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Der Israelit · 1904-02-01 · Heft 9 (1.2.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 9 (1.2.1904)
Date
1904-02-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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191 Zahlung „Der Präsident", rührende Einblicke in die stille Tragik des ostasiatischen Judenthums gewährt „Moschko von Parma." Der feinsinnige Geist des Dichters kam auch in seiner kritischen und litterarisch sichtenden Thätigkeit zur Erscheinung. Franzos hatte erst Jurisprudenz studirt, war dann aber Schriftsteller geworden und leitete ein großes illustrirtes Blatt in Wien mit vielem Geschick. Vor zwanzig Jahren nahm er seinen Wohnsitz in Berlin. Hier begründete er die Zeitschrift „Deutsche Dichtung", deren großer litterarischer Werth nicht nach ihrem kleinen Leserkreise zu bemessen war. Die Produktionskrast des Dichters wurde in Berlin schwächer, aber Franzos stand im Berliner- Leben, er war. wie einst Auerbach, immer da zu sehen, wo es ein Fest des Geistes gab. Im Alter von 66 Jahren ist der geistesfrohe Mann dahingegangen. Die Nachwelt wird seiner anerkennend gedenken. Er war kein Dichter voll promotheischen Feuers, aber die wohlthuende Wärme seiner stark« Innerlichkeit und der sittliche Muth, mit dem er bestrebt war. den Landsleuten. die arm im Geist und gedruckt im Leben waren, das Licht der Kultur zu ersiAießen. wird sein Andenken im Reiche des Geistes festen. Berlin, 29. Jan. Am Sonntag, den 3. d. Mts., fand im Bureau des „D.-J. G.-B." eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes und des Wohlfahrtsausschusses des Vereins „Jüdische Arbeiterkolonie" statt. Aus dem Berichte über das letzte Halbjahr ist zu entnehmen, daß das Institut in erfreulicher Weise seinen Aufgaben gerecht wird. In Folge der Einführung neuer Beschäftigungszweige war es möglich, die Frequenz auf die Zahl 80 zu erhöhen. Der Zudrang Arbeitssuchender ist aber so groß, daß das Curatorium sich entschlossen hat, sofort die Vorbereitung zur Aufnahme von zehn weiteren Insassen zu treffen. Wiewohl sich die Anstalt bei den höchsten Staatsbehörden, die ihr kürzlich die Rechte einer milden Stiftung verliehen haben, wie auch beim jüdischen Publikum schätzbarer Sympathie erfreut, so hat doch die zu Rausch-Haschono veranstaltete Propaganda nur ein durstiges Ergebnitz gehabt: der Etat des Instituts ist durch feste Jahresbeiträge längst nicht gedeckt. Eine besonders eingesetzte Propagandakommission wird sich bemühen, von Gemeindebehörden. Vereinen und Privaten die erforderlichen festen Beiträge zu beschaffen. Eine Vergrößerung der Einnahme wird auch von der Begründung von Jahrzeitstistungen erwartet. Der Gesundheitszustand in der Anstalt ist ein günstiger. Geistige Anregung wird de» Insassen durch eine aus sechs Herren bestehende Vortragskommission geboten. Für die Zuwendung von Kleidungsstücken und Naturalien wäre der Vorstand sehr dankbar. Man bittet, derartige Geschenke droekt an die Anstalt Weitzensee. Worthstr. 20 zu richte», Geldsendungen aber zu adressiren „An den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, Berlin W., Steglitzerstr. 85." . / Schweidnitz, 23. Jan. Die Leiche des Rabbiner Blumenfeld wurde am Freitag unter überaus zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft aller Stände" zur letzten Ruhe bestattet. In dem Leichenzuge befanden sich Vertreter der städtischen Behörden, der Geistlichkeit aller Konfessionen, der Lehrerkollegien der städtischen Volks- und höheren Schulen, der Vereine, welchen der Verstorbene angehört hatte; wahrlich ein. beredtes Zeugnitz von der Anhänglichkeit und Verehrung. deren sich der Verblichene hier erfreute. Die. Trauerrede hielt Prediger Karlsberg aus Reichenbach' an Stelle des aus Breslau hier eingetroffenen Ober- Rabbiner Dr. G u t t m a n n, der, wie gemeldet, bei der Ankunft auf Bahnhof Oberstadt leider das Unglück hatte, einen Fuß zu brechen. Karlsruhe, 29. Jan. Der selige Rabbi Samuel Straus dahier hat durch seine gegen Alle bethätigte' Liebe und Milde sich sehr viele Freunde auch außerhalb der Religionsgesellschaft erworben, wodurch cs ihm möglich war. viele zur Tugend und zum religiösen Leben heranzuziehcn prw nw o’m. Es liegt daher gewiß im Sinne des *Hjun und zu dessen Ruhme, anzusühren, daß bei der Bestattungsfeier auch noch andere.^ als die in Nr. 8 dieser Blätter mit bevorzugten Stellungen angegebenen Herren, wie die Herren Dr. Appel und Dr. Bergmann. Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Geheime Rcgierungsrath Dr. Mayer und andere Mitglieder des Großherzoalichen Oberraths, sowie Mitglieder des Svnagogenratbes anwesend waren. Der Vorsitzende des Epsteinvereins (für kranke Lehrer, Lehrervikaren und Waisen), Herr Direktor D r i e s e n. begleitet von den übrigen Vorstandsmitgliedern, die von Nah und Fern herbeigeeilt waren, sprach ebenfalls Worte des Dankes und der Anerkennung für die mühevolle, uneigennützige Thätigkeit des sel. Herrn Straus, die er als Vorstandsmitglied und Kassirer des Vereins stets, an den Tag gelegt hatte. Mannheim. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sprach am 21. dss. Mts. Herr Rabbiner Dr. Jacob- Göttingen über Schillers „Sendung Moses". Der Redner gab zunächst einen Üeber-k blick über den Inhalt der Abhandlung, über welche, im Gegensatz zu den meisten kleineren Schriften des Dichters, noch keine Monographie erschienen ist, und unterzog dann die Hypothesen Schillers einer eingehenden Kritik. Die Fehler, die Schiller bei seinen Ausführungen unterlaufen sind, und die auf den. Mangel an philosophischer und geschichtlicher Erkenntniß U* ruhen, sind größtentheils Jrrthümer seiner Zeit, jener Epoche der Aufklarungsphilosophie, die in Frankreich zu dem Gleichheitsprinzip, in Deutschland zu dem Humanitätsideal und zur Vernunftreligion führte und

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