Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1904)
- Date
- 1904-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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139 Wahrheit und Richtung. Von Friedrich Nott. ti5 „Die gehört dem Verwalter/ sagte Müller hastig. „Max, bringe pe ihm sofort.* „Herr Werner ist jetzt nicht zu Hause/ sagte seine Frau, „er sprach davon, den Herrn Pfarrer zu besuchen und dann in's Gasthaus zu gehen. Ich werde die Banknote aufbewahren und sie ihm später zurückgeben.* Ihr Gatte blickte sie betroffen an, und als die Kinder sich wieder entfernt hatten, sagte er: „Du bist im Jrrthum, Rest, der Verwalter ist zu Hause, er ist soeben hier vorubergegangen, vermuthlich in seine Wohnung. Soll nicht. Max ihm das Geld zurückbringen? — Er könnte es vermissen und könnte glauben —* Sie schüttelte verneinend de« Kopf. «Er wird es nicht vermissen, denn — er hat es absichtlich dagelassen,* fugte sie leiser hinzu. „Das glaube ich auch und eben deßhalb —* Sie schüttelt: abermals den Kopf und setzte sich möglichst nahe zu ihrem Manne. „Der Verwalter ist ein Schurke/ flüsterte tie, „er will mich bestechen —* „Und deßhalb willst Du ihm das Geld nicht zurückschicken?* „Nicht sofort, heute nicht/ „Aber Resi. ich bitte ZÄH —* „Höre mich an und dann wollen wir überlegen, was geschehen soll. Morgen hat er eine sehr bedeutende Lieferung, das habe ich schon gestern gehört und habe mir schon gestern vorgenommen, ihn morgen scharf zu beobachten. Daß er aber heute kommt und mir hundert Kronen aufdrangen will, das bedeutet, daß der Unterschleif, den er morgen bewerkstelligen will, sehr bedeutend sein soll. Du weißt, ich habe das Geld wiederholt zurückgewiesen, trotzdem hat er es dagelassen und die Hoffnung ausgesprochen, daß Du mich zur Annahme desselben bewegen werdest. Schicke ich ihm nun das Geld sofort zurück, so wird er endgiltig erkennen. daß er absolut keine Nachstcht von mir zu erwarten hat und wird seine Vorsichtsmaßregeln womöglich verdovpeln. Warte ich jedoch mit der Rückgabe des Geldes bis nach der Lieferung, so läßt er es vielleicht in irgendwelcher Beziehung an Vorsicht fehlen, und es wird leichter, den beabsichtigten Betrug zu vereiteln.* „Ah so/ machte Müller, „jetzt verstehe ich, was Du willst — wenn nur der Krowanni.da wäre -7/ „Ich müßlhn schleunigst bewachrichtigen, damit er morgen bei Zeiten hier sein tarn/ „Du willst ihm telcgraphiren?* „Ich muß, sonst könnte er am Ende zu spat kommen.* „Aber — wird es ihm nur recht sein?* „Warum nicht? Er hat mir doch seine Telegrammadresse auch ausgeschrieben.* „Und was willst Du ihm telegraphiren?* „Bitte morgen frühestens hier einzutreffen, und meinen Namen darunter, weiter nichts.* Müller blickte bewundernd zu ihr hinüber. „Der Verwalter hat dcch recht, der Krawanni hat ein ausgezeichnetes Geschäft gemacht, als er Dich.angestellt hat/ „Wir haben aber doch ein noch besseres gemacht. Wie hast Du Dich hier Gottlob erholt, und wie frisch und wohlgenährt sind wir. alle, dabei strenge ich mich, nicht halb so viel an, wie beim Nähen. — Aber nun muß ich rasch die Depesche aufsehen und dann muß Max sofort in die Stadt auf's Telegraphenamt.* Sie rief ihren Knaben, übergab ihm die Depesche und band ihm auf die Seele, Niemandem zu sagen, wohin er gehe, und später auch Niemandem mitzutheilen, wo er gewesen. „So werde ich gar nicht über den Hof gehen, sondern werde drinnen durch's Fenster steigen, dann bin ich gleich im Freien und Niemand wird merken, daß ich fortgewesen bin, wenn ich auch wieder durch's Fenster zurückkomme/ Alles ging wie gewünscht. Das schlaue Bürschchen vollzog den ihm gewordenen Auftrag, ohne daß einer der Hausgenossen auch nur eine Ahnung von seiner Abwesenheit hatte. Und am folgenden Morgen, noch bevor ihn irgend Jemand erwarten konnte, trat der Gutsbesitzer in den Hof. Die Wirthschafterin befand sich gerade in der Milchkammer, er suchte sie dort auf und rief ihr schon von weitem zu: „Guten Morgen Frau Müller! Das heißt überraschen, wie?* Die in der Nähe arbeitende Magd sollte es hören, daß er auch die Wirthschafterin überrascht habe. Diese erwiderte seinen freundlichen Gruß und fragte, ob ihm gefällig wäre, zu frühstücken. „Das wäre mir freilich gefällig/ versetzte er, „habe zwar heute schon einmal gefrühstückt, aber das war vor Sonnenaufgang.* „Ich werde sogleich —* Er hielt sie zurück. „Aber ich bitte Sie, Frau Müller, das brauchen Sie doch nicht selbst zu besorgen, das kann die Liesbeth auch. Nickt Liesbeth?* ‘ «O gewiß,* entqeqnete die Maad geschmeichelt und eilte fort. Er blickte ihr schmunzelnd nach. „ So. die wäre exvedirt. — Nun. Frau Müller, ich habe Ihrer Aufforderung .entsptochrrr^ 'Si^s^hön strich bier in größter Spannung.* ' - * Sie drückte die Thüre fester in's Schloß und theilte ihm flüsternd ihre Befürchtung in Betreff des