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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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259 verein Aachen 5000 M.; ferner die Synagogengemeinde in Köln ein Kapital von 40.000 M.. dessen Zinsen zur Anssteuer oder späteren Versorgung weiblicher Anverwandten des Erblassers verwandt werden sollen. Ein Viertel der Zinsen soll jährlich einem unbescholtenen, unbemittelten Mädchen der hiesigen Gemeinde als Heirathsgut bezw. als Altersversorgung zugewandt werden. Der verstorbene Menschenfreund, der zu seinen Lebzeiten den Anstalten unserer Gemeinde väterlich beigestanden. hat dauernd seinen Namen mit den von ihm geliebten Institutionen verknüpft. Heilbronn, 8. Febr. Bezugnehmend auf eine jüngst in Ihrem gesch. Blatte gebrachte Mittheilung, die Anfertigung von koscher Cichorien betreffend, ist auch von hier zu konsiatiren, daß in der Cichorienfabrik von Emil S e e l i g A.-G., in welcher Koscher- und Pesach-Cichorien für die Firma Strauß L Hirschberaer hier angefertigt werden, thierische Fette gar nicht und bei einzelnen Sorten, wobei die für Pesach ausgeschlossen, nur erlaubtes Speiseöl verwendet wird. Dessenungeachtet werden vor Anfertigung von Koscher- und Pesach-Cichorien, die überhaupt nur aus reinen Cichorien-Wurzeln. ohne jeden Beisatz, hergestellt werden, die zu benutzenden Maschinen unter strenger Aufsicht eines glaubwürdigen nuire gehörig gereinigt und ausgeglüht. Auch die Papierhülsen werden nicht mit Kleister, sondern mit erlaubtem Klebstoff angesertigt. Dieses Fabrikat kann daher bezüglich des Kaschrus ohne jegliches Bedenken genossen werden. Meisrcnfels, 8. Febr. Eine wichtige und für die Lehrer und Gemeinden interessante Entscheidung ist dieser Tage von der König!. Negierung zu Merseburg gefällt worden. Der Kultusbeamte hiesiger Gemeinde war vor vier Jahren vom Magistrate aufgefordert worden. der Jnvalidenkasse beizutreten und Marken einzukleben. Da aber in letzter Zeit manche Bedenken austraten mit Bezug auf den Vorbeterdienst, so wandte er sich zum Entscheid an die König!. Regierung zu Merseburg. Dieselbe entschied dahin, daß ein Kultusbeamter. der den Vorbeterdienst versieht, niemals versicherungspflichtig ist und daher auch keinen Anspruch auf Rente hat. Ferner wurde der betr. Beamte von der Fleischerei-Berufsgenossenschaft aufgefordert, der Haftpflicht-Versicherung beizutreten, da nach einer Entscheidung des Reichsgerichts die jüdischen Schächter verpflichtet sind, der Haftpflicht beizutreten, ebenso wie alle anderen Angestellten eines städt. Schlachthofes. Ungarn. Raab, 8. Febr. Im hohen Alter von 96 Jahren verstarb hier vor wenigen Wochen ein Mitglied unserer Gemeinde, Rabbi Aharon (3r otz, eine weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Persönlichkeit. Er war ein echter Jehudi, dessen große Frömmigkeit, dessen 1 r\xT anregend und aneifernd auch auf Andere wirkte, der seine Jüdischkeit nicht blos im Munde führte, sondern stets mit Hingebung bethätigte. Als in den 60er Jahren die orthodoxe Organisation in Ungarn genehmigt wurde, und die orthodoxen Elemente fast aller Gemeinden des LanKs sich separirten, da war in hiesiger Gemeinde der Verblichene einer der Ersten, die sich von der großen Gemeinde, die bereits verschiedene Neuerungen in Tempel und Gemeinde eingeführt hatte, los- .sagien. Mit großen materiellen Opfern gründeten die Ausgetretenen eine fromme Gemeinde, unter denen der Verstorbene eine führende Rolle spielte. Vor mehreren Jahren zog er sich sowohl vom geschäftlichen, als auch vom Gemeindeleben gänzlich zurück, die Mühen desselben jüngeren Kräften, seinen Söhnen überlassend. Seitdem beschäftigte er sich fast ausschließlich mit dem -nvH von prpr, dem er in seiner.Jugend mit Fleiß zu Füßen des großen Chacham Sofer obgelegen hatte. Die große legte beredtes Zeugniß von der allgemeinen Verehrung ab, die er im Leben genoß. Fast die ganze Gemeinde war anwesend und auch viele Mitglieder der neologen Gemeinde, Freunde und Bekannte waren aus der Fremde herbeigeeilt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. — Mit Rücksicht auf den mußte von der Abhaltung von Trauerreden Abstand genommen werden. Traun! rx:b men jta, England. London, 8. Febr. (Antisemitismus in Irland.) In der irländischen Stadt Limerick fanden dieser Tage antisemitische Unruhen statt. Ueberall auf den Straßen wurden Juden beschimpft ' und thätlich angegriffen, sämmtliche jüdischen Geschäfte sind boykottirt und unter der jüdischen Bevölkerung herrscht eine große Panik. Seit etwa 25 Jahren besteht in dieser Stadt eine kleine jüdische Gemeinde, der zumeist russische Juden, die hier eine Heimath gefunden haben, angehören. Zwischen Juden und Christen herrschten die besten und freundschaftlichsten Beziehungen, bis ein böser Engel in der Person des Pater Creagh auftrat, der jüngst in einer fanatischen Hetzrede die irische Bevölkerung gegen die Juden aufstachelte. Sofort nach der hetzerischen Rede brach der Sturm los. Beim Bischof ist Beschwerde erhoben worden, und so steht zu hoffen, daß es den vereinten Bemühungen der Gutgesinnten — glücklicherweise fehlt es in Irland nicht an solchen — gelingen wird, dem Sturm, den eine gotteslästerliche Agitation heraufbeschworen hat, vorzubeugen. Rußland. Petersburg. Dem getauften Juden hat der Senat wie die „Petersburgskija Wjedomosti? melden, eine moralische Ohrfeige versetzt. In den Pässen solcher neugebackener Christen wird immer der Vermerk, ^übertreten aus dem Judenthum* gemacht. Das wollten die

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