Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1904)
- Date
- 1904-01-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2449994--59956-2520805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
für das Vti£ 'VVJV* IudeEumÄ i ■■ * .>.ii. . K»A8QN->fi Jan. 1904.] ISit. 4 WM nisgg ev muöe. Zeitgemälde von I. I. KrsszewskL in a u.torisirter Uebertragung. „Wenn man ihn nur nicht mit zum Aufstande fortreitzt." „Das glaübe ich nicht," entgegnete Mann. „Er ist kein Mann der That, sondern mehr des Wortes und des Gedankens!" Bei diesen Worten trat Tilda's Vater ein. Er war zerstreut und unruhig. Hastig fragte er: „Wißt Ihr schon von Jakob?" „Er ist entkommen!" „Ja, das weiß ich auch! Aber wohin? Stellt Euch vor, welch' ein peinlicher Vorfall mir daraus entstand! Früh morgens stürzt zu mir seine Mutter herein — das alte Judenweib, mit Schminkvflastcr und Brusttuch! Gelächter im Haus! Das war schon sehr unangenehm! Da muß der Zufall aber auch noch gerade in derselben Stunde den-Adjutanten des Fürsten herführen, und dieser im Saale mit ihr Zusammentreffen! Ich wehre mich schon, so viel ich kann, vor diesem Judenvolk! Und doch ward' ich solcher Blamage ausgesetzt. Ich bin noch jetzt ganz empört über dies Lamento im Hause. Dieses Geheul! Kaum wurde ich sie wieder los! Niemand weiß, wohin er geflüchtet. Die Mutter behauptet, über die Grenze habe! er nicht gewollt!"! „Gewiß," warf Heinrich hämisch ein, „hören wir [ bald etwas von seinen Heldenthaten! Augenscheinlich ■ ließen ihn die Lorbeeren Berk's, den Kossak so ' schön gezeichnet, nicht schlafen! Sicher wollte er sich eine zweite derartige monumentale Lithographie verdienen!" „Das Schlimmste bei der Sache ist aber." sagte Mann, „daß dies, sei dem wie ihm wolle, auf uns Alle einen Schatten wirft und uns zwingt. Beweise unserer Loyalität zu geben, uns zu ducken in einem Augenblick, da diese Kundgebungen immer unbehaglicher werden! Hol' ihn der Henker! Der Teufel hat ihn denunzirt! Mas haben wir davon zu fürchten!" In diesem Augenblick fragte die schöne Musa den eben eintretenden Sofranow nach Jakob. Dieser aber gab ein so gut gespieltes grenzenloses Erstaunen zum Besten, daß natürlich Niemand muthmaßen durfte, wie vortrefflich er von Allem unterrichtet war. Er fragte Jeden aus, er bedauerte tief, er versprach sich zu erkundigen, und hörte mit sichtbarem Kummer Alles mit an. Nur Mann errieth aus seinen Mienen, daß die Denunziation aus einer ihm nur zu bekannten Quelle geflossen sein mußte. „In jetziger Zeit," meinte Sofranow, „muß man sehr vorsichtig sein mit seinen Reden! Herr Jakob — so weit ich ihn kannte — hat diese Vorsicht nicht immer beachtet. Ich meine jedoch, daß keinesfalls ihm etwas so gar Schreckliches drohen kann — höchstens eine zeitweise Verschickung in das Innere Rußlands. Mais on n'en meurt pas!“ Hiermit schloß die Unterhaltung. Gegen 3 Uhr waren die Vormittagsbesnche zu Ende und Musa wollte