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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Ife? IMZMi, Ceutral-Orgall für das orthodoxe Judenthum. Akätter für die israet. Schule. u. F-br. 1904.1 PASWifchtz Dsiülgr NA Ks. M. l«» etßoLisrße Der Niedergang des religiösen Sinnes und Lebens, wie wir ihn täglich und stündlich in unserer nächsten Umgebung, in Familie und Gemeinde beobachten können, der Jndifferentismus gegen alles, was mit Religion und Glauben zusammenhängt, spornt den pflichteifrigen Lehrer umsomehr.an, seine besten Kräfte einzu?... setzen und — soviel es immer möglich — durch die Schule das zu bieten, was das Haus leider selbstvergeffen versäumt. Ein doppelt wachsames' Auge hat der religiöse Erzieher auf die Gebrechen der Zeit; wie ein Bileam auf des Berges Höhe niederschaut, um die Schwächen Israels zu entdecken, so sucht der Lehrer des Volkes nach dem „Schaden des Hauses", freilich in edler, wohlwollender Absicht: er möchte bessern, aufhelfen, Segen stiften und Glück bereiten! Hierzu gehört nicht nur ein hinreichendes Maß von Kenntnissen, nicht bloß ein ansehnliches theoretisches Wissen, sondern auch vor allem methodisches Geschick und ein praktischer Blick fürs Leben der Gegenwart. Wer nur mit Bücheru. Buchstabenweisheit auszukommen glaubt, der täuscht sich sehr, täuscht zunächst sich selbst und bringt sich um die Frucht arbeitsreicher Jahre und arbeitsfroher Stunden. Er bringt aber vor allem die Schüler um den gewünschten Erfolg, erzeugt Mißmuth anstatt Wohlgefallen an der Sache, Widerwillen für freudiges Streben. Wenn auch zugegeben werden muß, daß wie sonst so auch im Schulleben „die Verhältnisse den Menschen bestimmen," daß lokale und persönliche Momente überall wohl zu berücksichtigen sind, daß der Lehrer allerorts mit gegebenen Umständen zu rechnen hat, so fehlt es trotzdem nicht an allgemeinen Gesichtspunkten, die für jeden „etwas abgeben". Das Leben an sich, stets im Fluß begriffen, bringt ungesucht solche Momente mit sich, leitet von selbst an, die maßgebenden Faktoren in Betracht zu ziehen; denn das Leben ist — wie man sehr richtig sagt — eine Schule! Vielleicht dürfte es nicht ganz zwecklos erscheinen, hier einige methodische Winke zu geben aus dem Ge- ^ammtgebiete.des Religionsunterrichts, Her lebensvollen und lebendigen Praxis entnommen. Ausgangspunkt des Gedankens war die bedauerliche Wahrnehmung, daß immerhin noch die Zahl derjenigen Kollegen groß ist, die nach den vernünftigen und zweckmäßigen Anweisungen der Pädagogik nicht verfahren, vielmehr im altgewohnten Gange fortwursteln. Das handwerkS- Abhaspeln eines Unterrichtsgegenstandes sollte. aber nachgerade verschwunden, erloschen sein! Die lebendige und innige Durchdringung des Gegenstandes, das interessante Darbieten und Behandeln einer „methodischen Einheit" muß jene Unterrichtsweise mehr und mehr verdrängen. Wohl wissen wir, daß auch unsere. Alten Gutes und Erspießliches geleistet; ja noch mehr, wir sind ehrlich genug, ihnen nicht nur keine Steine nachzuwerfen, sondern voll und ganz die Palme hohen Verdienstes zuzuerkennen. Glücklich würden wir. Jungen uns schätzen, wenn wir hie und da eS auch erreichen könnten, die anvertraute Jugend soweit zu fördern, daß beispielsweise ein „Balboos" etwas „Rasch! lernt," oder bescheidene Anfänge in der Mischna macht. Das Geschlecht aus der Schule der Alten wies diese Erscheinungen doch öfters auf, die lebendigen Zeugen dieser erfreulichen Thatsache wandeln noch hie und da zerstreut unter uns, lichter und lichter wird jedoch ihre. Schaar und wehmüthig sehen wir sie scheiden. Wir stehen vor neuen Aufgaben, wir haben ein schweres - Erbe. Die Gegenwart, vom allmächtigen Dampfe und

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