Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1904)
- Date
- 1904-01-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. perlen c»us Bibel und Talmud. Aphoristisch aneinander gereiht. Bon Rabbiner I. NobL'—H alber stad 1. arm b-n b& ba» <« Dry) m* er: wob n zra wob b*n hob bn npb n aw ca nax) rrna .2 -ön b'n bob bir hob 'n 3*8 n*cp Dbrrn) 12 «w3 .arm ccm brr«, 2*5 tz rsr»> 2 xxvs ♦vtpd bz bv ram 2tb “jx erp B’bru*) 2 «ob b'n bzb ^3! .(BpS^ n ton.*);2rb rnab b'n hob bar opbx bwvb . I- „Gütig ist Gott, Er wird zur Zufluchtsburg am Tage der Noth;" da könnte man meinen: für alle. Da wird uns Weiler gesagt: „und Er weiß, wer und wie viele bei Ihm Schutz suchen werden." Dem ähnlich heißt es (Klage!. 3): „Gütig ist Gott denen, die auf Ihn hoffen;" es könnte scheinen: allen, da heißt es: „Der Seele, die Ihn sucht." Ebenso heißt es(Ps. 145): „Gütig ist Gott allen;" ist's wirklich gemeint allen? Nein, denn es heißt ergänzend: „und sein Erbarmen erstreckt sich auf alle seine Werke." Ebenso (Klagel. 3): „Gütig sei der Mensch und hoffend und still ausharrend;" etwa allem entgegen? da heißt es: „der Hilfe Gotte zu." Ebenso endlich (Ps. 73): „Ja gütig für Israel ist Gott;" meinst Du für alle? Da heißt es: „für die lautern Herzens." (Jalk. Nachum 1.) Erklärung. Die Güte Gottes in seiner Welttvaltung und in Beziehung zu dieser, des Menschen Thun und Walten auf Erden — das ist's, was unser Midrasch in logischer Stufenfolge entwickeln will. Die Logik hat in diesem zum Theile räthselhaft klingenden Ausspruche das Wort. Da merken wir schon daran, daß die in Klage!. 3 aufeinander folgenden Verse 25 bis 26 (mpb n 22 und «a-n bwi re) in der Behandlung des Midrasch von einander getrennt und durch den Vers aus Ps. 145 (-ab "r re) unterbrochen angeführt - werden. Hier muß die Logik eines Jdeenganges, der gerade diese räthselhafte Einschränkung des bob '.*» 22 mit rrps bz bv rerm b*n bzb br dient, maßgebend gewesen sein. Wo finden wir die Spur dieses Jdeenganges? Irren wir nicht, so bietet uns die Midraschweisheit wenn auch nicht die volle Losung, so doch die klarende Betrachtung der großen Frage, die den scheinbaren Widerspruch betrifft zwischen der, von der göttlichen Allwissenheit^bedingten. Bestimmung.und der: von Lohn und Strafe bedin^tenmens^lichen/Willensfreiheit, die Frage, die die größten Denker aller Zeiten, von Aristoteles bis Maimonides und — Kant beschäftigt hat. der Frage, die sich von der ErdezumHimmel^- emporthürmt und auf die der Himmelsthroner Mtwartet: Meine Gedanken sind nicht,eure Gedankenl"—../ So weit auch die Versuche auseinander gehen." mögen, den Widerspruch zwischen der zwingenden Se-: 7:,^ stimmung durch Gott und der freien Wahl des Menschen I zu lösen, in einem Punkte stimmen sie überein,.dann. I nämlich, daß die Losung auf der Linie liege, auf. her das Einzelindividuum mit seinem Streben' und' Mrken zum Ziele der Welt, zur Endbestimmungder Gesarnmt-,^7 Menschheit hin sich entwickelt. . . ' Dieses Welt- und Menschheitsziel ist von Gott he- . / /, stimmt, und es steht unverrückbar fest; und' es.wird jwny. den geschaffenen Wesen erreicht werden und wenn Jahr- . tausende der Irrung die Irrenden vom Ziele fern , halten sollte. Dem Menschen hat Gott den rechten und'.. den verfehlten Weg frei gestellt und sie beide durch bote und Verhole gekennzeichnet. Es steht beim Men^ V i; schen, daß er dem Gottesgesetze getreu, sich und die näch? . . .' ' . folgende Generation auf der Bahn des Guten zum/;. Ziele fördern oder, daß er den Abweg erwähle, den dann. . 7 ganzeGeschlechter nach ihm mühsam rückwärts verfolgen / 7,.. müssen, bis zu seinem Ausgangspunkte, wo dieunab- . . änderliche Lehre des ewigen Gottes immer wieder auf - .. | den Weg zum Ziele — zum Guten hinweist. Heil denen,,. /./ ] die' den Weg zum Guten erwählen von Änfanganunb. 7 77 ihn verfolgen bis än's Ende. " 7 7! In den „Sprüchen der V'äter^ ä'v w2x) lehrt uns eine Mischna in sehr kurzen und prägnanten,/ Worten über dieselbe wichtige Frage .der Gottesb^-/ , '. / stimmung und Menschenentschließung. Diese Mischna /’, /. ’ > hat, wie uns scheint, unser Midrasch mit oder ohne Ab- /1''' sicht zum Leitfaden seines Ausspruches genommen. ' Darum möge diese Mischna aus Aboth hier ihre Stelle.; 7 finden; sie lautet: ' / :.nvVvn DT wb bzm jro obi?r» 2221 „nama mr*vn..TMf bsn'/'77 „Alles ist voraus geschaut, und' dennoch ist die' Freiheit gegeben. Mit Güte wird die Welt gerichtet///'. und alles ricktet sich nach der Menge her Thaken und . ' ' Thalsachen." ■ T. '7* Nach Maimonides Auffassung,' der wir ' gerne^ ' 7 folgen, will diese Mischna folgendes sagen: Trotzdem.'; / die Gottesbestimmung auf Erden'herrscht.',bleibt dem-'7 •' Menschenwillen ein kreier Spielraum- Erst wenn durch'' ’ /i:r? des Menschen Thun die ganze sittliche Grundlage : - 7 Weltbestandes gefährdet und - eine Verschiebung des . - Endzieles der Menschheit itf Frage "wäre, tm erst wllrKe'^' '' der göttliche WAe^mit^chöpftekschei Machsi'esngretten.^^^7! -«Md; her-üuensichttchen G.ntschlWÜng' rhdö stnüberstA^7'7.' liche Schranke ziehen, wie er dies dem Meere thut, wennes die Erde zu Lberfluthen droht. Gott hat geschworen, es soll nicht wieder durch Menschensünde und Wasser-