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Der Israelit · 1904-02-04 · Heft 10 (4.2.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 10 (4.2.1904)
Date
1904-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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204 Das Traurigste daher -— .... dieser Deutsch- * Nationalen Verbandsmitglieder bei der hiesigen jüdischen. alten, geachteten S. i^tions-Firma Schidorsky & Schereschewsky noch bis zum Heutigen Tage in Stellung sind und es nicht unter ihrer Wurde halten, in dieser „Wucher"-(?) Existenz zu verharren. Leider hat auch die Redaktion der hier sehr stark verbreiteten, in Stallupönen erscheinenden „Ostdeutschen Grenzbolen" — sicher ohne Wissen des mir seit Jahren bekannten, sehr tolerant . denkenden Verlegers dieses Blattes — bei dem Referate üebr den hiesigen Kreisverein des Leipziger Handlüngs-Gehilfen-Verbandes sich als Sprachrohr der Deutsch-Rationalen Hamburger Ortsgruppe hier verwenden zu lassen, und natürlich hierdurch in unserem liberalen Grenzorte sehr großes Mißfallen erregt. Eduard Segall. .Straßburg: In der Straßburger „Post" wird das nachstehende Schreiben eines Rabbiners veröffentlicht, das ein grelles Licht auf gewisse Strömungen im reichsländischen isr. Konsistorium wirft. Das Schreiben lautet: „Vor etwa drei Jahren hatten sich die Rabbiner Elsaß-Lothringens mit einer Eingabe an die israelit. Konsistorien gewandt, betreffs Einführung einer Kirchensteuer zwecks Aufbesserung der Gehälter der Rabbiner. Zwar warten dieselben heute noch auf eine schriftliche Antwort, aber man hörte leider doch so allmählich durch, wie wenig Sinn und Interesse die-Konsistorien für die ungünstige Lage der Rabbiner hätten. Eine Kirchensteuer wurde nicht eingeführt, wobei verschiedene Motive geltend gemacht wurden. Rach der Ansicht eines Mitgliedes des Konsistoriums sei eine solche unnöthig, da.die Katholiken bis jetzt noch keine Kirchensteuer haben. Ein anderes Mitglied sprach sich überhaupt gegen eine Aufbesserung der Rabbiner aus, da ja die Briefträger auch kein größeres Gehalt bezögen (!). und nur den Mitgliedern des lothringischen Konsistoriums muß man es zum Lobe anrechnen, daß sie für die Einführung einer Kirchensteuer eintraten. Jedoch ihr Wunsch drang nicht durch. Und so ist die ungünstige.Lage der Rabbiner immer dieselbe geblieben, obwohl es . eine Leichtigkeit gewesen wäre, gerade in Elsaß-Lothringen, die Kirchensteuer einzuführen. Sehen wir doch, wie z. B. im Großherzogthum Baden sich diese Kirchensteuer so vorzüglich bewährt hat! Und da es sich doch nur um eine ganz unbedeutende Summe handelt, die durch die Kirchensteueraufzubringen wäre — es kämen etwa 80 Pfg. auf den Kopf — so Hütten sicherlich die.Jsraeliten Elsaß-Lothringens, welche sonst stets bereit gewesen sind, zu zahlen, wenn es sich um Hebung des Eultus handelt, auch diese kleine Steuer ohne größeren Widerspruch auf sich genommen. Wir sehen uns daher genöthigt, da wir an den Konsistorien nicht die nöthige Unterstützung finden, uns in die Oeffentlichkeit zu flüchten, um durch die Presse die Aufmerksamkeit auf unsere schlechte Lage zu lenken. Die Gehälter der Rabbiner sind thatsächlich so gering, daß sie nicht genügen, um auch nur in bescheidenster Weise anständig und standesgemäß leben zu können. Vielleicht wird uns dann, wenn die Konsistorien nicht den guten Willen zeigen und eine Aufbesserung der Gehälter der Rabbiner in die Wege leiten wollen, von einer anderen Seite ein Retter in der Roth erstehen!" Es ist tief bedauerlich, daß die Rabbiner als letztes Mittel zu dieser Flucht in die Oeffentlichkeit greifen müssen, die wahrlich nicht dazu geeignet ist, in den Reihen der andersgläubigen Bevölkerung die Achtung vor unseren Kultuszuständen zu erhöhen. Rosheim (Unter-Els.). 2. Febr. Ein langst gehegter Wunsch, ein-Lieblingsgedanke unseres Rabbiners, Herrn Dr. Goldstein, einen auf der Basis des traditionellen Judenthums beruhenden jüdischen Litteraturverein in der hiesigen Gemeinde zu gründen, erfreut sich nun, Dank der Anregung seitens des Herrn Weil, Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, besonders aber durch, die energische Initiative des Herrn Mayer Blum, Fabrikant hier, dem die hiesige Gemeinde auch eine siin "eroc zn verdanken hat. seiner Verwirklichung. Verflossenen v2V mr beraumte Herr Meyer Fabrikant Blum. Präsident des neu gegründeten jüdischen Litteraturvereins, unter vorhergegangener Einlad, rng an unseren Rabbiner, sowie an den Rabbiner von Oberehnheim, die erste Generalversammlung an. die von einer befriedigenden Anzahl Mitgliedern, u. a. von Herrn Solomon Blum, der hiesigen Gemeinde, besucht war. Unter dem üblichem Willkommengruß eröffnete Herr Meyer Blum die Versammlung und ertheilte das Wort unserem Rabbiner. Herrn Dr. Goldstein. Dieser übertrug es seinem jüngeren Collegen, Herrn Rabbiner Dr. Bloch- Oberehnheim. Nach einer kurzen Einkeilung, welche auf den Entwurf des Programms des neu gegründeten jüdischen Litteraturvereins Bezug hatte, hielt Herr Dr. Bloch einen Vortrag über die Sekten im Judenthum. Nach Beendigung dieses des allseitigen Beifalls sich erfreuenden Vortrags, ergriff Herr Dr. G o l d st e i n das Wort, einerseits behufs Erweiterung des Prograu,ms im oben erwähnten Sinne, andererseits behufs einer kurzen, sachlichen Kritik bezüglich der Ausführung des Vorredners. daS Kuratorium betreffend. Zum Schluß dankte der Bereinspräsident den beiden Rednern für ihre aktive Betheiligung an dem ersten Vereinsabende mit dem Wunsche, daß dieser erste Vereinsabend den Grundstein zur Befestigung und zum. Gedeihen des neu in's Leben gerufenen jüdischen Litteraturvereins bilden möge. Ebelsbach, 1. Febr. (Ehrung.) Am letzten Samstag wurde in ehrender Weise das 25-jährige Amtsjubiläum des verdienstvollen Vorstehers der hiesigen Synagogengemeinde. des Herrn Benny Bettmann, dessen klangvoller Name weit über das Weich-

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