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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Gerade Anthropologen von Weltruf führen den Beweis, daß die Mischlinge (Kreolen, Mestizen) überwiegend nicht die Vorzüge, sondern, die Laster beider Raffen erben. Das wäre dann erst recht von Uebel. Nein,. Herr Dr. Stratz! Der Haß gegen die Juden liegt tiefer, als Sie glauben. Er liegt nicht an der äußeren Erscheinung des sog. Normaljuden, sondern in den Grundanschauungen der Christen. Das in der gesellschaftliche Antisemitismus. Der politische Antisemitismus benützt ersteren als Mittel zum Zweck, um den schlummernden Fanatismus der Massen zu entfachen. Kriegsvorwand ist für ihn stets drohender oder, bereits eingetretener wirtschaftlicher Tiefstand, wie der Nationalsoziale von Gerlach gezeigt hat.- Die Waffen aber, mit denen er kämpft, sind alte und neue Lügen, und jene fluchwürdige Gepflogenheit. Fehler eines Einzelnen der Gesammtheit aufzuladen. Die Kulturaufgabe eines Volkes besteht auch nicht darin, in einem anderen oder in mehreren aufzugehen, sondern im Gegentheil, in der Entwicklung seiner eigenen Kräfte, in der Entfaltung seiner berechtigten Eigenthümlichkeiten. Alles Große in der Welt ist nicht aus einem Völkerbrei hervorgegangen, sondern aus dem Kampf größerer und kleinerer Interessengruppen. So ist. die Kulturaufgabe des jüdischen Volkes, seinen Anschauungen stets treu zu bleiben, und fußend auf dem heiligen Boden der Ueberlieferung, eng zusammengeschweißt, durch das Band der göttlichen Gesetze, in einem Kreis, der das Enge und das Weite, den Anfang und das Ende aller Dinge umfaßt, weiterzuleben, zum Segen für sich und die Völker der Erde: Zum Schluffe wollen wir, damit wir nicht nur kritisirt, sondern auch Ausblicke auf eine bessere Zukunft eröffnet zu haben scheinen, nochmals darauf verweisen, daß der Antisemitismus durch die steigende Kultur erlöschen wird, das jüdische Volk, besser gesagt, das Judenthum, für seinen Fortbestand nach Gottes Millen nicht zu fürchten hat, solange es sich das Recht wahrt und die Pflicht beobachtet, was Recht und Pflicht jeder Nation ist, sich selbst und seinem Gotte treu zu bleiben. - Treu seinem Gotte! Das muß die Losung sein, die als historische Nothwendigkeit in der Geschichte Js- - raels begründet ist. Gott hat Sein Volk auserwählt unter allen Nationen der Erde als Hüterin des Heiligthums, des monotheistischen Gedankens. Dafür muß es aber auch leiden. „Denn je vollkommener Jemand ist. umsomehr leidet er." Und Jesaias rust dem Volke Gottes halb tröstlich, halb schreckend zu: wta ^x tniv" ßn*»p o*: ym*y Vxir' vo •■jjp (rr v . *w>. (Fürchte dich nicht, du Wurm Jakob, du Häuflein Israel! Ich half dir stets, spricht der Ewige, und dein Erlöser ist der Heiligste Israels!) Das ewige Leiden Israels und die immerwährende Hilfe Gottes kommen hier in ergreifender Weise zum Ausdruck. Wurm Jakob! Zum Wurm hat die Tyrannei verflossener Jahrhunderte Israel gemacht; rm Stäub kroch es, weil es in den Staub getreten wurde. Man forderte von ihm die Kaltblütigkeit und Stummheit des Wurmes, der sich, lautlos zertreten lassen muß. Nur kriechend, nur in Windungen sich dahin" bewegend, kann er das geringste Ziel erreichen, wie spottend das Lager der Feinde ruft. Aber dieser Wurm lebt auch dann noch weiter, wenn man ihn in Stücke zerreißt. Er lebt weiter, unter tausend Schmerzen zwar, aber er lebt und wird leben, solange Gottes Sonne ihn mit ihren göttlichen Strahlen bescheint. Gott wacht über Israel; Er wird es nicht verlassen. Wir kommen zum Schluffe. Es freut uns, feflstellen zu können, daß Stratz, was ein Beweis seiner Intelligenz und edlen Gesinnung ist, im allgemeinen den Juden gerecht geworden ist. Allein es ist schmerzlich, eine derartige Ausnahme immer wieder rühmend hervorheken, und da als Wohlthat preisen zu müssen, was eine einfache Forderung der Gerechtigkeit ist. Wir bauen auf Gott und auf die Zukunft Hoffen wir, daß, die Worte, die Mommfen an Hermann Vehr schrieb, allmählich etwas von ihrer bitteren Schärfe verlieren, wenn der Boden dazu nicht mehr vorhanden ist: „Sie täuschen sich," sagt Mommsen, „wenn Sie glauben, daß man da überhaupt etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestirt, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst. Was ich Ihnen sagen konnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichen Instinkte.. Alles Andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem Rektor aller Deutschen (Ahlwardt) folgt. Der ist nicht mehr zu retten. Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz, ob es nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon (!) ist; das macht keinen Unterschied. Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille!" Soweit Mommsen; wie recht er hat, soll hier nicht weiter berührt werden. Aber wir dürfen trotz alledem und alledem hoffen, daß die Stimme edler Männer, die Recht und Gerechtigkeit für das jüdische Volk heißen, sich mehren und an Bedeutung und Einfluß gewinnen. Mögen die Zeitenlose fallen, wie sie fallen sollen! Gott wird Sein Volk nicht verlassen, wenn es Ihn nicht verläßt! Seine Güte und Liebe läßt ihm einst das Morgenroth glückseliger Zukunft strahlen.

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