Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1904)
- Date
- 1904-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2449999--60063-2520917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
261 einzelne Falle günstigen Einfluß haben sollen, dann kommt er doch nur den betreffenden Individuen zu Gute. Abgesehen von diesen wohlgemeinten Ausführungen des Herrn Dr. Straß, will er die Juden mit einem Danaergeschenk beglücken, das ihn mit seinen eigenen Behauptungen in Widerspruch bringt. Er schlägt als Radikalmittel den Juden vor, sich mit den sie umgebenden Völkern zu vermischen, in ihnen aufzugehen. Damit will er die Judenheit vor dem allen nicht gemischten Geschlechtern drohenden Untergange retten. Nach einem ehrlichen Loblied auf die hohe Kulturmission der Juden schreibt er: „So weit stch nach menschlicher Berechnung die Zukunft Vorhersagen läßt, und soweit wir auf Grund von Beobachtungen aus der Gegenwart zu weiteren Schlüssen berechtigt sind, können wir sagen, daß die Juden ihre Aufgabe als Hauptkulturtrager der weißen Rasse erst dann erfüllt haben werden, wenn eine vollständige Mischung ihrer besten Elemente mit den besten Elementen der übrigen Stämme der weißen Rasse stattgefunden hat, wenn eine neue Rasse aus der Vermischung hervorgegangen ist, die durch die Anhäufung und Vereinigung der guten Eigenschaften beider im Kampf um's Dasein durch allmähliche Elimination der minderwerthigen Elemente den endgültigen Sieg errungen hat." „Daß ohne diese Mischung auch die Juden, wie jeder Stamm, dem langsamen, aber sicheren Untergang geweiht sind, ist leicht ersichtlich." „Alle nicht gemischten Geschlechter sterben schließlich aus." Herr Dr. Stratz begeht hier eine bemerkenswerthe Inkonsequenz, die seine übrigen Bemerkungen ihrem Werthe nach deklassiren. (Schluß folgt in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzerr. Deutschland. Berlin, 9. Febr. In Ermangelung eines Originalleitartikels hat in der vergangenen Woche das Hamburger israelitische Familienblatt das Philippsohn'sche Elaborat, das dieser an alle Redaktionen versandte, an erster Stelle zum Abdruck gebracht. Das hat leider bei unseren Feinden schon seine Früchte getragen. Sie geben sich den Anschein, als sei die Sache ernst zu nehmen und im Einverständniß aller Juden geschehen. So bemerkt die Staatsbürgerzeitung: „Dieser Zusammenschluß der Juden zeigt am besten, wie wenig sie geneigt sind, in ihren Wirthsvölkern aufzugehen. Sie fühlen sich als Staat im Staate und denken nicht daran, sich den Gesammtinteressen unterzuordnen. Sie »vollen alle Rechte der Gleichberechtigung, aber nicht die Pflichten auf sich nehmen und sie drängen damit die Deutschen in den Stand der Abwehr." Die „Post" schreibt: Dieser jüdische Sonderbund, welcher sich die Vertretung der Interessen des Judenthums in Deutschland zum Ziele steckt, scheint noch eine Verstärkung des auf verschiedenen Gebieten schon geradezu ausschlaggebenden jüdischen Einflusses in Deutschland anzustreben. Wenn die Juden durch solche Gründungen immer deutlicher zeigen, daß sie eine Sondergemeinschaft im deutschen Volke bilden, so sollte das deutsche Volk daraus die nöthigen Konsequenzen ziehen und auf Maßnahmen bedacht sein, welche einer Ueberhandnahme der Macht des JudenthumS Vorbeugen." . Der „Reichsbote" beschließt seinen Abdruck aus dem Hamburger Blatte mit nachstehender Bemerkung: „Wenn der Zusammenschluß die Pflege der jüdischen Religion innerhalb des Judenhums im Auge hätte, so wäre das verständlich; aber davon ist nicht die Rede, sondern er will die Interessen und Rechte der Juden vertreten; die religiösen Interessen tastet aber niemand an, also kann er nur die bürgerlichen Interessen im Auge haben. Hier aber kommt das Judenthum nicht als Religion, sondern als Nation mit nationalen Eigenthümlichkeiten in Betracht. Es ist zu fürchten, daß durch diesen Verband des Judenthums der Gegensatz des Deutschthums gegen das Judenthum noch verschärft wird, so daß durch den Verband das Gegentheil von dem erreicht wird, was er will." Aehnlich äußern sich einige andere Blätter gleichen Kalibers. Wenn das Hamburger israelitische Familienblatt, ähnlich wie andere jüdische Blätter, die Sache nur nebenbei erwähnt und damit gezeigt hätte, daß das Ganze nicht ernst zu nehmen und nur von einigen wenigen Herren der Reform-Partei ausgeht, da hätte man keine Handhabe gegen uns daraus bilden können. Aber wie heißt doch das Sprichwort: Gott schütze uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden wollen wir uns schon selber helfen. Berlin, 7. Febr. In der gestrigen Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des „Hilfsverein der deutschen Juden" wurde ein Betrag von 10,000 Kronen jährlich bewilligt für die Erziehung jüdischer Knaben, welche m Galizien die Baron Hirsch-Schulen absolvirt haben und in West-Oesterreich ein Handwerk erlernen werden. Ferner wurde dem Verein „Lemaan Zion" zum Kauf und Betrieb von Maschinen für künstliches Eis in Jerusalem eine Subvention von 600 Mark gewährt. Dagegen wurde der Antrag der „Jüd. Orient- Gesellschaft" auf Bewilligung einer Subvention für. Versuche in Cypern abgesehnt und ebenso emige Anträge wegen Sübventionirung der Herausgabe wissenschaftlicher Werke.