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Der Israelit · 1904-01-28 · Heft 8 (28.1.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 8 (28.1.1904)
Date
1904-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Konservativen. Er hat den Eindruck gewonnen, daß gar manche Konservative wissen, wie sie stimmen wollen, aber auch wissen, wie sie stimmen sollen, und Gemeindevorsteher Martin Simon erinnert die Konservativen, unter lautem Beifall der Liberalen, an ihre nach dem Gemeindestatut übernommene Verpflichtung, nach ihrer Ueberzeugung zu stimmen. Letzterer Redner weißt darauf hin, daß nach den ausführlichen Gutachten der Rabbiner doch eine Belehrung für die konservativen Repräsentanten betreffs der religionsgesehlichen Zulässigkeit der Orgel möglich sein sollte. Herr Louis Sachs (lib.) betonte mit großem Nachdruck, daß die Orgelfragr zuerst von konservativer Seite zu einer Parteifrage gemacht worden fei, und somit doch wohl eine Frage von großer Bedeutung sein müsse. Die Angelegenheit wird nach seiner Ansicht jedenfalls von den Gemeindemitgliedern so aufgefaßt werden, daß die Konservativen darunter zu leiden haben werden. In seinem Schlußwort empfahl der Referent. Prof. Geiger, noch einmal kurz den Antrag des Gemeindevorstandes; es wäre ein seltsames Schauspiel, wenn der von beiden Ausschüssen zur Annahme empfohlene Antrag im Plenum abgelehnt würde. Im Laufe der Debatte wurden vier Schlußanträge und ein Vertagungsantrag gestellt, erst der fünfte Schlußantrag wurde mit großer Majorität angenommen. Die Abstimmung war auf Antrag der Liberalen Prof. Geiger. Prof. Blaschke und Louis Sachs eine namentliche, und zwar wurde sie getrennt für die Orgel und für den Ritus vorgenommen. Für den Gemeindevorstand gab Martin Simon die Erklärung ab. daß die Vorlage ein untrennbare sei und daß bei Ablehnung der Orgel der Gemeindevorstand in eine erneute Berathung über die Vorlage eintreten müsse. Die Eröffnung der Synagoge Rykestraße, welche zu den nächsten hohen Feiertagen bereits geplant war, dürfte nach der Ablehnung der Orgel nun wohl auch nicht zu diesem Termine stattfinden. Der nunmehrigen Entscheidung des Gemeindevorstandes in dieser Angelegenheit wird man allseitig mit großem Interesse und berechtigter Spannung entgegensetzen. Zs?ikmgörraHrlchtev und Eorrespoudenztir Deutschland. Mainz^ (Israelitisches Religionsfch ulwesen im Großherzogthum Hessen) Das Großh. Ministerium plant die definitive Anstellung israelitischer Religionslehrer, welche ein den Volksschullehrern gleiches Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich 20 Stunden Religionsunterricht ertheilen. Die nöthigen Mittel sollen von den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht werden. An die Vorstände der israel. Gemeinden des Kreises Worms ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach demselben sind die Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke eingetheilt, und zwar folgend: 1. Alsheim, Gimbsheim, Eich und Hamm; 2. Osthofen, Rhein-Dürkheim, Herrnsheim. Abenheim und Gundheim; 3. Heßloch. Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen; 4. Monsheim, Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim, Wachenheim. Mölsheim, Pfeddersheim und Pfiffligheim. Die Gemeinden Heppenheim a. d. W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugetheilt werden. Bis zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht erstattet haben. Ehdtkuhnen, 23. Jan. (F e st g o t t e s d i e n st.) Anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers fand gestern Vormittag in unserer Synagoge, anschließend an den Gottesdienst, ein Fest-Gottesdienst statt. Herr Kultusbeamter I a f f e e hielt eine kurze, aber geviegene Ansprache, in welcher er nachdrücklichst betonte, daß in diesem Jahre die Gefühle der Dankbarkeit ganz besonders groß seien wegen der jüngst über siandenen glücklichen Operation des erlauchten Monarchen. Alsdann wurden die Psalmen 21, 61, 100, 112, 149 recitirt. An Hand der Gesetzesrolle sang hierauf Herr Jaffee das allsabbatliche Gebet für den Landesvater mit lauter, wohltönender Stimme, in welches er eine speziell für die Feier abgefaßte Benediction einschaltete. Die Feier machte einen erhebenden Eindruck. — In voriger Woche wurde bei Neustadt- Scbwindt ein 62jähriger. jüdischer, armer Rückwanderer von einem russischen Grenzsoldaten erschossen. Ketzberg, 21. Jan. Anläßlich der hiesigen Schul- und Schächterprüfungen durch Se. Ehrw. den Herrn Landrabbiner Dr. Prager-Cassel nahm letzterer die Gelegenheit wahr, an die um 5 Uhr Nachmittags in der hiesigen Synagoge sich versammelnde Gemeinde eine erbauliche Ansprache zu richten, in der er zwei Merkmale des laufenden Wochenabschnittes näher beleuchtete. Es seien einige Kernpunkte dieser Ansprache wiedergegeben. „Mit einem dankbaren Aufblick zu Gott begrüße ich die Gelegenheit, die es mir vergönnt, an dieser heil. Stätte zu Euch zu sprechen, und da ist es ein Zweifaches des laufenden Wochenabschnittes, auf das ich Eure Aufmerksamkeit hinlenken möchte. Als einst Gott dem Mosche den Auftrag gab. das Volk Israel aus Egypten zu führen, da entgegnete Mosche: Wer Lin ich, daß ich das vollführen kann? Und Gott sprach zu ihm: Ich will mit Dir sein und das sei dir ein Zeichen: Sprenge das Blut des geschlachteten LammeS an die Thürpfosten und es sei euch ein Z e i ch e n an

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