Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1904)
- Date
- 1904-01-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. AHrgang. pt M 81 Die Mrogt in kr berliner (kmrink. Berlin, 24. Januar. So hat also auch Berlin seine. Orgelfrage hinter sich: aber mit einem anderen Erfolg, als die kleineren Gemeinden in der letzten Zeit. Bei uns haben die Orgelgegner über die'Orgelfreunde gesiegt: die . Orgel in der im Bau begriffenen Synagoge. Rykestraße, ist mit acht konservativen gegen acht liberale Stimmen — die Stimme des konservativen Vorsitzenden Geheimrath Blumenthal gegen die Orgel war somit ausschlaggebend — abgelehnt worden. Als Ritus wurde mit allen konservativen Stimmen gegen die liberalen, die sich, obwohl sie gegen den vom Gemcindevorstand vorgeschlagenen Ritus nichts einzuwenden hatten, nicht mehr an der Abstimmung betheiligten, der Ritus der Synagoge Kaiserstraße, d. h. also ein „gemäßigt konservativer," angenommen. Die zur Borberathung der Vorlage eingesetzte gemischte Deputation, der zwei Aelteste und vier Repräsentanten (drei konservative, ein liberaler) unter Zuziehung von zwei Rabbinern (Maybaum und Eschelbacher) angehörten, war in ihren beiden Sitzungen zu folgendem Resultat gelangt: Es wurden abgegeben für die Einführung des Ritus der a l t e n Synagoge (Heidereutergaffe) in die Synagoge Rykestraße keine Stimme, für die Einführung oes Ritus der Synagoge Kaiserstraße ohne Orgel drei Stimmen, dagegen drei Stimmen, für die Einführung des Ritus der Synagoge Kaiserstraße mit Orgel drei Stimmen, dagegen drei Stimmen. Der Gemeindevorstand hatte nunmehr der Repräsentanten-Versammlung den Ritus Kaiserstraße mit Orgel empfohlen; der Ausschuß III, welcher sich mit der sachlichen Prüfung zu befassen hatte, nahm den Antrag des Gemeindevorstandes mit drei gegen zwei Stimmen an, der Ausschuß J', welcher über die Bewilligung der. für die Orgel verlangten 25,000 Mark zu befinden hatte, genehmigte in seiner Sitzung, bei welcher allerdings die Konservativen fehlten, einstimmig die erforderte Summe. Die Plenardebatte gestaltete sich sehr interessant und verlief bisweilen sehr, stürmisch. Prof. Gei g e r referirte für den Ausschuß III und empfahl die Vorlage des Vorstandes, zur.Annahme.. - HerrLouis S a ch s Plaidirie Ramcns desÄusschusses-I für die Bewilligung der .verlangten 2nfjQfi:M£ Die^Äerteter. des Gemeindevorstandes, sowie die'liberalen.Repräsentanten.stützten sich bei -ihrer Befürwortung/ der/ Vorlage aufdie geschäftlich er-, statteten Gutachten" der sechs Rabbiner, welche keine religionsgesetzliche Bedenken, gegen die. Einführung, der -. Orgel erhoben hatten, sowie auf die Gutachten^- der< musikalischen Sachverständigen; (zwei Chordirigenten der orgelfreien Synagogen, ferner der Herren Prost-. Gernsheim und Martin Lesser), welche dien Durchführung eines geordneten Gottesdienstes -ohne Orgel und mit einem a eapelln -Chor in >dem Plätze fassenden Gotteshause zum Theil für.überauS/ schwierig, zum Thril für unmöglich erklärten:-die Liste-- ralen führten ferner die vom „Liberalen Verein", veranstaltete Enquete in's Feld, bei der von den für die-neue -: Synagoge in Betracht kommenden steuerzahlenden Ge-: : meindemitgliedern mit überwältigender- ... Majorität-. (unter 760 Stimmen 690 für, ca. 40 dagegen); für die . Einrichtung der Orgel votirt worden ist. Auch die Rücksicht auf die heutige Jugend und deren Gesinnung - fordere gebieterisch die. Errichtung einer Synagoge mit Orgel. Die Konservativen wiesen nur wiederholt da^ rauf hin, daß es dem Standpunkte der -Pilligke.it' ent-; spreche, im Norden der Stadt für die konservativen Bewohner eine orgelfreie Synagoge zu erbauen und erklärten die Durchführung eines geordneten - Gottesdienstes ohne Orgel für möglich. .Herr Hirsch -be» - zeichnete entgegen den Nabbinatsgutachten die Orgel als-dem Religionsgesehe nicht entsprechend und verwies e in dieser Beziehung auf die Ansicht .anderer Theologen.. Rechtsanwalt Dr. Cohn (kons.) ist der Ansicht, daß die Vorlage in allzu großer Breite ausqearbeitet.ist;.. nach ihm ist es den Konservativen gar nicht eingefallen,- - aus der Vorlage eine Prinzivienfrage zu machen, die Konservativen wollten gar nicht dokümentiren, daß sie - Gegner der Orgel sind, ja. er glaubt, sogar das Gegey?: ' teil versichern zu können (!) Für ihn ist die Opvortuni* tätsfrage entscheidend, und es dürfe auf die. nach, seiner- - Erfahrung konservativen Bewohner des Nordens kein. - unzttläffiaer Gewissenszwang ausgeübt werden, durch , die Annahme einer Orgeln die doch keine spezifisch iü-.^ dische Einrichtung sei. - Der Vorsitzende des Gemeinde- .; Vorstandes. Julius Iacoby. appellirt an das Gercchtiqkeitsgefükl der Konservativen, welche; Mt der--< Derweigeruna der Orgel etwa 10 vCt. der in Frage-;., kommenden Bevölkerung zufrieden stellen,; w8hrend.-»sie 90 pCt. die Erfüllung ihres -Wunsches -nach einer-. Orgel verweigern werden. Die Verantwortung .für dir.^ Folgen, die daraus entstehen werden, .schiebt Sy den-, n aeaen die Vorlaae votirenden Repräsentanten.zu, .-Nach- :-, seiner Ansicht - befindet - sich Unter den kanservatipey? Repräsenfantew nur ein einziges Mitglied, welch^SIricht-?.^ - eine Orgelsynägoge .besuchen,- .würde, ^während.^. die,' übrigen Konservativen "idasv. eigene CM^.qden-:iN:dis;;,k 'Orgeksynagoge^dränge. Professor Blaschke.(lib,)^.- vermißt die Grundlage des Billigkeitsprinzips der