Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-01-25 · Heft 7 (25.1.1904) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 7 (25.1.1904)
Date
1904-01-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2449994--59950-2520799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

143 Doch muß dieses Volk als Priester der Gotteseinheit fich im Leben bewahren. Wie Israel keine nach Maßgabe der Strenge und Milde sich theilende Vielheit der Götter kennt, so darf die Wahrheit, die es lobt, keine vom Affekt beeinflußte sein. Nicht die impulsive That, die sich je nach den Stimmungen von der Gewöhnlichkeit abhebt und nach Kontrasten von erhaben und gemein abstuft — nicht diese ist Israels Erbe. Die Läuterung, die die Gottesoffenbarung im Volke eingeleitet, der die Vätergeschichte vorausgegangen und die die kommenden Geschlechter fort und fort an sich zu vollziehen haben, sie muß den einheitlichen Guß des Volkes in allen seinen Gliedern, an allen Orten und in allen Momenten ergreifen, sie muß in stetiger Arbeit Charaktere bilden, jüdische Charaktere mit lauterem Herzen und geheiligter Thatkraft, 22^ na die das npscn an zur Wahrheit machen und es in einem einheitlichen der Ewigkeit zustrebenden Leben rechtfertigen, 2'v 1« daß Gott gütig ist Israel. So gestaltet sich, wie uns dünken will, der an der Spitze unserer Ausführungen stehende Ausspruch des Midrasch mit dem ihn umgebenden Dunkel zu dem Material, auf das sich in hell leuchtender Farbe die Grundlinien des jüdischen Systems von der göttlichen Weltleitung abzeichnen, desselben Systems, das von Rabbi Akiba in Aboth mit knappen Worten gelehrt worden. Wir hatten also in dem mehrmals wiederholten und "b'r>.. kein Spiel mit Worten, sondern den Ernst einer tiefen Idee vor uns. (Fortsetzung folgt.) Zetturrgsnachrichten und Correspondluzen* Deutschland. Berlin, 20. Jan. Die Reichsregierung hat angesichts der Zunahme der Eheschließungen russischer Untertanen in Deutschland beim russischen Ministerium des Innern cng<"'rrqt, welche Dokumente erforderlich seien, um solche Ehen auch in Rußland rechtgiltig erscheinen zu losten. Daraufhin gab nach den „Berl. N. R." die russische Behörde folgenden Bescheid: Lediglich standesamtlich gesä-lossene Ehen sind in Rußland ungiltig, natürlich nur soweit russische Unterthanen dabei in Frage loinmcn. Die kirchliche Einsegnung hat in der gemeinsamen Konfession der Eheleute nach dem Ritus ihrer Kirche zu geschehen. Mischehen werden nur unter besonderen Voraussetzungen, nach rechtzeitiger Meldung bei der russischen Behörde, anerkannt. In allen anderen Fällen genügt eine Bescheinigung über das Richtvorbandensein gesetzliches Ehehindcrnisse, die für Evangelische. Griechisch-Uniierte u. s. w. von den betreffenden Kirchenbehörden, für Römisch-Katholische aber von der Ortspolizei auszustellen ist. Jeder Russe, der im Auslande eine Ehe eingeht, Ist verpflichtet, von dem Religionsbekenntnisse seiner Frau der 'Heimathsbehörde Mittheilung zu machen. . Berlin, 21. Jan. (Ein antisemitischet Vorstoß gegen Herrn von G er lach.) Der letzte sachliche Redner in der heutigen Sitzung des Reichstags war Herr von Gerlach, der sozialliberale Hospitant der Freisinnigen Vereinigung?- Diesem Herrn von Gerlach hatte tags vorher der antisemitische Abg. Lattmann politische Wandlungsfähigkeitvorg^l werfen, weil Gerlach sich bekanntlich vom Antisemitismus seiner jüngeren Jahre und der Stöcker'schen Gefolgschaft zum sozialen Liberalismus entwickelt hat: Dieser und ähnliche Wandlungsprozesse vollziehen sich bei manchem Politiker. Gerlach gab zu. er habe in seinem Leben „manche Dummheit gemacht/ wer hätte es nicht gethan, und wunderte sich, daß die Antisemiten! ihm Wandlungsfähigkeit vorwerfen, in deren Reihen doch Mancher sitzt, wie Graf Reventlow, der noch schnellere und stärkere Wandlungen vollzogen hat. Daraus entstand eine langdauernde persönliche Auseinandersetzung. in welcher Graf Reventlow und Herr Liebermann v. Sonnenberg mit ungewöhnlicher Feindseligkeit über den einstigen Gesinnungsgenossen herfielen. Graf Revcntlow machte es noch milde, indem er die Meinung des Herrn von Gerlach für ebenso gleichgültig bezeichnet wie die Wandlungen, die dieser ihm mit Recht vorge? warfen hatte. Herr Liebermann v. Sonnenberg aber versuchte seinen ganzen ruppigen Witz, der nicht zu unterschätzen ist. an seinem ehemaligen Gesinnungsgenossen und Protege zu üben. Er bemühte sich, ihn als komische Figur hinzustellen, bei der von Ueberzeugungen überhaupt nicht die Rede sein könne, behauptete. Gerlach habe früher einen Artikel geschrieben: „Der Schnapp das Schwein und die freisinnige Politik" und verlas unter großer Heiterkeit ein Epigramm gegen ihn: „Von einem Lager seh' ich dich stets in ein anderes wandern; du änderst deine Meinung oft, doch nie die Meinung der andern." Herr von Gerlach hätte den Herren, wenn er ihre Vergangenheit untersuchen wollte, sehr schärf dienen können. Er war aber vornehm in seiner Abv wehr. Der schöne Artikel, der den SchnapS,: dgs Schwein und die freisinnige Politik zusammen pirt. rührt nicht von ihm. sondern von Prof, IrMr/ dem jetzigen Redakteur der „Kreuzzeitung" her^.WiL es bei der rein formellen Handhabung der 'sog. nungsrufe geht, verfiel er einem solchen, als er den Borr? wurf. daß er überhaupt keine Ueberzeugung. besitze/alS' eine Verleumdung zurückwies. Schließlich wurden--di^ fortgesetzten persönlichen Angriffe des Herrn-von Liebermann nicht nur der Linken,' sbndern^deml 'ganzen! Häufe zuviel und Graf Vallestrem, der Präsident^ bat um eine etwas gewähltere Sprache und die Vermeidung versteckter Beleidigungen, denen er nicht beikommen könne, die aber umso empfindlicher seien. Die Unruhe i r \ r i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.