Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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n 184 r . - vor. In seiner Begleitung befand sich u. a. der dienstthuende Grneraladjutant Generalleutnant v. Scholl. Der Vorstände der Deutschen Orient-Gesellschaft Prinz zu SLonaich-Carolath und der Herr des Hauses, Direktor der Hochschule Professor Dr. Joachim empfingen Se. Majestät und geleiteten ihn zur Kaiserloge, neben der auf der Galerie auch der Kultusminister Dr. Studt Platz, genommen hatte. Den Vortrag des Abends hielt Dr. T h i e r s ch aus München - über feine im Aufträge der Deutschen Orient-Gesellschaft im Jahre 1903 unternommene Rekognoszirungsreise nach Palästina. Es.sind 50 Jahre her — so begann er — seit man anfing, sich speziell mit der alten Geschichte Palästinas zu befassen. Zuerst von England aus; die Engländer lieferten uns eine ausgezeichnete Karte des ganzen westlich vom Jordan mit Eintragung alter antiken Reste, so daß für immer die Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten gegeben ist. Jetzt sind sie daran, eine ganze Stadt systematisch auszugraben. Es war ihr Programm: das Verständniß der Bibel durch die Ausgrabungen zu fördern, ohne einer bestimmten Konfession zu dienen, was auch das Programm des Deutschen Vereins ist. Schmerzlich freilich muß es ihm sein, daß er in zwanzig Jahren nicht leistete, was England oft in einem Jahre that. Dann kam Rußland mit viel bedeutenderen Mitteln, dann Frankreich mit Gründung einer gelehrten Schule in Jerusalem unter Leitung seiner besten Dominikaner. Dann griff Amerika alte Pläne wieder auf, dann zog nach Jahrhunderten zum ersten Male ein deutscher Kaiser nach Jerusalem. Die Vereinigung der deutschen evangelischen Kirchenregierungen gründete ein besonderes Institut für Alterthumskundc nach dem Muster der Institute in Rom und Athen. Sie beauftragte mich und Pastor Dr. Hölscher aus Leipzig, eine Rekognoszirungsreise durch das ganze Land zu machen, als Vorbereitung zu Ausgrabungen. Die Reise begann am 8. April von Beirut aus und brachte auch einige unangenehme Zwischenfälle. Der schwerste war der Tod des Pastors Böttcher aus Jerusalem, der sich mit angeschlossen hatte; er ertrank beim Baden im Toten Meer. Pastor Hölscher mußte die Leiche nach Jerusalem bringen, während der Redner die Tour fortsetzte. Man war vier Monate unterwegs. 100 Tage zu Pferde. Man kam durch alle Tb^ile der alten zwölf Stämme und erfuhr die außerordentliche Verschiedenheit der Landschaft, wie sie wohl kaum noch einmal so verschieden auf so verhältnißmäßiq geringem Raume zusammengedrängt ist. Der Ritt führte etwa folaendermaßen: Rach Tyrus, Sidon, Haifa, über den Karmel durch die Ebene Jesreel, Nazareth, über den Tabor, durch daS Jordanthal zum See Tiberias, dann in das eigentliche V.'rgland von Galiläa, zu den nördlichsten Quellen des Jordans, nach Gilead, das mit seinen vielen Schluchten an die Schweiz erinnert, dann nach Ueberschreitung des Jordans nach Samaria, Siloah. Bethel, Jerusalem, von wo aus die englischen Ausgrabungen besichtigt wurden, dann über Hebron zurück nach Jerusalem. Eine Rundtour wurde um das Tote Meer gemacht, dann ging es in das alte Moab. Ein ausgedehnter Besuch galt ferner der Küste. Ende August kam man nach Haifa, am 2. September beschloß man die Reise in Konstantinopel. Es ist wenig bekannt, wie reich Palästina an großen, archäologischen Monumenten ist, ähnlich denen, die bei uns das Volk in die Hünenzeit weist. Durch eine Reihe von vorzüglichen Lichtbildern gab Dr. Thiersch Proben davon. Interessant ist, daß die kanaanitische Kultur, die (wie amoritische) der israelitischen voranging, auf babylonischen Grundlagen ruhen soll. (Ausgrabungen zufolge.) Die Fürsten Palästina's sollen damals babylonisch korrespondirt haben. Beachtenswerth war ferner das Monument eines großen Löwen aus Hauran (Basalifigur), dessen Bedeutung darin liegt, daß er das erste Zeichen einer lokalen alten Kunst im alten Vasan um die Zeit 1000 v. b. gew. Z. ist. Aus der eigentlichen großen israelitischen Periode gab Dr. Thiersch dann ebenfalls einige Bilder. Die Hauptfrage, wie der Tempel von Jerusalem ausgesehen hat. hat schon immer die Gelehrten beschäftigt. Leider iverden Ausgrabungen ja diese Frage nicht mehr lösen. Hervorzuheben sind die mittelalterlichen Schlösser und Kastelle der Kreuzfahrer aus dieser Periode. Gegenstand besonderer, durch die Orientgesellschast zu leistender Untersuchungen werden die Synagogen sein. Dann zeigte Dr. Thiersch noch mancherlei Interessantes aus der modernen Kunst, die übrigens durch den zunehmenden modernen Verkehr (vier Eisenbahnen gehen schon durch's Land) anfängt, gefährdet zu werden. Man könnte Palästina heute „ein Neuland der Kunstgeschichte" nennen. Was geschehen ist zu seiner Erforschung, ist alles vereinzelt geschehen. Viel Arbeit — das hat die Rekognoszirnngsreise gelehrt — gibt es für die Forscher, für die Archäologen. Architekten, Geologen u. s. w. Es sind die Kräfte vorhanden, heute in Palästina ein großes Werk zu leisten. Es gilt dann, die Anfänge aufzunebmen und mit Besonnenheit weiterzuarbeiten. Es dürfte aber nicht ohne enge Fühlung mit den einheimischen Behörden und der Regierung geschehen. Vielleicht wäre dann auch die Voll-- macht zur Gründung von Lokalmuseen etwa in Beirut. Jerusalem.und Damaskus, zu erlangen. Zum Schluß beglückwünschte der Redner die Deutsche Orientgesellschaft" zu ihren Arbeiten in Palästina. : Hamburg, 28. Jan. (Antisemitischer Monarchismus.) Die Konservativen von heute sind, auch wenn sie es nicht immer eingestehen, antise^ mitisch bis auf die Knochen. Der Antisemitismus ist ihr eigentlicher geistiger Nährboden. Wie nun der