Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 13-14 (17.2.1904)
- Date
- 1904-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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muffen, sie können an dem klaren, reinen, lebendigen Quell sich laben, auch ohne eine andere, als ihre deutsche Muttersprache zu verstehen. Wir behalten uns vor, aus das treffliche Werk noch öfters zurückzukommen. Zeitungsnachrichten nnd Correspoudenzen. Deutschland. Berlin. (Professor Dr. Ed. Zeller.) Der berühmte Philosoph Zeller feierte jüngst seinen 90. Geburtstag. Ueber Nationalismus und Humanität äußert er sich: „Wir dürfen nie vergessen, daß unser Volk selbst nur ein dienendes Glied eines größeren Ganzen ist und daß auch sein Werth von der Geschichte und nach dem beurtheilt werden wird, was es der Menschheit leistet. Das Interesse der Nationalität lag nur zu oft mit dem der Humanität im Streite.Unsere Zeit und unser Volk hat die Aufgabe, mit anderen Vorurtheilen auch von diesem sich freizuhalten; und das Mittel dazu ist die Einsicht, daß die Pflichten gegen das eigene Volk und die Pflichten gegen die Menschheit nicht von einander zu trennen sind, daß die höchste Vollendung und die werthvollste Frucht eines tüchtigen Volkslebens die Humanität ist.* Ueber Religion sagte er u. A.: „Je höher eine Religion steht, je richtiger und würdiger ihre Vorstellungen von der Gottheit sind, um so mehr werden dir Reinheit des Lebens, die Rechtschaffenheit und die Menschenliebe, als die unerläßliche Betätigung der religiösen Gesinnung, als der wichtigste Theil der Gottesverehrung betrachtet werden. Wer die Religion als eine unmittelbare Offenbarung der Gottheit vom Himmel herabkommen läßt, der muß folgerichtig ihre erste.Gestalt für die einzig berechtigte halten.* Zeller ist der bedeutendste Philosoph der Gegenwart. Berlin, 16. Febr. (Zur Ernennung des Oberlandesgerichtsraths Dr. Som - m e r.) Es ist begreiflich, daß die Antisemiten über die Ernennung eines jüdischen Landgerichtsraths zum Oberlandesgerichtsrath Gift und Galle speien. Lang ist es her, daß AehnlicheS geschehen. Das Berliner Hauptantisemitenblatt schreibt: „Wir sind der Ansicht, daß ein Jude in Folge seiner Rasseneigenschaften, in Folge des Unterschiedes in religiöser und nationaler Hinsicht, sich nicht zum Richter, eignet, und daß dem so ist. geht ans der Abneigung und dem tief eingewurzelten Mißtrauen der weitesten Dolkskreise gegen die Bekenner der jüdischen Religion hervor. Die Rechtsprechung kann nur gedeihen, wenn sie vom Vertrauen des Volkes getragen wird; wenn die Bevölkerung zu den Trägern der Rechtsprechung kein Vertrauen mehr hat, so ist es mit der Rechtsprechung und damit auch mit dem geordneten Staatswesen vorbei.* Welche Kühnheit, welche Naivetat. wenn man bedenkt, daß der Verleger sowohl wie der Chefredakteur dieses Blattes im Gefängniß sitzen, weil sie das Vertrauen der Bevölkerung zu den auch nichtjüdischen Trägern der Rechtsprechung untergruben. Um es aber mit dem Jufiizminister Schönstedt nicht zu verderben, der sonst dem Blatte zusagt, prophezeit es ihm, daß er an dem neuen Oberlandesgerichtsrath „nicht ersticken werde,* und glaubt es annehmen zu dürfen, daß Dr. Sommer die jüdische Eigenart atgestreift hat — was sonst nach den antisemitischen Theorien die Juden nicht können, auch die getauften, selbst deren Sprößlinge nicht. Krotoschin, 9. Febr. Am Freitag. 6. d. Mts., verschied plötzlich und unerwartet bei der Ausübung seiner heil. Berufspflichten Herr Cantor B. Gelles in Krotoschin. woselbst der Verklärte zirka 20 Jahre zum Segen seiner Gemeinde gewirkt hat. Derselbe war ein gediegener Fachmann und bedeutender Talmudist. An der Bahre desselben brachte Herr Rabbiner Dr. Berger daselbst seine großen Fähigkeiten und sein tiefes Wissen vor der ganzen versammelten Gemeinde in zündenden und zu Herzen gehenden Worten zum Ausdruck. M. Abramowitz, Kantor, Ostrowo. AuS Franken, 11. Febr., wird geschrieben: Die Zeitschrift „Rivissa Penale di Dottrina, Legislazione e Giurisprudenza* in Rom. welche von Luigi Luchin' herausaegeben wird, und Universitätsprofefforen. sowie hohe Richter und Beamte in Italien nicht blos, sondern auch in Deutschland. Oesterreich-Ungarn, Frankreich etc. zu Mitarbeitern hat. enthält in ihrer Nummer vom Januar 1904 ein Urtheil über die „Nachträge zu der Schrift „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit von Dr. Frank, kalb. Pfarrer, ehemal. deutscher Reichstags- und bayerischer Landtagsabgeordneter* welches folgendermaßen lautet: „Der Verfasser hat in seiner vorausgehenden Schrill mit vieler Gelehrsamkeit und ebenso großem Eifer die gemeine Meinung bekämpft, welche den Israeliten die Uebung des „Ritualmördes* zuschreibt. Neue Thatsachen und Schriften haben ihn veranlaßt, den Gegenstand wieder aufzugreifen, um die Gegner zu widerlegen und bei seinem Nachweise zu beharren, daß diese Meinung grundlos ist.* Dieses Urtheil ist von besonderem Werthe und stimmt überein mit den Urtheilen, die auch von französischen und englischen Zeitschriften und Gelehrten über die genannten SLriften abgegeben wurden. Eine andere Anerkennung ist dem Pfarrer Dr. Frank für seine langjährige ersprießliche Wirksamkeit am Anfänge dieses Jahres dadurch zu Theil geworden.