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Der Israelit · 1904-01-25 · Heft 7 (25.1.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 7 (25.1.1904)
Date
1904-01-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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geioaft eine Fluth die Erde und ihre Bewohner verderben. Bis an diese Schranke wogt das freie Meer und wählt der freie Mensch — hin und her. Darum zieht Gott den Menschen zur Rechenschaft für sein Thun. Doch geschieht dies bei aller Strenge des Rechts, dennoch mit Liebe und Güte. Auf Liebe baut sich das Weltganze auf, und in Liebe hat sich der Einzelne dem Ganzen einzufügen. Darum ist bei der Beurtheilung des Einzelnen der große Anspruch der Menschheit und der Gesammtweli an die von Gott eingesetzte Liebeswaltung maßgebend. Maßgebend ist darum nicht so sehr die hervorragende heroische Einzelthat, zu der sich ein Mensch von augenblicklicher Begeisterung angetrieben ausschwingt, als-das stetig fortgesetzte rechtliche und gütige Thun, das nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist und den guten Charakter ausmacht. *) Maimonides hat es verstanden, als des dunklen Spruches klaren Sinn herauszufinden die Grundlinien eines Systems, das die Gegensätze zwischen Bestimmung und Willensfreiheit, wenn nicht aufhebt, so doch der großen Idee der einheitlichen, jeden Partikularismus aufhebenden Weltleitung durch Gott dienstbar zu machen;- -7. Irren wir nicht, so leuchtet dieselbe Tendenz der Einheit, die des großen Rabbi Akiba, des Märtyrers für - nrr.K von dem die angeführte Mischna höchstivahrscheinlich stammt, so ganz würdig ist. auch aus den dunklen, die Erklärung, oder eigentlich Einschränkung des Wörtchens "^„betreffenden Sätzen unseres an der Spitze dieser Ausführungen befindlichen Midrasch uns entgegen. An uns wäre es demnach, diese aus der MischUa gewonnene Tendenz in ihren einzelnen Sätzen den. den.Bibelstellen untergelegten Sätzen unseres Midrasch anzupaffrn. . Wir. thun dies, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die vom Midrasch herangezogenen Stellen aus Nachum 1, Echa 3, 25 und Ps. 146 und dann wieder aus Echa 3, 26 und Ps. 73 nicht durch ein Ungefähr zusammengetragen. sondern planmäßig gewählt und der aus der aus Aboth angeführten Mischna sich ergebenden Tendenz entsprechend geordnet und gedeutet sind. — ''vx brn Alles ist von Gott vorher geschaut, und. die Schau des Allwissenden 'w ist Bestimmung, und die Bestimmung setzt dem Gesammtall seine Richtung und sein Ziel, wwd re Gütig ist Gott, Er wird zur Zufluchtsburg; doch wem? n wi m’i Er weiß es, wer bei Ihm Schutz suchen wird. Gott ist allwissend, und Sein Wissen an sich ist Bestimmung. ruiw imntJ Dennoch ist die Freiheit gegeben. Es. steht dennoch Jedem frei,, den Gottesfchutz zu suchen, sich Ihm mit seiner Seele hinzugeben oder nicht n re ■; •) Bgl. Ar ß'p-a ruavst man c. T.pb Gütig ist Gott denen, die auf ihn hoffen; doch nicht allen, nicht denen, die als Sklaven unter das Joch eines Fatums gebeugt, mit seelenlosem Gleichmuth dem unabänderlichen Geschick entgegenharren, wnn reA Nur bcm Hoffenden ist n ein gütiger Gott, der Ihn mit seiner Seele sucht, der, seines freien Willens sich bewußt. diesen Willen dem Gebote seines erbarmungsvollen Gottes beugt. p.nz edurn s'er Mi Güte wird das Weltall gerichtet. Darum kann der Wunsch des Einzelnen nur dann auf Gewährung durch Gottes Gnade rechnen, wenn diese Gewährung nicht in sich schließt eine ungerechte Härte gegen das Gesammtwohl des von der Gottesgnade lebenden und erhaltenen Universums. b£ -i a*e Gütig ist Gott gegen jeden. Doch hat nicht jeder ein Recht darauf, durch seine partikularistische Bevorzugung das dem Gesammtganzen zugewandte göttliche Erbarmen zu beeinträchtigen. dm Du mußt nicht meinen, das bv in der Bedeutung von „Jeder" dürfe in Gegensatz treten zu dem bin seiner Bedeutung von „Allgemeinheit" rrre dz by vc-.*n Vn , da belehrt dich die Ergänzung des die Gute Gottes preisenden Dordersahes eines Besseren, indem sie das Ganze über den Theil stellend, dieser Güte das im Erbarmen des Schöpfers des Alls begründete Korrelat setzt. Gütig gegen jeden, so weit sich dies mit dem allen Geschöpfen zugewandten Gotteserbarmen vertragt! ritt>on 2n 'sb .bmn Alles nach der überwiegenden Menge der Thaten. Sowie bezüglich der Empfänger' der göttlichen Liebesspenden die Allgemeinheit entscheidet. so entscheidet auch hinsichtlich der verdienstlichen menschlichen Liebesthaten die Allgemeinheit derselben, ccm brn re Gütig und still ausdauernd im Hoffen und Harren sei der Mensch; still übe er seine Pflicht als etwas Selbstverständliches und harre dem Kommenden entgegen. Und das „Kommende" sei nicht alles und jedes, was kommen und woher es kommen mag; nicht dem unbestimmten Etwas, das wie ein unabwendbares Berhängniß über dem ohnmächtigen Menschen schwebt, harre der Dulder in stummer, dumpfer Duldung entgegen, sondern", rarxnb einzig und allein der Hilfe Gottes. .Der hoffende Mensch fühle sich durch seine innigen Seelenbeziehungen zu seinem erhabenen Gotte auf die .Höhe gehoben, die ihn der Geistestödtung und Willensversumpfung entrückt und ihm den Ausblick gestattet nach der von seinem Gotte gesandten Hilfe. Und was für den Menschen gilt von seinem gehobenen menschlichen Standpunkte aus als geist- und. willcnsbegabtes Wesen in der gottgeschaffenen Welt, das gilt in noch erhöhtem Maße für Jsrael.'dem uralten Weihepriester dieser Welt, n'pbn brn»'1? re -jh Ja. gütig für Israel ist Gott. Auch im strengen richterlichen Walten als rpSx hat sich Israel die Güte Gottes tausendfach erprobt, und sie wird nicht fehlen dem erwählten Volke der Wahrheit und der Leiden.

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