Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-02-01 · Heft 9 (1.2.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 9 (1.2.1904)
Date
1904-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2449996--59998-2520849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

45. Jahrgang. Das Andenken Amaleks. von K. Anfänger—M emmelSdorf. Das Volk des Herrn war ausgezogen zur Freiheit. Göttliche Allmacht hatte die Sklavenketten gebrochen, hatte den sich selbst vergötternden ägyptischen Machthabern ihre menschliche Armseligkeit und Ohnmacht gezeigt. Fort und fort hatte der Ewige, den Pharao „nicht kennen" wollte, Wunder gewirkt; Er hatte den mtt Sprachfehlern behafteten Moses zum beredten Führer seines Volkes gemacht. Er hatte diesem Volke „einen Weg durchs M«r, durch reißende Fluthen einen Pfad gebahnt," Er hatte ihm bitteres Wasser süß und trinkbar, den Fels zum Wafferquell. die öde Wüste zum gedeckten Tische gemacht; Er hatte dadurch klar und deutlich gezeigt und bewiesen, daß Fortbestand und Erfolge des jüdischen Volkes nicht nach menschlichen Anschauungen zu bcurtheilen, nicht mit menschlichen Kräften zu verhindern seien, daß ein Kampf gegen die durch das Judenthum verkörperten Ideen zugleich ein Kampf gegen die Gottesidee selbst sei. - Und doch, da die meisten Völker zitterten und zagten, trat Amalek auf den Kampfplatz; ohne Ursache, ohne jede Veranlassung zog er heran zu Kampf und Streit, zu Krieg und Vernichtung bereit, und zwang Israel im Interesse der Selbsterhaltung zur Vertheidigung mit dem ungewohnten Schwerte. Und welch' merkwürdiges Bild zeigt uns dieser Kampf! Nicht sehen wir den erprobten Führer an der Spitze seiner Krieger, seinen Jünger Josua läßt er die Schlacht schlagen, er selbst aber steht auf hoher Hügelkuppe, die Hände flehend zum Himmelszelte emporhebend; sollte man da nicht meinen, das Heer müßte muthlos werden und damit schon der Ausgang entschieden sein? Im Gegentheil! Moses hochgehobene Hände mahnten das ganze Volk zu innigem Aufblick nach oben, zu festem und unerschütterlichen Gottvertrauen, und so lange Israel in dieser Weise nach „oben" schauet, wird und muß es siegen. Da der Abend sich neigte, war Amalek geschlagen, geschwächt mit der Scharfe des Schwertes, und zur ewigen Erinnerung wurde der Ausspruch des Herrn niedergeschrieben, daß das „Andenken Amaleks" völlig ausgelöscht werden solle unter dem Himmel. Zwei Lebensanschauungen, zwei Prinzipien tr.eten uns in diesem Kampfe mit Amalek entgegen: Glaube und Unglaube, Gottvertrauen und Eigendünkel, Altar . und Schwert. Das höchste Ziel, das jüdische Lebensanschäuung nach göttlichen Ideen und auf göttlicher Grundlage sich steckt, ist ist der Friede, Friede mit der Welt. Friede mit Gott, Friede in und mit sich selbst. Das aber entspricht nicht den Anschauungen.' eines Amalek. In der „männermordenden Feldschlächt", nur ist ihm wohl und feindlich tritt er denen entgegen^ die das „Schwert" für entbehrlich zu halten Hägen/./ die nicht auch den Schlachtenruhm als höchsten Rühm/- den Krieg als Selbstzweck anerkennen wollen,, die M Niedlichen Wettstreit der Menschen, im friedlichen/Rrvgen nach steigender Veredlung und Besserung/, nach//der höchsten Stufe edler Menschlichkeit und Goitahnttchkeit die Siegespalme erobern wollen. Der . .Wensch /.äber wird zum Produkt der ihn umgebenden.und/hesiimmenden Verhältnisse. Nicht die Menschen an sich/sind verderbt und böse; Erziehung, Umgang TrädiÜhnen machen sie zu dem, ' was sie sind. Söll darüsh die wahre Gotteserkenntniß allüberall auf Erden, sich., verbreiten, soll wahre Menschengröße sich eben.in der. freien Unterordnung unter das Gottesgesetz zeigen uno bethätigen, so muß das Andenken Amaleks, muß/die in und durch Amalek verkörperte Idee menschlicher, Eigengewalt und Selbstherrlichkeit schwinden. . Nicht Amalek will das Heer tilgen,*) das Andenken/..,das Prinzip Amaleks. dieses fortwirkende, zersetzende Ferment mutz ausgelöscht sein. Wie leicht fiele es/dem Wellenherrn, dies Völklein hinwegzufegen. von / der Erde, da er doch eben erst die mächtigen Aegypier. hatte untergehen lassen. Nein, selbst soll die Menschheit, sich durchringen zur Selbstheiligung, vom Amalekschcherte zum Jsraelsaltare "W own pwi sv .o'rryrs, Ion» o j'K, nicht die Sünder, die Sünden sollen schwinden von der Erde, und von selbst gibt es dann/keine Wse- Wichte mehr. .; . Indem aber so gezeigt wird, welch' hohes und heil. Ziel der jüdischen Mission auf Erden gesteckt'ist. bilden diese Schlutzverse des Abschnittes nVa zugleich: den herrlichsten Uebergang zum Abschnitte m, in welchem Gott Seinem Volke Sein schönstes, heiligstes Gngbengeschenk, seine Thora zu Theil werden läßt, aüf^.daß durch deren Befolgung und Verbreitung das Gegengewicht gegeben sei gegen das „Andenken Amaleks". Vor der Gesetzgebung zeigt also schon Gott das Endziel, das anzustreben ist und durch die Gotteslehre. erreicht werden soll. . .; - :v „ Und so verstehen wir es auch, warum.ider'scheidende Führer seinem Volke vor dessen Einzugfn's:Aerheißene Land (5. B. M., 25,19) nochmals die Unhaltbarkett amalekitischer Ideen vorführt und/es -mahnt, in seinem Theil, als Volksganzes, Mitzuhelfen, und darauf hinzuwirken, daß nicht durch Heeresmacht .Der Befehl GottÜ aü König Saul. Amalekgän» &ii vernichten. steht nnt dieser..Ansicht in Widerspruch. Deo.unter.dem Namen ..Dubner Magaid" bekannte Rabbi Jacob' auSDubno. bringt mit Bezug auf diesen Widerspruch zu Parascha th. Ki' Seze cm prachtvolles bekanntes Gleichnis. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.