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Der Israelit · 1904-02-04 · Heft 10 (4.2.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 10 (4.2.1904)
Date
1904-02-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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mir Folgendes über die Wiener Reise mittheilte: Es waren nur zwei Mitglieder in Wien (Rosenbaum und Bielkowsky), Tomkin-Odessa war verhindert. Herzl weigerte sich, sie als Deputation zu empfangen. Es wurde daher der Ausweg getroffen, daß eine Sitzung des Kl. A.-C. einberufen wurde, an der sie als Gäste laut Statut theilnahmen. Herzl verlangte aber ausdrücklich die Protokollirung des Umstandes, daß sie als Gäste und nicht als Deputation anwesend seien. Um ihren Angriffen zuvorzukommen, behandelte er sie als Ankläger. Er verlangte von ihnen Rechenschaft über angebliche Aeußerungen, die ihm hinterbracht wurden. In Folge dessen war eine gedeihliche Auseinandersetzung unmöglich. Man beschloß daher als Ausweg eine Sitzung des Großen Aktions-Komitees einzuberufen, um die Differenzen zu schlichten. Die Aussichten sind aber nicht die günstigsten. Nunmehr fand eine neuerliche Konferenz der Opposition statt. Ihre Beschlüsse werden geheim gehalten. Im März findet die Sitzung des Gr. Aktionskomitee's statt. Rußland. Petersburg. Das Gerücht von der bevorstehenden Verabschiedung des russischen Polizeiministers Plehwe, das kürzlich im Umlauf war, hatte eine thatsächliche Unterlage. In gut unterrichteten Petersburger Kreisen wird erzählt, daß Plehwe am 17. Dezember sein Entlassungsgesuch emgrreicht hatte, dem indessen vom Kaiser keine Folge gegeben worden ist. Den unmittelbaren Anlaß zu dem Schritte Plehwe's hatte eine Sitzung des Ministerkomitees gegeben, in der alle Mitglieder gegen Plehwe Stellung genommen hatten wegen eines Entwurfes des Ministers des Innern in Bezug auf die Einberufung von Prövinzial- Komitees zur Berathung der geplanten Verwaltungsreformen. Als Plewhe sich in dem Ministerrath überstimmt sah. begab er sich zum Kaiser. Ob ihm der Kaiser in der Sache selbst Recht gegeben hat oder nicht, ist nicht bekannt geworden, jedenfalls hat er das Entlassungsaesuch nicht angenommen und die Stellung Plehwe's ist dadurck leider nur gestärkt worden. Er hat sich daraufhin sofort mit verschärfter Energie gegen seine Widersacher in Finnland und im Innern Rußlands gewandt, deren Zahl und Kampfesstimmung in der letzten Zeit stark gestiegen waren. Der Kischinewer Prozeß, dessen Enthüllungen trotz der Ausschließung der Oeffentlichkeit vielen bekannt geworden sind, hat auch die trägsten Gewissen aufgerüttelt. Selbst streng konservative Männer sind empört über das Vorgehen der Verwaltungsbehörden in Kischinew. Als der Rechtsanwalt Karabtschewski. der in Petersburg wie in ganz Rußland hoch angesehen ist, aus Kischinew zurückgekommen war, wurde er von mehreren hochstehenden Persönlichkeiten aufgefordert, ihnen einen Vortrag über den Prozeß zu hakten. Karabtschewski sagte zu,z und es wurde eine private Zusammenkunft im Hause eines Mitgliedes des Regierenden Senates anberaumt. Als Plehwe davon Kenntniß erhielt, ließ er Herrn Karabtschewski durch einen Beamten nach dem Ministerium bringen, wo ihm. von dem Direktor des Polizeidepartements Lapuchin erklärt wurde, er wurde sofort nach dem Gouvernement Archangelsk; verbannt werden, wenn er seinen Vortrag nicht absage. Dabei zeigte ihm Lapuchin die entsprechende bereits ausgefertigte Verfügung, der nur noch die Unterschrift des Ministers fehlte. Karabtschewski mußte sich fugen. Ebenso wurde ein Vortrag verhindert, den Rechtsanwalt Grnsenberg vor der Petersburger Anwaltkammrr über den Kischinewer Prozeß halten sollte. In diesem Falle war der Justizminister eingeschritten. Andere Rechtsanwälte sind wegen ihrer Betheiligung an der Aufdeckung der Kischinewer Vorkommnisse direkt gemaßregelt worden;, so ist dem Rechtsanwalt Kalmanowitsch die Ausübung seines Berufes auf die Dauer von zwei Jahren verboten worden und der Rechtsanwalt Sokolow ist sogar verhaftet worden; er wird wohl in die Verbannung geschickt werden. Ueberdies werden nun auch Zeugen gematzregelt, die bloßfiellende Aussagen gemacht haben. Besonders bezeichnend hierfür ist das Schicksal des Herrn Gurjew, Wirklichen Staatsraths und Verwalters der Kirchendomänen in Beffärabien, der vor dem Gerichte unter seinem Eide auSsagte, daß das Verhalten der Juden während der Exzesse tadellos war, daß er ihnen auch hinsichtlich'ihrer wirtschaftlichen Thätigkeit keinen Vorwurf machen könnte, den nicht jede andere Bevölkerungsklasse in gleichem Maße verdiente, daß dagegen das Verhallen der Polizei ein wahrer Hohn auf Gesetz und Ordnung gewesen sei. Dafür ist Herr Gurjew nach Petersburg berufen, und dort zur Einreichung seines Entlaffungsgesuches aufgefordert worden. Gurjew weigert sich indessen. dieser Aufforderung Folge zu leisten, indem er erklärte, daß er unter seinem Eide andere Aussagen nicht habe machen können, und stellte es dem Ministerium anheim, ihn vor ein Disziplinargericht zu stellen. Das wird wohl nicht geschehen, vielmehr wird Gurjew wohl „auf allerhöchsten Befehl" verabschiedet werden. Es ist klar, daß unter solchem Regime das Loos der russischen Juden sich bis zur Unerträglichkeit verschlechtern muß. Sollte in Rußland wirklich das Sprichwort zu Schanden werden, daß gestrenge Herren nicht lange regieren? ßtiircafl de» GiStctuttfaffed krtzeamatlSmuS. 21 Hais, und GaOenlc&en :c. ist schon längst bekannt. nur iniiB e3 garantiert Natursatt und ohne Alcohol und Zuckerzusatz sein. Chemischer. oder von kristallisierter Citronensäure aufgelöster oder stark mit Alcobol versetzter Citronensaft ist zur Kur unbrauchbar, wenn nicht gar schädlich. Die Cirma Helurlch Trültzkch, DrrNn Ti.. 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