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Der Israelit · 1904-01-25 · Heft 7 (25.1.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 7 (25.1.1904)
Date
1904-01-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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150 eben gähnend zu ihren Klavierübungen übergehen, als Frau Mtorkowska in das Zimmer trat. Sie war ernst, schweigsam feierlich in ihre Mutterrechte gehüllt. So trat sie der Tochter gegenüber und hielt sie zurück, als sie sich eben zum Klavierspiel niederlassen wollte. „Hör' mich an! Ich bitte Dich! Wir müssen miteinander redend „Nun, so reden wir!" „Ja! Reden wir! Sieh! Jakob kommt wahrscheinlich niemals wieder. Auf ihn ist nicht mehr zu rechnen!" „Den löschte ich schon längst aus dem Register!" „So müssen wir berathschlagen." „Wir waren ja aber schon einig." „Aber wie steht es?" „Immer nach einer Art! Heinrich, der verliebter ist. als je zuvor, hat den ersten Platz! Ihm folgt Sofranow!" „Gerade von diesem Russen wollte ich mit Dir reden. Was wird aus ihm?" „Er ist ein äußerlich ganz fein polirter Mann! Drunter aber: on spnt. un peil le uirtare! Sein Vermögen ist etwas zweifelhaft! Sein Charakter ist allzu liebenswürdig in Gesellschaft, um daheim nicht höchst schroff zu sein! Ich liebe ihn nicht sehr. Er ist ein kaltes Geschöpf!" „Aber Du schreckst ihn doch nicht ab!" „Leider nein! Wir Aermsten müssen ja Jeden schonen!" „Ueber Heinrich läßt sich ja aber noch gar nichts sagen. Er denkt nicht an Scheidung, und sein dummes Weib, wie uns zum Possen, nicht an's Sterben. Sie hat nicht die Schwindsucht, so wahr ich lebe — ich fragte ihren Arzt; er bürgt dafür, daß sie nur nervenschwach ist. Das kann sich noch — Gott weiß — wie viele Jahre hinziehen!" „Mit Heinrich," flüsterte Emusa lächelnd, „stehe ich in den besten Beziehungen. Er hat vor mir kein Geheimniß. Er ist fest zur Scheidung entschlossen. Aber glaubst Du wohl, Mama. daß. wie ich höre, s i e nichts davon wissen will? Ich war fest überzeugt, sie würde, da sie Jakob liebt, am allerglücklichsten darüber sein; ich wirkte eifrig darauf hin; aber damit war es nichts. Sie hat ganz sonderbare Vorstellungen von der Heiligkeit der Frau, vom Eide, von der Ehe! Mit einem Worte. Mama, ich sage Dir, sie will keine Scheidung. Oes id6es contre natnre! Ich versuchte, ihr von Fern das Glück zu zeigen, denn ich weiß bestimmt. daß sie sich lieben . . . Die Engländerin erzählte mir Wunderdinge davon, denn sie belauschte sie einmal. Aber es ist solch eine Liebe auf dem Papier, ganz unvernünftig und tragistisch! Liebende, die sich verbinden könnten, stoßen sich zurück! 8ont-it3 b6tes? Thilda sprach mir von solchen Theorien, über die ich fast platzte vor Lachen! Darüber noch einmal zu sprechen. ist rein unmöglich! Aber was ist da noch zu berathschlagen? Heinrich liebt mich, aber er hat zu wenig Entschlossenheit, er fürchtet sich vor dem Schwiegervater ..." „Mein Kind!" sprach Frau Mtorkowska. „Bist Du mit ihm schon so weit gegangen, so muß mau ihn bestimmen! Mag er endlich einmal wissen, was er will. — Wir können nicht länger warten!" „Aber diese Russen! Wahrhaftig, dieser Sofronow, oder Baworow. haben mir einen schlimmen Streich gespielt, indem sie Jakob zur Flucht zwangen! Wozu ihn so unnütz erschrecken? Jetzt weiß ich nicht, was aus ihm wird! Und hier war er uns doch so nöthig! Heinrich hatte ich schon so weit, daß er durch dritte Personen die Scheidungsfrage bei dem Vater anregte. Jemand bemüht sich dort schon, ihn auszusorschen. Samuel würde, nicht gegen die Scheidung sein!" „Was Du sagst!" rief Frau Wtorkowski und klatschte in die Hände. „Allerdings! Aber er stellt die Bedingung, daß Tilda sofort sich wieder verheirathet. Er vermuthet also auch ihre Liebe zu Jakob. Anders läßt er es nicht zu. Und gerade jetzt nimmt man uns diesen Jakob fort!" Mutter und Tochter seufzten tief. „Mir scheint," fuhr Musa fort, „das läßt sich Alles noch zusammenflicken und zurechtlegen und ich werde doch noch Heinrichs Frau! Der Andern bin ich nicht recht sicher und würde ihrer auch nicht recht froh werden!" „Aber was ist das für Dich, solch ein — Wittwer! Denn dies wäre er doch immer!" sagte die Mutter, sich ihr zuwendend. „Ach! Mamachen!" erwiderte Musa. „Jeder Andere war auch schon zehnmal Wittwer. ehe er sich einmal verheirathete!" „ „Allerdings! Aber hier müssen wir uns beeilen!" rief die Alte. „Ich weiß schon, worum es sich handelt." antwortete Musa. „Mamachen. Du brauchst gewiß wieder Geld! Ich lverde bei Heinrich borgen! Aber bitte, laß mir nur Zeit dazu!" Die Mutter, als sie die Tochter so praktisch, so ruhig über die Zukunft sprechen hörte, fühlte sich auch beruhigter. .... icze, 1863, Juli. So unerwartet mußte ich Warschau verlassen, daß ich nicht einmal bei Euch vorsprechen und mich empfehlen konnte. Tags zuvor war ich ganz ruhig, ohne auch nur zu vermuthen, daß mich Etwas bedrohen! könne, als man mir frühmorgens einen Wink gab, daß j Gefängniß und Untersuchung meiner harren, und 1 natürlich zu guter Letzt mindestens doch Verbannung,

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