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Der Israelit · 1904-01-28 · Heft 8 (28.1.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 8 (28.1.1904)
Date
1904-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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L 156 v VrrRn, 24. Jan. <Waldersee-Goldderger.) In konservativen Kreisen findet man es bemerkenswrrth, daß bei einem Diner, das der Geheime Kommerzienrath Goldberger vor einigen Tagen gab, auch der Generalfeldmarschall Graf. Waldersee anwesend war. Man findet den Vorgang um so mehr der Beachtung werth, je eigenthümlichrr er in der That mit früheren Bekundungen Walderseescher Auffassungen kontrastirt. Vor zwei Jahrzehnten ging vom Hause des Grafen Waldersee die sogenannte Berliner Bewegung aus. Damals traten Graf Waldersee und Herr Stöcker gleichsam Arm in Arm vor die erstaunte Welt, und der Antisemitismus war in dem Milieu des derzeitigen- Generalquartiermeisters Modesache geworden. Die Konservativen, die ihre Hoffnungen auf eine politische Thätigkeit. des Grafen Waldersee im Sinne des Opelbierthums langst haben aufgeben müssen, genieren sich nicht, über den bemerkenswerthen Gast des Geheimraths Goldberger ihre Glossen zu machen, und so verbreiten sie das malitiöse Wort, es zeige sich wieder einmal, daß Deutschland für die Juden das .Land der unbegrenzten Möglichkeiten" sei. Frankfurt a. M., 26. Jan. Wieder hat der Tod eine fühlbare Lücke in der Mitte der Jsr. Religionsgesellschast gerissen. Der in weitesten, hiesigen jüdischen Kreisen bekannte und geschätzte Herr Seligmann Wohlfahrt. Mitinhaber der Firma Veit Wohlfahrt, ist am rrnm *d ptpo nach kurzer Krankheit in ein besseres Jenseits abberufen worden, und am m unter besonders zahlreicher Betheiligung der Mitglieder der isr. Religionsgesellschaft zu Grabe getragen worden. Daß der leider so frühzeitig Dahingeschiedene ein guter Jehudi und ein wackeres, treues Mitglied seiner Gemeinde gewesen, dies brauchen wir nicht erst hervorzuheben, da dies allbekannt ist. Der Verblichene erfreute sich aber auch in der hiesigen Kaufmannswelt der größten Hochachtung und Werthschätzung, da dessen. Firma zu den ältesten und bedeutendsten der Manufakturwaarenbranche zählt, die sich von kleinen Anfängen bis zu ihrer jetzigen Größe emporgeschwungen und zu den ersten am hiesigen Platze gehört. Welche Hochachtung der Verstorbene hier auch bei seinen Glaubensgenossen, anderer Richtung sich erfreute, dies beweist, daß er Vorstandsmitglied der Frankfurter JB'iw Vrithloge" gewesen, wo er sich an vielen Werken der Wohlthätigkeit eifrig betheiligte. In dem Verstorbenen beweint dessen Gattin einen getreuen und zärtlichen Gatten, und dessen in echt jüdischem Geiste erzogenen Kinder einen guten, hingebungsvollen - Vater. Auch die Jsr. Religionsgesellschaft betrauert in dem Verblichenen ein wackeres Mttglied ihrer Gemeinde, die ihm stets ein-gesegnetes Andenken bewahren wird. —r. Cola, 26. Jan. Vergangenen Sonntag beging, wie alljährlich, so auch dieses Jahr, das hiesige Jsr. Lehrer-Seminar die Vorfeier des Geburtsfestes Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Königs Preußen in der festlich geschmückten Aula der Anstand Zum Feste war ein zahlreiches Publikum, welches den Saal mehr als genug ausfüllte, erschienen. Das Programm wurde durch sechs altniederlandische Volkslieder, aus der Sammlung des Adrianus Valerius vom Jahre 1626, übersetzt von Joseph Weyl, bearbettet von Eduard Kremser, Text mit verbindender Dichtung von Dr. Heinrich Kremser, eröffnet. Mit regem Interesse wurden diese von Herrn Reallehrer Heinrich Uersfeld wohl einfiüdirten Lieder angehört, und seien besonders die Herren Seminaristen Julius Simons, Joseph H e s, Baruch Friedner, Michael Löwy, Julius Rothschild und Eli Lindheimer rühmend hervorgehoben, welche die verbindende Dichtung mit großer Geschicklichkeit vortrugen. Herrn Reallehrer Heinrich Uersfeld, dessen Gewissenhaftigkeit hier namentlich erwähnt, für seine ausgezeichnete Klavierbegleitung und musikalische Leitung, besonderen Dank. Nach diesen schönen Volksliedern wurde uns eine dramatische Szene aus Schiller's Piccolomini (!,' 2—5) vorgeführt, welche Herr Seminarlehrer Elias Gut leitete. Dieselbe wurde mit einem solch dramatischen Talent aufgeführt, daß man sich fragen mußte, ob man sich in der Aula eines Seminars, oder in. einem wirklichen Theater befand, und kann man die Vortragenden für ihre Leistungen nur beglückwünschen. . Ein Chorgesang „Und hörst du das mächtige Klingen" von A. E. Marschner, verband genannte Szene mit der Festrede, welche Herr Seminarlehrer Elias Gut hielt. Redner verstand es, in einem wohldurchdachten Vortrage das Wirken des deutschen Kaisers mit der erzieherischen Thätigkeit des deutschen Dichters Johann Gottfried Herder in Vergleich zu ziehen. In kurzen, prägnanten Worten schilderte der Vortragende den Jdeengang dieser hervorragenden Persönlichkeit, welche Ideale er aufgesteckt und welche pädagogische Wirksamkeit die Schule ihm zu verdanken habe, wie er es gerade war. der das Ansehen, das Gehalt und die soziale Stellung der Lehrer durch manches wissenschaftliche Werk gehoben hat. Besonder? aber betonte Redner die wahre Wirksamkeit Herders, welche sich namentlich durch den Umstand kennzeichnen würde, daß er anerkannt hat, daß die wahre Religion nichts anderes als Nachahmung des Höchsten im menschlichen Bilde sei: 'w '3 nn D'»np. Die göttlichen Gebote sind zur Läuterung des Menschen gegeben, vrwkvr wip 1BW. Als solch' einen hehren Prediger der Menschheit, se fuhr Redner fort, als einen vielseitigen Denker, auf den man wohl das schone Wort der Toleranz anwenden kann: , nihil luunani a me alienmn puto,*‘‘ nichts Menschliches glaube ich mir fremd, verehre die gesammte Menschheit auch unseren erhabenen Kaiser.

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