Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1904)
- Date
- 1904-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Ungarn. Lipta*Szt.*MikloS. (Det Kampf um eine Erbschaf 1.) Vor sechs Jahren starb Hierselbst der reiche Private Samuel Herz. Bei Gelegen- ' heit der Jnventarisirung des Nachlasses wurde außer einigen alten Kleidern nichts gefunden. . Der Präsident ' der israelitischen Gemeinde schenkte die alten Kleider dem Gemeindediener, der eines Tages in einem alten Kleidungsstücke eingenäht ein Packet Wertpapiere im Werthe von 500,000 Kronen fand und diese Papiere sofort dem Präsidenten der Gemeinde übergab. Laut dem Testamente entfielen ein Drittel dieses Betrages auf die israelitische Gemeinde, zwei Drittel auf den heiligen Verein Chevra Kadischa. Die erstere sollte von dem Gelde eine Schule errichten, die Chevra Kadischa aber wäre verpflichtet, die Armen zu unterstützen. Die Seitenverwandten des Verstorbenen halten wohl dieses Testament angefochten, doch ohne Erfolg. Im vorigen Jahre kamen die Gemeinde und die Chevra Kadischa dahin überein, daß die gesammte Verlassenschaft auf .'die Errichtung eines staatlich subventionirten israelitischen Gymnasiums verwendet werde. Der Kultusminister verweigerte jedoch die staatliche Subvention mit Hinweis darauf, daß das Gymnasium die Bürgerschule schädigen würde. In neuester Zeit ist wieder ein heftiger Konflikt zwischen der Gemeinde und dem heiligen Verein entstanden. Die Gemeinde möchte um jeden Preis eine Schule erbauen, während die Chevra Kadischa die Armen unterstützen will. Der Präsident der Gemeinde ließ — während die Anhänger der Gegenpartei sich entfernten — durch seine Getreuen die Errichtung einer Schule um den Preis von 80.000 Kronen - aus dem Herz'schen Nachlasse votieren. Die Gegenpartei bereitet deßhalb eine heftige Gegenaktion gegen den Präsidenten der Gemeinde vor. Tolaj, 3. Febr. Der im vorigen Jahre Hingeschiedene Herr Leopold Schiffer, der ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde war. bedachte. in seinem Testamente mehrere hiesige Wohlthätigkeits- Anstalte« und die Armen des heiligen Landes mit namhaften Summen, und traf auch die letztwillige Verfügung. daß aus seinem Nachlasse eine Sefer Thora angeschafft und der hiesigen Gemeinde zum Geschenk gemacht werde. Die zurückgebliebene, ob ihres edlen Charakters hier in hohem Ansehen stehende Fr. Wittwe ' Schiffer beeilte sich, den letzten Wunsch ihres sel. Gatten Folge zu leisten, und am vergangenen mv nur fand bereits die Einweihung der neuen Sefer Thora statt, welche sich zu einer glanzvollen Feier gestaltete. In Anwesenheit der Schifser'schen Familie hat man das Sefer vom Hause des Herrn Oberraübiners mit Gesang in. die Synagoge getragen. Unser hochw. Herr Oberrabbiner. Akiba Straßer. hob in seiner Weiherede die großen Verdienste des sel. Spenders um die hiesige Gemeinde hervor und erläuterte in geistvoller Weise die hohe Bedeutung der itd rovc nae an der Hand mehrerer Schrift- und Midraschstellen. Hierauf wurde aus dem neuen Sefer die wöchentliche Sidra vorgekesea und sämmtliche Mitglieder der Familie Schiffer zur Thora gerufen. Jakob Glück, Talmudist. 'Argentinien. Buenos AircS. (Israelitischer Arbeiterverein.) Auch hier, in der Hauptstadt Argentiniens. hat sich ein israelitischer Arbeiterverein gegründet, und hielt der Rabbiner Dr. Hoffmann in demselben am vergangenen 2. September 1903 den angekündigten Vortrag über die Rechte und Pflichten der Leistungsveräußerer und Leistungserwerber nach den nationalsozialistischen Grundsätzen des Mosaismus. In dem circa zweistündigen Vortrag führte der Redner u. a. aus. daß dem mosaischen Arbeiterstatut nur ein Produzent bekannt sei, der seine Leistungen einem Produktenhandler verkaufe, nur müsse der Produktenmarkt gesetzlich feste Preise haben. Der Sozialismus habe nicht die Aufgabe, gesunde Existenzen zu vernichten, sondern neue reale Existenzen zu schaffen. Die Sozialisten dürften keinen blinden Kanipf um das individuelle Dasein führen, sondern sie müßten die Gemeinwohlfahrt fördern. Der Vortrag war von circa 800 Personen besucht. Feuilleton. ung. Von Friedrich Statt» „o „Du hast ihr schon gekündigt?" „Na ja. freilich, jetzt hätte ihre Anwesenheit in unserem Hause doch keinen Sinn mehr." Grünwald wechselte die Farbe. „Ich hätte doch gewünscht, wenigstens im Trauerjahre alles beim Alten zu lassen. — Mir zu Liebe. Aurelie, nimm die Kündigung zurück." „Nein, Leo. das kannst Du nicht von mir verlangen, was zu viel ist, ist zu viel." „Wenn ich Dich bitte — Aurelie! Mir zu Liebe!" Sie schüttelte den Kopf. „Ich dächte, es wäre genug, was ich elf Jahre lang Dir zu Liebe gethan habe, llnd überdies, die Differenz des Budgets für einen gewöhnlichen Haushalt und einem koscheren ist keineswegs so gering, wle Du zu glauben scheinst —" . „Die Kosten — das ist meine Sache."