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Der Israelit · 1904-01-28 · Heft 8 (28.1.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 8 (28.1.1904)
Date
1904-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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fcr Stunde nur sende die Worte empor: »meine Macht ist Gott," nicht Seufzerton und Schmerzensruf, nicht Jammer und Klage nur lege in diesen Spruch! nion rp m meine Macht, aber auch mein Sang ist Gott, d a S ward mir zum Heil! Wenige Jahrhunderte find es her, da saß auf Spaniens Throne, des damals mächtigsten Reiches der Welt, ein frommer, gottesfürchtiger König, der auch auf seine Fahne geschrieben hatte das Wort: „meine Macht ist nur Gott," der die rastlose Arbeit seines ganzen Regentenlaufes, und. seiner indischen Flotte Goldschätze, und seiner besten Söhne Leben, seinem Glauben weihte, der alle Tempel und Altäre seines Gottes mit den herrlichsten Geschenken schmückte, und ob er auch über das Wohl und Wehe von Millionen gebot, vor dem Blick eines Priesters erzitterte. Aber Scheiterhaufen leuchteten in der Nacht, auf verbrannte Menschengebeine trat der Fuß des Wanderers, und auch die Söhne unseres Volkes ließ er im festlich geschmückten Zuschauerraum zu Tausenden morden, oder schickte sie elternberaubt und kinderlos in die Verbannung. Denn erstorben war die Freude in diesem Gemüth, erstickt jedes Wohlwollen in dieser Brust. Grausam und finster war sein Glaube, denn seine Gottheit war ein schreckliches Wesen, eine furchtbare Macht, die sich labt an dem Todesröcheln Gequälter, mit Wohlgefallen aufnimmt den Schmerzensschrei der Gefolterten. Und wiederum dürfen wir die Frage stellen: Sind sie unter uns so selten, denen ihr Gott nichts ist, als ein Schreckbild, eine immerdar dräuende Gewalt?! Sehen wir sie nicht von Zeit zu Zeit in unserer Mitte, die ihrem Gotte auf Gräbern den Thron errichtet, nur in der Todesstunde ihrer Lieben sich Ihm nahen, denen das Gebet nur ein Seufzer, das Gotteshaus ein Trauerhaus, , die völlig vergessen, daß jede Berührung des Tobten das Heilige verunreinigte, und daß dies ein Grundgesetz der Lehre ist rw' vs an» niian n«t dnnn. Sehen wir sie nicht sich von uns wenden, weil sie nicht gestört sein wollen in ihren Freuden, als ginge unser Glaube nur in düstere Klagen auf, als hieße uns das Gesetz meiden jede irdische Lust?! Darum wollen wir ihnen jubelnd entgegenrufen: n» man np meine Macht, aber auch mein Sang ist Gott! Wo die Freude mich faßt, mein Herz vor Wonne schwillt, ich aufjuhxln möchte vor Lust, da suche ich den Ewigen! Ihr Ärmen, wie welk sind die Blüthen, die ihr von unserem Lebensbaum gepflückt, ein paar Augenblicke der Andacht im Jahr, eine Stunde hohler, verfliegender Begeisterung, ein paar Thränen, die der nächste Moment wieder trocknet. Blickt her! Und wenn wir auch nicht in rauschenden Gelagen uns ergötzen, nicht am Abgrund suchen die Blumen verderblicher Genüsse, wir kennen nicht minder die Freude 'N2 fbv: Es frohlockt mein Herz, es jubelt nicht minder, aber to in dem Ewigen! in jener holden, jener erhabenen Freude, die mit Thränen sich aufschwingt zu den seligsten GesüWr, rin jener Freude, der der Stachel der Freudefehltiind sie nichts weiß von dem Schmerz der Gewissensbisse - Ttsrtorb 'b vn m ircn M - Meine Macht und mein Sang ist Gott.daS ward mir zur Rettung. . - Hinabgesunken in's Meer der Vergessenheit sind jene gewaltigen Völker der Aegypker und Affyret,. her - Meder und Perser, die im Sklavensinn' zitterten' 1 und; bebten vor ihrem Gotte. Aber nicht minder Uschwün« den von der Erde sind die edlen Stämme der Griechen und Römer, denen nur Liebe und Lust entgegentrat'üus dem Leben ihrer Götterwelt. Israel allein hat es vetstanden, den Ernst immerdar zu paaren mit'der Freude, mjra Hn zu erzittern im Jubel. Darum - lebt^eS auch seinem Gotte gleich ein ewiges Leben. Und ob es auch noch immer nicht kann völlig froh werden seines Lebens, ob es auch noch immer horsten muß im Felsengeklüft, versteckt im Winkel des Abhanges,' es kommt die Zeit, da der lange Winter vorüber ist, die'Sturme gewichen sind, die volle Blüthenpracht in ihrem' ganzen Reichthum wieder sichtbar wird, die Zeit,'wo der-reine Freudengesang ertönt und die Stimme der Taube wieder vernommen wird in der Ebene nanna nti« , : v ' - y; ZeitrmgsrraHrich-err rrnd Correfporrverrzeü. Deutschland. ' Berlin, 24. Jan. In der Repräsentanten-Dersammlung eröffnete Herr Geheimrath Blument h a l die Sitzung mit einem warmen Nachruf für den Repräsentanten Herrn Jmanuel S a ch s und bittet die Versammlung, ihm, sowie seinem Bruder und dem einstigen Führer der Gemeinde, Dr. Michael Sachs, stets ein ehrenvolles Andenken bewahren zu wollen. Herr Dr. Arthur Liebermann theilte in'einem Schreiben mit, daß er zum Rabbiner und Prediger.der Synagoge Liesenstraße gewählt worden fei.- In den Ausschuß I wird Herr Bodenstein, in den Ausschuß HI Herr Löwenberg gewählt, in die Waisen- und Subventions-Kommission ebenfalls Herr Vodenstein. Die zweite Lesung der Satzungen, für die Synagogenvyrstände wird ohne Debatte angenommen und die Summe von 4000 Mk. zur Einrichtung elektrischen Bälgebetriebs für die Orgel in der neuen Synagoge bewilligt, die. Rechnungsabschlüsse der neuen Synagoge, und. her Waisen-Kommission werden decharchirt:, HeÜ^.BWypunkt -der Sitzung bildete die Vorlage LberdenHültijs in der Synagoge Rykerstraße. worüber strir an anderer Stelle ausführlich berichten. * - '; R.

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