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Der Israelit · 1904-01-28 · Heft 8 (28.1.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 8 (28.1.1904)
Date
1904-01-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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17« L die, wie wir schon erwähnten, immer aus den Schlacken das Gold sucht, alles Gute absondert vom Schlechten und so keine Kraft verloren gehen laßt, die Mitwirken kann an dem Heilesbau der Menschheit. Wir haben ferner den freudigen Anblick des Fortschrittes der Menschheit, denn wenn es wahr ist, daß ein Zweig der semitischen Völkerfamilie es ist, welche das einstige Völkerziel: dir Anerkennung der Gottesherrschaft auf Erden, hindurchzutragen hat durch den Lauf der Zeiten, und wenn es wahr ist. daß das einstige Ziel der Geschite: in "i n-r run pm .-.rrw ist, dann ist zuerst die Ueberwindung chamitischer Sinnlichkeit, in zweiter Linie japhetitische Gemüthsveredelung, und endlich semitische Geisteserleuchtung, der Menschheit von Nöthen. Zu diesem Ziele aber tragt jedes Volk seinen Theil bei, und dajenige, was gut an ihm ist, bleibt als Garnitur, Unterbau und Staffel für die kommende Generation, was aber hindernd sich dem Ziele entgegenstellt, das wird morsch und bricht zusammen. Im zweiten Jahrtausend nun wurde der Mann geboren, von heidnischem Vater geboren, der zugleich Stammvater des jüdischen Volkes, und dadurch zum pcn zu onj wurde. Das, was seine Nachkommen am Horeb empfingen, die Gesetze des Rechts und der Liebe der Menschlichkeit, das ist's, was den Maßstab , bildet für alles, was andere Völker errungen, und das Verhalten der orientalischen Völker dazu in ihrer Blüthezeit nach der Sündfluth bildet den Inhalt des 48. Psalms. Vor allem müssen wir bedenken, daß jene chamitischen Nationen ja noch im selben Matze wie die semitischen das Gottesbewußtsein hatten. Ihr Stammvater hatte ja auch in der Arche eine Welt untergehen sehen, und bas Gottesgericht beim babylonischen Thurmbau traf ja noch alle Völker. Es ist von berufener und unberufener Seite über die Stellung Babels zur Bibel schon so viel geschrieben und gedruckt worden, daß es uns fast widerstrebt, noch einmal dieses Thema zu berühren, da wir der Ansicht sind, daß derjenige Jude, dem die Göttlichkeit der Thora unverbrüchliches Heiligthum ist, auch von zehn Professoren sich nicht vom Gegentheil überzeugen lassen wird; demjenigen aber, der unserer Thora nicht das Prädikat „göttlich" beilegt, kann es doch wahrlich gleichgültig sein, ob nun zuerst Hammnrabi oder Moses derjenige gewesen, der eigenes Machwerk für göttlich ausgab. Nur eine kleine Bemerkung sei uns zu der „Bibel und Babel"-Frage gestattet, die uns durch obige Betrachtung nahegelegt wurde. Schon.der c*;tn führt im ersten z-zy rpSn rrs aus, daß ursprünglich das Gottesbewutztsein bei allen Menschen vorhanden und erst nach und nach getrübt worden sei. Wenn demnach die Keilinschriften-Entzifserung und die daraus gezogenen Folgen so sicher wären, wie sie in Wirtlichkeit nicht sicher sind, wenn es wirklich mehr wäre> als luftige Hypothese, so wäre dieses nur ein glänzender Bewtii — freilich ein unnöthiger — für die Rich ti gleit unserer Tradition. (Anläßlich der jüngst in der »Jüdischen Presse" ausgesprochenen Anschuldigung, daß die Orthodoxen die ..Bibel und Babel"-Frage todtgeschwiegen, erachten wir es für nicht überflüssig, zu betonen, daß Rabbiner Dr. Breuer den hier ausgesprochenen Gedanken in einem seiner Vorträge seinerzeit in aller Scharfe klarlezte.). Doch wie gesagt, das Gottesbewutztsein war ein Getrübtes, es war das jüdische — mit Nichten, und zwar in zwei Dingen hauptsächlich war es. wo der ch a m i t i s ch e Genußdrang sich vom jüdischen Ideal entfernte. Zum Verhältniß zu Gott und im Verhältniß zu Menschen?) Der chamitischen Genußsucht konnte es natürlich nicht fehlen, daß sie sich aller Mittel bediente, um möglichst viel genießen zu können. Sie wandte daher Gewalt, Unterdrückung und Erpressung überall an, wo es nur möglich war, durch eine solche etwas zu erreichen. In Folge dessen kam das Kastenwesen auf, nach welchem eine jede höhere Kaste mehrRechte und weniger Pflichten hatte, die unterste aber nur Pflichten und keine Rechte. Aus dieser Staatsordnung heraus — als Folge, nicht Ursache — entwickelten sich hauptsächlich zwei Grundbegriffe des Gottbewußtseins. Der eine, daß dem glücklichen Reichen ein anderer Gott sei, als dem niedrigen gedrückten, daß alles Glück und I Freude auf der einen Seite seinen göttlichen Vertreter habe, ebenso aber andererseits das dunkle Elend, und Unglückliche. Und ferner, da die überwiegende Majorität ihr Leben unter der Sklavenpeitsche dahinörachte, und die Peiniger Gott als Autorität für ihre Peitschenschläge ausgaben, deßhalb fürchtete man nur Gott und sah die höchste Weltmacht als ein feindliches, bedrohendes Menschen-Unglück wollendes Wesen an. Als Belege für diese Momente erwähnen wir nur kurz: Nimrod der Menschenjäger, Kunstwerk der Semiramis. ungeheure Bauruinen (Volksunterdrückung). Bal, der Gott des Himmels, des Lichts, des Feuers; Mylitta, Göttin der Erde, des Dunkels und des Wassers *) der Stern des Bal galt für unglückbring e n d 7) in Aegypten: Kastenwesen. Pyramiden, Osiris und Typhon, Sieg des „bösen" Typhon. Fassen wir nun alle diese Grundsätze zum Judenthum zusammen, in wz ttnci *n Sn: „In der Stadt Gottes ist Gott groß und gelobt. Beim Judenthum ergibt sich die Stellung des Menschen zum Menschen aus seiner Stellung zu Gott. Deßhalb. weil Gott ihm groß und gepriesen ist, spa ns' ist „Schön an Lage die F r e u d e des ganzen Landes, 5) Der Deutlichkeit und Nebersichtlichkeit^ wegen, geben wir die Psalmvnse selbst im Zusammenhang nach den betr. Ausführungen wieder. 6) Bergl. Dunker. Geschichte des AlterthumS. Bd. t. <5. 115. 7) A. a V. S. 11L

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