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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 26)
Language
German
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274 elektrischen Funken beherrscht, von sozialen und nationalen Kämpfen bewegt, von Materialismus und Jndifferentismus durchsetzt, vom Geiste der Kritik und Verneinung durchweht, sticht gar sehr ab von dem ruhigen, familiären, mehr selbstzufriedenen Leben der Vorzeit, welche für Entwicklung, Pflege und Kräftigung des religiösen Sinnes ungleich vortheilhafter sich erwies. Weit entfernt also, die Verdienste heimgegangener Lehrer schmälern zu wollen, soll nur auf die veränderten Zeitverhältnisse hingewiesen werden. Auf sie Rücksicht zu nehmen, ist die schwere Kunst, tue zu üben dem modernen Lehrer zufällt; der Zeit gerecht zu werden, bleibt das Problem für die Unterrichtstechnik aller Geschlechter und Völker. Diese Akkomodationsfähigkeit ist Israels altüberliefertes Erbtheil. seine Stammeseigenthümlichkeit. die bei keinem mehr ausgeprägt sein möge, als bei dem jüdischen Lehrer. Er sei ein Lehrer seiner Religion, ein Lehrer seines Volkes, ein Lehrer seiner Zeit. Und dieser dreifache Gesichtspunkt läßt ihn. dem nichts Menschliches fremd bleiben darf, die rechten Wege suchen, auch unter den ungünstigsten, äußerlich und innerlich wenig zusagenden Verhältnissen das Gute zu erstreben, die Saat des Segens zu streuen, den Acker der Zukunft anzubauen. Vielleicht erweisen sich die in Folgendem gegebenen „methodischen Streifzüge" nicht ganz zwecklos. Gibt es doch auf diesem Gebiete nie einen Stillstand. Das Bessere ist stets ein Feind des Guten, und ein altjüdischer Spruch besagt schon: „Nimm die Wahrheit an. von wem auch immer, der sie sagen mag!" Meine „methodischen Streifzüge" möchte ich mit dem Pentateuchübersetzen einleiten. Wer heute im Schulleben steht, weiß recht gut. welche Fragen hier alle an uns herantreten. Sollten wir nicht dieses Buch der Bücher, die Grundlage unserer ganzen Religion, den wichtigen Vestandtheil unseres öffentlichen Gottesdienstes, das Heiligthum unserer gesammten Litteratur. sollten wir es nicht so früh als möglich den Kleinen überliefern? Sollten wir es ihnen nicht ganz. d. h. ungeschmälert darbieten? Oder sollte eine Auswahl getroffen sein? Welche Uebersetzung empfiehlt sich? Wie steht's mit der Sach- und Worterklärung? Sollen Knaben und Mädchen diesen Unterricht genießen? Diesen Kardinalfragen kann kein denkender Lehrer ausweichen. Jeder idealen Schwärmerei und nutzlosen Phrase abgeneigt, dürfte in Kürze folgendes Methodische Geltung haben: Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist leider nur eine Auswahl aus dem Pentateuch zu empfehlen. Diese Auswahl richtet sich nach dem Grundsätze der stofflichen Wichtigkeit und übersetzungstechnischen Leichtigkeit. In letzterer Hinsicht verdienen entschieden die erzählenden Theile den Vorzug. In ihnen führt ein leitender Faden, der aufbauend entwickelnde Gedanke der Erzählung den Schüler mechanisch weiter. Die sich oft wiederholenden gleichen Wörter und Worte helfen auf die Spur von selteneren und schwereren Vokabeln, die sich darunter eingestreut finden. Es ist überflüssig. so-che Wortarten, ja ganze Wortfügungen, die sich häufig wiederholten, hier anzuführen. Ein Jeder kennt sie aus der Praxis. Die erzählenden Theile im Pentateuch haben noch den Vortheil der Lebendigkeit für sich, der erzählenden Darstellung bringt der Schüler naturgemäß ein größeres Interesse entgegen, als den gesetzlichen Abhandlungen. Ferner sind die erzählenden Kapitel in den Text aller fünf Bücher eingestreut, ein Umstand, der erfreulicherweise Gelegenheit bietet, überall etwas zu nehmen. Die „biblische Geschichte" hat diesen Pensen zudem in hervorragendem Maße vorgearbeitet, gleichsam ein Fundament gelegt. Man wird also heutzutage mit den „Erzählungen" im Chumesch beginnen müssen, entgegen der früheren Gepflogenheit aus alter Zeit, wo man mit Leviticus anfing, da die „Reinen (d. i. die Kinder) sich zuerst mit-der Lehre der Reinen (d. i. der Opfer) beschäftigen sollen." Für die „gesetzlichen Theile" des Pentateuch kann methodisch behauptet werden: sie sind 1) nach dem geistigen Gesichtskreis des Kindes auszusuchen. So wird die.Paraschat Bikkurim sicher leichter fallen, als etwa Mischpotim oder Behar, Kedoschim und Sch'mini liegt inhaltlich dem Kinde näher als Mezoro. vieles in Ki-seze ist leichter faßbar als in Schoftim. 2) Berücksichtige das synagogale Bedürfniß. Demgemäß sind die Thoravorlesungen an den Feiertagen zu behandeln, damit das Kind mit Berständniß dem Gottesdienste dieser Tage folgen kann. Da diese Theile gleichzeitig viel Erzählendes bringen, ist's umso rathsamer, sie durchzunehmen. In gleicher Richtung bewegt sich die Ansicht, von den verschiedenen Wochen abschnitten je eine Parascha zu übersetzen, damit an keinem Sabbate im Jahre das Kind vollends unvorbereitet sei. Den Vorwurf des Lücken- und Sprunghaften kann man freilich hier leicht erheben. Allein der Mangel an Zeit und sonstige unerquickliche Berhältnisse, die wir Lehrer nicht selbst geschaffen, lassen solche Hilfsmittel erklärlich erscheinen. Besser doch etwas, als gar nichts, von zwei und mehreren Uebeln muß man verständigerweise stets das kleinere wählen. Die „gesetzlichen" Stellen erfordern eine bessere und oft auch schwerere Erläuterung. Beschränke dich auf den einfachsten Wortsinn! Ist dieser erfaßt, dann muß es genügen; die Zeitökonomie fordert gebieterisch. hier nicht „r. die Tiefe" dringen zu wollen, so gern man auch möchte und sollte. Es geht einfach nicht, man muß mit den gegebenen Thatsachen und Verhältnissen rechnen. Der einfache Wortsinn fei jedoch klar und sachlich genügend. Für die unterrichtliche Behandlung empfiehlt sich's sehr, zuerst den Text im Deutschen zu besprechen, den Sinn zu erschließen. Dies kann ja l ohnehin nur in unserer Muttersprache stattfinden. Ist ' der Sinn und Inhalt dem Kinde bekannt, dann

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