist die Anerkennung, welche diesem jungen, dem orthodoxen Judenthume zur Zierde gereichenden Gelehrten gezollt werden muß. Bei dem Vortrage und Studium an der ersten, über den Gauen unseres theuren Vaterlandes berühmten Jeschiwah, woselbst sich erwachsene Talmudschüler schaaren. handelt es sich nicht um schablonenhaftes Studium, um das Durchstudieren oder Aneignen der Kenntnisse des einen Traktates, sondern eine nicht zu unterschätzende Wichtigkeit des Talmudstudiums ist die Art und Weise der Behandlung desselben. Die Anführung und das eingehende fach-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.