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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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48. Jahrgang. ZWrite NLlksge z« Ja 12 drs Lsmskit.- Mas sind ^uden? Lll,Mgr°?HIstz--i»hiopolliLlstzr Mir «m Ut. T. fl. Mtz. Besprochen vo» Lazar. Schön stnä. xdil.—W ürzburg. (S^uß.) Die Hauptkulturaufgabe der Juden, zugleich ihre letzte, sieht er darin, daß sie sich mit den guten Elementen der umgebenden Völkern vereinigen. Darauf braucht man nur zu erwidern, daß es dem Judenthum nicht verziehen werden kann, dieser Kulturausgabe nicht früher nachgekommen zu sem^ Die Historie aber lehrt uns, daß, wenn im babylonifchenExil beispielsweise Juden dieses Rezept befolgt hatten, fich in den Babyloniern sofort und vollständig aufgelöst hatten, heute weder das Christenthum noch der Islam und mit ersterem, nach Straß, die moderne Kultur vorhanden waren. Im Gegentheil: die Kutturaufgabe des Judenthums besteht eben in seiner Exklusivität, in seinem starren, unveränderlichen Festhallen an den Geboten, die Gott nicht für Jahrhunderte, sondern für alle menschlichen Zeiten Seinem auserwählten Volke gegeben hat. Und nur die Beobachtung dieser Geboten hat das jüdische Volk in den Stand gesetzt, eine so wunderbare, weil gottgegebene Lebensenergie zum Heile der Welt zu entfalte». Als zum zweiten Male der Tempel zu Jerusalem zerstött wurde, wanderten die Juden aus über den ganzen Erdkreis. Schon damals hatten sie wiederholt Gelegenheit gehabt, sich mit den übrigen Völkern zu vermischen und spurlos in ihnen zu verschwinden! Daß es nicht geschehen ist, daß sie noch heute Kraft ihres Glaubens ein Volk bilden, liegt und lag nicht in menschlichem Belieben, sondern im göttlichen Rathschluß. Antisemitische Blätter schreiben oft. das Judenthum wirke im Körper der Volker als ein Fremdkörper, der Reizzustände Hervorrufe. Das ist gewiß der Fall, aber nicht in dem Sinne, den jene Blätter dem natürlichen Vorgang beilegen. In sich selbst ruhend, eine kompakte Masse, Erbe einer viettausendjährigen Kultur, hat die Judenheit die Kraft, an der Entwicklung der Menschheit in kultureller Beziehung tüchtigsten Antheil zu nehmen. Und wo sie selbst nicht aktiv auftritt, regt sie passiv an. Man denke nur an die Fülle großartiger Ideen und Gestalten, die die Weltlitteratur den Juden zu verdanken hat. Und so können die Juden auch weiter ihre hohe Kulturmission auch im Stratz'schen Sinne erfüllen, wenn sie ihre exzeptionelle Stellung beibehalten. Rur so können sie der Sauerteig der Völker bleiben. Der Vorschlag des Herrn Dr. Stratz würde also schon vom historischen Standpunkte aus zu verwerfen fein. Allein noch mehr! Er enthalt eine krasse Ungerechttgkeit und führt zum Gegentheil dessen, was beabsichtigt werden soll. Dr. Stratz will die Juden vor dem Untergänge retten, indem er sie vernichten will. Das ist die sonderbare Logik jener Leute, die einen Armen todtschlagen, damit er nicht verhungere. Wenn sich die Juden mit den übrigen Völkern vermischen, hören sie eben allmählich auf, Juden zu sein. Mit den Mischehen ist es, wie mit den Schwammen: die besten taugen nichts. Jede Mschehe bricht einen Stein aus dem Fundament der Religion. Religiöse Gleichgültigkeit aber ist nichts mehr und nichts weniger als der Anfang vom Ende. Das Rezept Dr. Stratz's ist aus jener modernen Weisheitsküche hervorgegangen, in der. Universitätsprofessoren Bazillen im Bazillus entdecken, Kathedersozialisten das Elend und die Roth des Volkes mit Programmpunkten füttern, Astronomen den Untergang der Welt verkünden und Anthropologen auf Jahr und Tag die Lebensdauer der Völker berechnen- . . Das Judenthum wird über den Vorschlag, der nur ein Zeichen der Zeit ist, zur Tagesordnung übergehen. Er ist für das Judenthum unannehmbar. Wir nähern uns dem Schlüsse. „Alle nicht gemischten Geschlechter sterben schließlich aus/ Das mag wohl wahr sein; ist ja auch der Erde kein ewiger Bestand zugesichert. Wenn man aber die wunderbare Thatsache sich vor Augen hält, daß das jüdische Volk nun schon über fünf Jahrtausende lebt, und immer wieder mit den andern Völkern Schritt hält oder sie überflügelt, und andererseits bedenkt, daß auch solche Nationen, wie die römische, die aus den heterogensten Elementen bestand und die verschiedenartigsten Stoffe in sich aufnahm, im Wirbel der Zeiten spurlos verwehten, dann wird obiger Satz viel von seiner bindenden Giltigkeit verlieren. Dr. Stratz befürchtet, bei den Juden möchten allmählich die Fehler die Vorzüge überwuchern. Das braucht man nicht anzunehmen. Schönheitsfehler verschwinden von selbst durch die Kultur, die bessere hygienische Verhältnisse schafft, wie durch die wirtßschaftliche Entwicklung, die bessere leibliche Auswahl zur Ehe gestattet. Zudem werden körperliche Unschönheiten des, sagen wtt männlichen Theiles, reichlich ausgewogen durch die im Lied gefeierte harmonische Bildung des anderen Theiles. Dr. Stratz sieht hierin etwas zu schwarz. Er hat auch Unrecht, wenn er anzunehmen scheint, daß die Vereinigung der jeweils besten Elemente dir Uebermenschen der kommenden Periode schaffen würde.

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