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Der Israelit · 1904-02-04 · Heft 10 (4.2.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 10 (4.2.1904)
Date
1904-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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203 eiferte, daß Juden das Schulzenamt übertragen wurde, in Pommern herrsche darüber 'große Aufregung, da erwiderte der Minister des Innern Graf von Schwerin: . „Ich will nicht in Abrede stellen, daß unter der ländlichen Bevölkerung der Provinz Pommern sowie wchrerer anderer Provinzen vielleicht noch eine Abneigung gegen die Juden herrschen mag — wenn dem also wirklich so Ware, sage ich, so glaube ich doch, daß es ziemlich leicht wäre, dem entgegen zu treten. Ich glaube, es würde die Pflicht derjenigen sein, die sich dazu berufen fühlen, die Führer der Bauern sein zu wollen, die Bauern davon zu überzeugen, daß diese Antipathien nicht mehr vereinbar sind mit denjenigen Rechtszuständen, welche jetzt in Preußen gelten. Ich habe die Ueberzeugung. daß das nicht schwer sein wird. Ein Gefühl in ihrer Brust lebt, das ihnen über Sympathie und Antipathie geht, und dies ist das Rechtsgefühl. Es ist meiner Ueberzeugung nach die Aufgabe derer, welche sich zu Leitern der Bauern aufwerfen, daß sie in der Brust des Bauern es zum lebendigen Bewußtsein bringen, daß in Preußen nicht mehr nach Sympathie und Antipathie regiert wird, sondern daß in Preußen die Grundsätze des Rechts, des Gesetzes und der Verfassung gelten. Ich meine daher, daß diejenigen ihre Aufgabe nicht erfüllen, die dahin wirken, die vorhandenen Antipathien, die sich ja so leicht aus unserer Vergangenheit erklären, zu nähren und zu pflegen, wohl aber daß diejenigen ihre Aufgabe erkennen, die darauf hinwirken, daß diese Antipathien auch aus denjenigen Schichten der Bevölkerung schwinden, wo man Recht und Gesetz noch nicht so genau kennt, wo aber gewiß ebenso lebendig das Gefühl herrscht, daß man nach dem Recht urtheilen muß und nach nichts anderem in Preußens So sprach ein preußischer Minister vor jetzt 44 Jahren, lange bevor die Rechtsgleichheit reichsgesetzlich gewährleistet war. Was aber von den Schulzen gilt, gilt auch von den Notaren, den Assessoren, den Richtern auf allen, Rangstufen; es gilt nicht minder von der Staatsanwaltschaft, von der die Juden in Preußen vollständig ausgeschlossen sind. Niemals seit der Reaktionszeit der fünfziger Jahre sind die Juden als Juristen derart zurückgesetzt worden wie unter dem Justizminister Schönstedt, niemals ist die Notbwendigkeit dieser Zurücksetzung so offen amtlich behauptet worden. Aber freilich, hat nicht Herr Schönstedt jetzt den Beweis erbracht, daß er zu einer anderen Praxis übergeht? Hat er nicht einen Juden zum Oberlandesgerichtsrath ernannt? Wir wissen nicht, ob Herr Schönstedt sich von der Unrichtigkeit seiner bisherigen Anschauungen überzeugt hat; wir wissen nicht, ob er amtsmüde ist und ob die Beförderung des Herrn Sommer seinen eigenen Rücktritt ankündigt. Aber das wissen wir, daß Dr. Sommer auf dem Easseler Gymnasium der Schulfreund des Prinzen Wilhelm war und vom heutigen Kaiser immer noch mit Freundschaftsbeweisen beehrt wird. Also noch einmal, bis auf Weiteres ist es die Ausnahme, die die Regel bestätigt. ZetturrsSrrachriHten und Correfpondeuzett. Deutsch!« n d. .!•' v Eydtkuhnen, 31. Jan. Am vorigen Sonntag/ den 24. Jan., wurde hier ein Kreisverein des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig gegründet. Als erster Vertrauensmann dieses Vereins wurde Herr Deklarant Heyne (i. Hause Hch. Jung), als zweiter Herr Hermann S e g a l l (im Hause Louis Loewenstein), beide von hier, gewählt. An der nach den Vor- ' trägen der Herren Gärtner und Schneider in Königsberg folgenden Diskussion der zwei Redner der hier bereits bestehenden Ortsgruppe des Deutsch-' nationalen Handlungsgehilfen-Vereins zu Hamburg, mit bekannt antisemitischer Tendenz, betheiligten sich die ■ beiden Vortragenden, Herr Hermann Segall, sowie - meine Wenigkeit. Die Versuche der Gegenpartei — nach gewohntem Muster — sich vom Vorwurf des Antisemitismus, der in dem berühmten Paragraph 2 der Hamburger Satzungen: >,Juden und sich in einem bewußten Gegensätze zum Deutschthum befindende Angehörige anderer Nationen können keinerlei Mitglieds« rechte erwerben." seine beredte Sprache spricht, reinzuwaschen, wurden von den beiden Vortragenden, sowie Herrn Hm. Segall und mir mit so sachgemäßen Repliken zurückgeschlagen, daß an diesen Waffen die Wurfgeschosse der für's Deutschthum in gehässiger ~ Weise kämpfenden beiden Vertreter des Deutsch-Nationalen Vereins abprallen mußten. Sagte doch in einer ihrer letzten Nummern die „Deutsche Handelswacht", das Verbands-Organ des Vereins Deutsch-Nationaler ' Handlungsgehilfen" zu Hamburg: „Nicht alle Wucht- / rer sind Inden, aber fast ein j e d e r Jude ist ein Wucherer!" und außerdem der Abgeordnete von Gerlach in der Reichstagssitzung vom 22. Jan,:' „Die Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfen in Hamburg * tanzen auf antisemitischen Eierschalen." Nach einer... Notiz der „Kaufmännischen Rundschau" hat sogar irn r August 1902 der Gesangverein der Deutsch -Nationalen Handlungsgehilfen in Hamburg auf einer Festlichkeit . beim Grafen Pückler mitgewirkt. Trotzdem ich.es den Deutsch-Nationalen in Wort und Schrift (durch die /. hiesige „Grenz-Zeitung") sagte, wollten sie es absolut nicht zugebcn. Diese Herren schämen sich sogar ihrer Firma, denn. , in einem von dem Deutsch-Nationalen Verein hier veranstalteten Kommers zu Kaisers Geburtstag nannte sich derselbe: „Verein junger Kauf- ' leute." Ein solcher Verein existirt hier aber gar nicht.

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