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Der Israelit · 1904-01-25 · Heft 7 (25.1.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 7 (25.1.1904)
Date
1904-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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137 nun einem Schulärzte das in seinem Bezirke gelegene Mädcheninstitut der „Englischen Fraulein" zugetheilt wurde, prostetirte die Vorstandschaft vorerwähnter Schule gegen das Reglement des Magistrates, weil betreffender Arzt Jude sei und verlangte einen christlichen Schularzt. Ersterer. durch einen städtischen Beamten offiziell von dem Begehr unterrichtet, erklärte freiwillig ouf die Ehre, an der Schule der „Englischen Fräulein" schulärztlich zu amtiren. verzichten zu wollen. Bemerkt sei aber, daß israelitische Mädchen gegen Zahlung des Schulgeldes recht gerne als Schülerinnen ausgenommen werden; darunter leidet der Charakter der Anstalt nicht im mindesten. Emden, 16. Jan. Am 1. d. Mts. feierte Herr Lehrer H. Meyer in Leer das seltene Jubiläum seiner 25jäbrigen Thätigkeit als Lehrer der dortigen Gemeinde. Der Jubilar hat es verstanden, sich die Achtung und Liebe weiterer Kreise zu sichern. Allgemein bedauerte man. daß der Zeitpunkt der Feier nicht früher bekannt geworden ist. Einge Lehrer aus der Umgebung hatten es sich nicht nehmen lassen, ihrem Herren Kollegen persönlich ihre Glückwünsche zu übermitteln. H. Ltrasrbnrg, 20. Jan. Anläßlich des bevorstehenden Allerb. Geburtk-tags Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm U. hat das isr. Konsistorium des Unterelsaß an das Generalkommando zu Straßburg folgendes Gesuch gerichtet: „Wir beehren uns. dem Generalkommando ganz ergebenst mitzutbeiken, daß in Gemäßheit eines Ministerialerlasses vorn 4. dss. Mts. der Geburtstag des Kaisers an dem vorherigen Samstag. 23. Januar, in Straßburg und in den Kultiisgemeinden. wo dies gewünscht wird oder wo eine angemessene Betheiligung! an der Feier zu erwarten ist. Mittwoch. 27. Januar. 9 Uhr Morgens, gefeiert wird. Wir bitten gehorsamst hohes Generalkommando, dahier anordnen zu wollen, daß die Mannschaften isr. Belcnntnisses zn dem Festgottesdienst zur bestimmten Zeit in die Synagogen kommandirt werden." Das Generalkommando hat darauf geantwortet: ..Vorstehendem Gesuch ist zu entsprechen, soweit eS die dienstlichen Interessen gestatten." — Wie ich soeben durch ein Konsistorium-Mitglied erfahre, wird die aus 50 Familien bestehende israelitische Gemeinde Weiler (Unter-Elsaß) dank ihrer einmütigen Opferfreudigkeil und dank der Bemühung ihres Rabbiners Dr. Bloch in Dambach. in nicht langer Zeit einer eigenen Synagoge sich erfreuen, mit deren Bau im nächsten Frühjahr begonnen werden soll. Zu den Baukosten, die einschließlich innerer Einricht,mg und Ausschmückung auf etwa 8000 Ml. zu stehen kommen werden, gibt der Staat einen Zuschuß von 1200 Ml. Im unweit von Weiler liegenden Dorfe Bassenj berg. wo früher zahlreiche israelitische Familien wohnten. die im Laufe der Zeit thekls nach Weiler zogen, theils avsgewandert sind, steht zwar eine Synagoge, die früher öfters von den jüdischen Familien zu Weiler besucht worden ist. seit letzterer Zeit aber ihrer weiten Entfernung wegen, nicht mehr benützt wird. Frankreich. Pari««, io. Jan. Am 27. v. M. fand eine Sitzung des Aufsichtsrathes der I. C. A. statt. Nebst der Einführung von zwei neuen Mitgliedern, des Rechtsanwalts Dr. Blau und Mr. Leonard L. Cohen, welche an Stelle der verstorbenen Mitglieder Julius Plotke und A. L. Cohen getreten sind, soll es sich in dieser Sitzung nur wichtige kolonisatorische Unternehmungen gehandelt haben. In Palästina sind 5000 Hektar Land hinzugekaust worden, das mit neuen Kolonisten arrs Südrußland (Kischinew) besiedelt werden soll. Ferner sollen in Eypern einige neue Kolonien errichtet werden. Endlich soll eine stärkere Auswanderung russischer Juden nach Argentinien stattfindcn. In erster Reihe wird dabei an die Bewohner der jüdischen Kolonien Südrußlands gedacht, die bei allem Fleiße und bei aller Tüchtigkeit als Ackerbauer in ihrer Heimath wegen drückenden Mangels an Land auf keinen grünen Zweig kommen können. In der Kolonie Rahar-Tow im Gouvernement Cherson sind zahlreiche Kolonisten bereit, nach Argentinien auszuwandern. wo sie pro Familie 100 Hclta»' Land nebst allem Zubehör gegen die Verpflichtung erhalten, den Betrag dafür in zehn Jahresraten abzuzahlen. Holland. Amsterdam, 17. Jan. (VondenDiamanta r b e i t e r n.) Allem Anschein nach steht ein neuer! großer Streit der Diamantarbekter bevor. Da sich diesmal die Antwerpener Arbeiter mit den Amsterdamern solidarisch erklärt haben, würde ein solcher Streik schon »vegen seines Einflusses auf den Diamantu-.arkt Interesse verdienen. Was ihn aber vor anderen Streiks auszeichnet. sind die verwickelten Verhältnisse, aus denen er entsteht. Um sie zu begreifen, sei uns erlaubt. einiges über das Verhältnis des Diamantarbeiters zu seinem Arbeitgeber voranzuschicken. Zunächst: ..Fabriken" im üblichen Sinne gibt es nicht oder kaum! Der „Fabrikbesitzer" ist lediglich der Besitzer eines mit den nöthigen Maschinen ausgestatteten Etablissements, also einer größeren Anzahl von Arbeitsplätzen, die er an die Arbeiter vermiethet. Der Arbeitgeber (Brillantcnhändler, hier „Juwelier" genannt) ist wieder eine Person für sich. Nur selten hat er zugleich seine eigene Fabrik und dementsprechend festangestellte Arbeiter. In der Regel vergibt er seine Arbeit an den,.baav* (Meister), der sie nach den feststehenden Tarifen in den , Fabriken oder auch zu Hause mit seinen Gehilfen aus- I führt. Wohl 90 Prozent aller Arbeiter des Diamantfaches arbeiten in diesem eigenartigen Verhältniß. Vor

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