Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1904)
- Date
- 1904-02-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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254 S p r e ch s a a l. Frankfurt a. M., 6. Februar. Zu Ihrer Fußnote zu dem in Nr. 8 Ihres werthen Blattes wiedergegebenen Gedichte „Die Stufenleiter der Barmherzigkeit" habe ich zu bemerken: Es gibt bekanntlich zwei Arten “ran Tihva nämlich: uw» m und nu In der Stufenleiter, die der Rambam hier aufzählt, spricht er selbstredend nur von der e r st e r e n Art. Daß es noch weit verdienstvoller ist. ir» non teu zu sein, bedarf wohl keiner Begründung. Z. B. ist es nach dem t» sehr lobenswerth. wenn man sich für Arme bei Andern verwendet, also andere veranlaßt, npnst zu geben, was ja im Grunde genommen auch wi» nu zu nennen ist. Und gewiß ist die Liebe, die man Tobten erweist, über alles sonstige n*j erhaben. P. A. Feuilleton. DMahrheit und Wichtung. Von Friedrich Roit. 120 „Es wäre nicht nur nicht unmöglich, sondern es wäre ganz entschieden für sie von größtem Vortheil. Erinnerst Du Dich nicht mehr, was wir für Unannehmlichkeiten gehabt haben wegen Frieda's Eintritt in die..... schule?" „Freilich erinnere ich mich daran. Aber unsere Jungen werden gleich, nachdem sie die Volksschule absolvirt haben, in das Gymnasium eintreten. Da kann ihnen keine Schwierigkeit gemacht werden." „Wer weiß. — und wenn vielleicht nicht bei der Aufnahme, wer kann voraus wissen, wie es weiter geht. Wie oft werden nicht Judenkinder in der Schule gekränkt und beschimpft, einzig und allein, weil sie Juden sind. Und unsere Zwei sind gar stolz, die lassen sich nichts gefallen, wer weiß, wie das gehen wird." „Ach, das wird schon gut gehen." „Nein, sage nicht, es wird schon gut gehen, thue dazu, daß es gut geht." Er zuckte die Achseln. „Was soll ich thun?" „Höre mich an Leo, höre mich ruhig an und springe nicht gleich aus dem Häuschen, wenn ich auch einmal ein Wort sage, das Dir nicht gefällt. — So lange Deine guten Eltern gelebt haben, habe ich mit Rücksicht auf sie nicht mit Dir darüber sprechen wollen. — Aber oft und viel habe ich darüber nachgedacht, habe auch mit bedeutenden Schulmännern und Gelehrten darüber gesprochen. — Alle stimmen mit mir darin überein, daß es die Pflicht der Eltern ist. die Zukunft der Kinder nach Kräften zu ebenen, jedes Hinderniß, das ihrem Fortkommen in der Welt in den Weg treten könnte, möglichst zu beseitigen—“ „Also kurz und gut, sag' was Du möchtest." «Kurz und gut. ich möchte unsere Kinder taufen lassen, dann wäre ihre Zukunft möglichst geebnet." „Das kann man auch noch nicht gerade behaupten." „Doch, doch, das kann man behaupten. Alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, stimmen darin uberein." „Na, vorläufig eilt die Geschichte noch nicht, unsere Knaben sind noch nicht einmal in die Volksschule eingetreten—" „Eben deßhalb eilt es. bevor sie in die Schule eintreten muß es geschehen, damit sie von den Mitschülern von vorn herein als ebenbürtig anerkannt werden." „Ach. Unsinn, was wird's ihnen schaden, wenn sie auch einmal gehänselt werden. Wie oft bin ich nicht beschimpft worden." „Da siehst Du's. Und das möchtest Du Deinen Kindern nicht ersparen?" Er zuckte die Achseln. . „Was wird's ihnen schaden?" „Das kann man im Vorhinein gar nicht wissen." „Was hat's mir geschadet?" „Ja, Du — das ist ganz was anderes. Du bist nicht so überaus zart besaitet, und ob. es mit Deinem Ehrgefühl gar so weit her ist?" — „Aurelie!" rief er lachend, „wenn mir das ein Anderer sagen würde —‘" „Verzeih', ich wollte Dich nicht beleidigen —" „Hast's auch nicht gethan," fuhr er lachend fort. „Das ist zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus gegangen." Sie stimmte nicht ein in sein Lachen, blieb vielmehr ernst. „Ich könnte Dir mit dem alten Sprichwort antworten: wer schnell gibt, gibt doppelt, und könnte hinzufügen: das Gute, was man thun will, soll man baldmöglichst thun; ich ziehe es jedoch vor. Dir klaren Wein einzuschenken." „Ich habe nicht gewußt, daß Du mir solchen vorenthalten hast, da es aber der FaU gewesen zu sein scheint, so bitte ich darum. Also—" „Also, wie gesagt, ich habe diese Angelegenheit oft und eingehend in Erwägung gezogen. Obgleich ich gewünscht hätte, inlmer und immer auf gleichem Standpunkt mit Dir zu verharren, habe ich*mich in dieser Beziehung doch keinen Illusionen hingegeben, habe vielmehr. ohne je mit Dir darüber gesprochen zu haben, vorausgesehen, daß Du Dich, schwerlich entschließen würdest. Dir Dein Judenthum,, abwaschen zu lassen." I „Daß Du gescheidt bist." sagte er lächelnd, „daran i habe ich nie gezweifeli."