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Der Israelit · 1904-02-01 · Heft 9 (1.2.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 9 (1.2.1904)
Date
1904-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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und Menschenkraft, sondern durch Pflichttreue und Gehorsam gegen das Gottesgesetz — durch Menschenliebe und Menschlichkeit dahinschwinde p->c* "ar das Andenken Amaleks. ZeittMySyachriHte« rwd CorrefpoKdenzerr. Deutschland. Berlin. Dem Jahresbericht des „Vereins für Stellenvermittelung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit. Schomre Schabbos," (Bureau: Große Hamburger-Straße 13—14) entnehmen wir: Die allmählige Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse machte sich in dem verflossenen Berichtsjahre auch in unserem Vereine bemerkbar. Es wurden bei uns mehr Stellen, als im Vorjahr, gemeldet und konnten wir auch eine entsprechend, größere Anzahl besetzen.' Dennoch fühlen wir von Jahr zu Jahr immer mehr, daß wir unter unseren Glaubensgenossen weit mehr als bisher Unterstützung. Mitarbeit und Anerkennung finden müßten, um noch ganz andere Erfolge aufweisen zu können. Aber bei den allermeisten wird nicht bloß der Sabbat als ein verlorener Bestandtheil des Judenthums betrachtet, sondern die Verzweiflung geht in dieser Beziehung sogar soweit, daß selbst un^ sere Thätigkeit als eine überflüssige angesehen wird, und deßhalb fließt uns weder materielle, noch ideelle Hülfe in dem Maße zu, wie wir sie dringend brauchen. Das muß anders werden! Der Sabbat ist noch in viel zahlreicheren Fällen, als im Allgemeinen angenommen wird, das unerschütterte und unvergleichliche Heiligthum in den Häusern Israels. Aber von der jüngeren Generation wird Mancher schwankend, wenn ihm nickt in dem Augenblick, wo er in das Leben hinaustritt, entsprechende Hülfe und Nachweis zu Theil wird. Dies ist der Kernpunkt unserer Thätigkeit. Wir könnten noch Vielen mehr den Sabbat erhalten, würden unsere Glaubensgenossen sich eingehender mit unseren Ideen und Bestrebungen beschäftigen. Mögen wir im kommenden Jahre bei diesen mehr Verlländniß für unsere Arbeiten finden, und möge Jeder, der den Sabbat erhalten wissen will, unserem Verein beitreten... Wir plazirtcn im Jahre 1803 109 Personen und zwar: . 38 männliche. 21 weibliche Bewerber,; hiervon entfielen: 100 Stellungen auf Berlin und 9 auf auswärts. . Wenn wir die Beköstigung und das Logis mit Mk. o0 annehmen, so beträgt das Durchschnittsgehalt der vermittelten Stellungen (abgesehen von 10 Lehrlingsstellen) Mk. 927.00 pro anno. Es gelang uns, 4 Bewerber in am Sabbat geöffneten Geschäften unterzubringen, wo sie am Sabbat von der Arbeit Lefrett sind. — Es waren gegen Stellenlosigkeit 12 Mitglieder mit einem Versicherung kapital von Mk. 8700, und jährlichen Policcnbeitragen von Mk. 105 versichert. Von diesen trat einer im Laufe des Jahres aus. während 2 neue hiuzukamen. Berlin, 29. Jan. Gestern Abend ist der bekannte Schriftsteller Karl Emil Franzos seinem Leiden erlegen. Mit Franzos ist eine bedeutende und bedeutsame Gestalt in der Entwickelung der deutschen Erzählungspoesie dahingegangen. Als Realist, der Zustände und Menschen mit dem Blick des Kulturforschers be- ' obachtete und sie mit künstlerischer Kraft zu novellistischer Form gestaltete, ist er ein Vorgänger des Naturalismus von heute gewesen, ohne in dessen Fehler zu verfallen. Die gute alte Schule der novellistischen Menschendarstellung kennzeichnet sich in ihm dadurch, daß er seine Materie durchgeistigt, daß er nicht Sklave des Stoffes wird, sondern ihn in jedem Augenblick beherrscht und so einen stilisirten Realismus gibt. Die belebende und erwärmende Kraft, die aus Franzos' besten Erzählungen in die Seelen strömt, wurzelt in einem starken Heimathsgefühl. Man kann bei seinen Geschichten aus Galizien und Podolien mit vollem Recht von einer erfreulichen „Heimathkunst" sprechen. Als Sohn eines jüdischen Arztes im podolischen Walde geboren, in der kleinen galizischen Stadt Czortkow erzogen, auf dem Gymnasium von Czernowitz in der Bukowina zur Universität vorgebildet, — so wurzelte des Dichters Jugend in einem Stiefkindlandstrich der europäischen Kultur, welcher der Schauplatz der Schilderungen ist, die Franzos berühmt machten. „Aus Halbasien, Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina, Südrußland und Rumänien," so hieß das erste Buch von Karl Emil Franzos, das vor 28 Jahren beispielloses Aufsehen erregte und in fast alle europäischen Sprachen übersetzt wurde. In diesem „Halbasien" und den darauf folgenden Novellenbänden „Die Juden von Tarnow" und „Vom Don zur Donau" hat Franzos das Stärkste, Eigenartigste gegeben, was seinem Schaffen eine ausgeprägte litterarische Physiognomie verlieh. Die Forderungen, welche er mit hohem sittlichen Ernst für die Kultur seiner Glaubensbrüder in Halbasien stellte, wuchsen weit über das Gebiet des Dichterischen hinaus. Franzos hat die Kulturfrage fiir den israelitischen Osten ähnlich wachgerufen, wie Dickens durch seine Romane die Besserung empörender englischer Zustände bewirkt. Klug und überlegend, wie Franzos al§ Schriftsteller und Mensch stets gewesen, hat er sich über das Gebiet, das er aus eigener Anschauung kannte, nicht hinausgewagt. Seine späteren Novellen und Romane wurzeln fast alle im Gegensatz der jüdischen und christlichen Kulturanschauung. So der bedeutendste seiner Romane „Judith Trachtenberg". .Einen Kampf um's Recht schildert ergreifend die Er-

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