Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1904)
- Date
- 1904-02-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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leur der SLdd. Tagesp.) ist einmal acht Tage lang hintereinander konfiszirt worden, darunter dreimal an einem einzigen Tag und dabei eine Nummer, auf der überhaupt nichts stand. Die Konfiskation der Osterriederschen Postkarte war überflüffig; übrigens wendet in solchen Fällen der Staatsanwalt seine Aufmerksamkeit nur den Beleidigungen gegen die Juden zu. In Würzburg hat er sich in einem Fall im „öffentlichen Interesse"' um einen Inden angenommen; wenn einem Geistlichen einer christlichen Konfession eine Beleidigung zugefügt wird, dann ist es natürlich eine Sache, die der Betreffende auf dem Civilwege ausfechten kann. — In einem Fall wurde ich, als ich die Angabe des Namens meines Einsenders verweigerte, zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt; kurz darauf vorgeladen und gefragt, ob ich mich eines Besseren besonnen hätte, verweigerte ich die Namensangabe wieder und wurde zu 90 M. und wegen einer drittmaligen Weigerung in gleicher Sache zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt. Es ist oft doch nur Neugierde vom Staatsanwalt, zu erfahren, wer der Verfasser des Artikels ist. In unseren Strafanstalten, von denen i ch eine Reihe absolvirt habe, wird mit den Redakteuren nicht in bester Weise umge- 'gangen. Am schlechtesten bin ich in Würzburg 1886 nach der Königskatastrophe behandelt worden. Ich wurde damals krank und erhielt auf Wunsch nicht einmal ein Glas Milch, während neben mir Sträflinge der gemeinsten Sorte Bier, Tabak u. s. w. erhielten. Ich weiß nicht, ob es noch so ist, daß Zuchthäusler besser wie Redakteure im Gefängniß behandelt werden. (Zuruf: „Probiren! Redner: „Ich habe keine Lust mehr dazu!") Was die Rechtsanwälte anlangt, so ist ihr Stand zum Gewerbestand geworden; sie nehmen, was sie haben können. Es gibt viele „Escales", beschnittene und unbeschnittene. Die Notariate sind auch Geldinstitute geworden, wo der Wucherjude vor dem kleinen Manne eine bevorzugte Rolle spielt." Wer hätte in den 70er Jahren geglaubt, daß im bayer. Parlamente solche Vorkommnisse möglich seien? Wie und wann soll das enden? Oesterreich. Wien. (Die Krisis im Zionismus.) Anläßlich der Anwesenheit der Charkower Deputation sprach ein Mitglied derselben, Dr. Rosenbaum aus Minsk, im akademischen Verein „Leo Pinsker" in Wien über den Charakter der Opposition. Er sagte: „Es ist durchaus kein Grund zur Vesorgniß vorhanden. Wir beabsichtigen in Charkow keineswegs, an unserer Organisation zu rütteln, sondern vielmehr sie zu stärken. Leider erwies sich unsere Organisation als schwach, da die Zionisten die Entstellungen der Blätter über die Konferenz glaubten und sich gegen uns, ihre Führer, aufbringen ließen. Falsch ist die Meinung, als ob in Charkow die Mehrheit eine loyale Minderheit vergewaltigt habe. Vielmehr wurden bis auf eine Bankfrage alle Beschlüsse einhellig gefaßt. Was wurde * also in Charkow beschlossen? Von Herzl zu verlaugen: 1) Daß in wichtigen Dingen, besonders wenn größere Geldsummen verlangt werden, vorerst das große A.-C. befragt werde, ferner daß es hierbei einen Monat vor dem Zusammentritt genügend informirt werde. Dazu sind ja auf dem Kongreß die Mitglieder des große» A.-C. gewählt, die zumal in Rußland als Rayonvorsteher die Volksstimmung besser kennen, als das kleine A.-C. in Wien. Wenn dieses regelmäßig über das Wichtigste entscheidet, hört der Zionismus auf, Volksbewegung zu sein. 2) Das Bankstatut soll noch vor Absendung der Expedition nach Ostafrika gemäß de» Versprechungen an die Aktionäre am 3. Kongreß verbessert werden, ferner sollen in der Bank bezahlte Gouvernors, darunter ein Russe, sitzen. Bezüglich des Statuts hatte uns die Aeußerung (Greensbergs) beunruhigt, man solle auch Bankgelder für Außerpalästina verwenden. Die Gouvernors als Vertrauensleute Herzl's, des Aufsichtsraths - Präsidenten, sind zur Ermöglichung einer Kontrolle ohne Zeitverlust nöthig. Der russische Gouvernor speziell diene zur Erhöhung des Vertrauens in den russischen Massen. 3) Von Außerpalästina sei endgültig abzusehen und die Jnnenkolonisation Palästinas im Sinne des zweite» Kongresses und gemäß den Vorschlägen Uffischkins (Jndustrialisirung, Organisation, wirthschaftlicher Selbsthilfe. Gründung von Elementarschulen, Lehrerseminarien, eventl. einer Hochschule) aufzunehmen. Daß Uganda fallen werde, wußten wir schon, doch wollten wir uns vor dem Ugandismus schützen. Palästina ist ein wesentlicher Bestandtheil des Baseler Programms. Auch unter den Mitteln zur Erreichung des Endzieles steht nichts von Nachtasylen etc. Die geographischen Forschungsreisen kosten zionistisches Geld. Die Expedition wollten wir trotzdem nicht hindern, sondern nur, falls sie unnöthig geworden, das Odium auf uns nehmen. Ussischkins Vorschläge sind ebenso legal und diskutabel, als jene Oppenheimers. Wahr ist. daß die Deputation beauftragt war, falls Herzl unsere Vorschläge ablehne, ihm diese ln schriftlicher Form als Ultimatum zu überreichen, und ihm zur besseren Dokumentirung einen schriftlichen Bescheid abzuverlangen. Das Ultimatum hatte den Sinn, daß die Deputation im Ablehnungsfälle die anderen russischen Rayonsvorsieher telegraphisch zu einer neue» Konferenz cinberufen sollte. Wir sind also energisch, aber nicht illegal vorgegangen. Herzl hat mich erst' privat empfangen und heute waren wir in der Sitzung des kleinen A.-C., dessen Beschlüsse vorläufig geheim bleiben." Aus Petersburg wird hierzu von einem Correspondenten geschrieben: Ich hatte mit einem Mikgliede der Charkower Konferenz eine Unterredung, der